Mit Flower Power gegen Landminen – Tiere als Leidtragende

Die dänische Biotech-Firma Aresa Biodetection, http://www.aresa.dk,  hat die Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana), ein Kreuzblütengewächs, genetisch derart modifiziert, daß die Pflanze durch Farbänderung das Vorhandensein von Landminen anzeigt. Sobald die Wurzeln der Arabidopsis thaliana mit den Minen in Kontakt treten, reagieren sie auf das von den Sprengkörpern evaporierende Stickstoffdioxid (NO2). Die Acker-Schmalwand nimmt eine rötliche Farbe an – im Prinzip ist die genetische Modifizierung auf das NO2 dem natürlichen biochemischen Mechanismus der Pflanze nachempfunden, den sie bei Stress aktiviert.

Laut Angaben von Aresa sollen in 45 Staaten mehr als 100 Millionen Landminen immer noch scharf im Boden versteckt sein – obwohl den Gebrauch dieser Explosiva 1997 in der Konvention von Ottawa verfemt worden ist. Offizielle Zahlen über die Opfer von Landminen liegen nicht auf, das Internationale Rote Kreuz geht aber von jährlich 26.000 Toten aus; noch viel mehr Personen werden durch die verborgenen Sprengsätze verstümmelt.

Die Erfindung von Aresa basiert auf den Forschungen des Instituts für Molekularbiologie der Universität Kopenhagen. Schon drei bis sechs Wochen nach der Aussaat über minenverseuchtem Gebiet wäre die Acker-Schmalwand einsatzbereit, so ein Sprecher der Biotech-Firma. In wenigen Jahren soll ein Prototyp der gentechnisch veränderten Arabidopsis thaliana auf den Markt kommen. „Wir glauben allerdings nicht, daß diese Pflanzen bisherige Systeme zum Aufspüren von Landminen ersetzen werden“, so ein Aresa-Sprecher. Es wäre auch vorstellbar, den Samen der gentechnisch veränderten Pflanzen vom Flugzeug aus zu säen; ein Unterfangen, das im Feldversuch der dänischen Armee zukäme. Da die Pflanze steril sei, könne sie sich auch nicht unerwünscht in der Natur verbreiten, wie die dänische Biotech-Firma betont.

Forschungen laufen ebenso in der Richtung, daß die Acker-Schmalwand Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Zink oder Chrom im Boden aufspüren und entsorgen soll. Derart ist es geplant, industriell anfallende Giftstoffe biologisch abzubauen. Kritik am Projekt kommt von der schottischen NGO Halo Trust. Die Kosten zum Aufspüren von Minen lägen derzeit bei 59 Cent pro Quadratmeter: Nur Systeme, die weniger kosten sind sinnvoll“, meint der Halo Trust-Sprecher Guy Willoughby. Und es gebe zahlreiche Sprengsätze, die aufgrund spezieller Versiegelung kein NO2 abgeben. Außerdem: „Frische Pflanzen locken üblicherweise zahlreiche Haustiere an“. Das heißt, Tiere wären wieder einmal die Leidtragenden – gewissermaßen ein kalkulierter Kollateralschaden zur Detonationen der Landminen. „Neben den herkömmlichen Suchmethoden wurden in jüngster Zeit Minensuchprogramme mit Ratten und Bienen vorgestellt“, bestätigt auch Bob Gravett, Technischer Berater der Mines Advisory Group.

Vielen mag eine Kritik an diesem scheinbar genial einfachen Minenräumprojekt als Zynismus vorkommen – als Ignoranz gegenüber den Zigtausenden toten und verstümmelten Menschen. Dennoch ist es aus Sicht der Tierrechte ethisch völlig inakzeptabel, Tiere, also ebenso leidensfähige Lebewesen, vorzuschieben. Die Wurzel des Übels ist der Militarismus. Ein nachhaltiger Ansatz kann daher nur bei der Friedenssicherung auf politischer Ebene ansetzen, was unter anderem bedeutet, den international florierenden Waffenhandel drastischen Beschränkungen zu unterziehen. Ansonsten bleibt auch das ausgeklügeltste Minensuchprogramm nur Symptombekämpfung.

© www.canis.info , 29.01.04, nach “Flower-Power Could Help Clear Land mines”, Reuters vom 27.01.04, bzw. http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=040129013

 

 

 

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