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Paläontologie: Unser
Cousin, der Hobbit Kleinwüchsige menschenähnliche
Wesen, so genannte Hobbits, spielen nicht nur bei Fantasyautor J.R.R.
Tolkien eine bemerkenswerte Rolle, sondern - Veröffentlichungen des
renommierten Wissenschaftsmagazins Nature zufolge
offensichtlich auch in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Das
beweist der auf der indonesischen Insel Flores gemachte Knochenfund einer
nur einen Meter großen Frau. Alter: 18.000 Jahre. Chris Stringer, Paläontologe
am Londoner Naturhistorischen Museum, meint sogar, dass durch diese
Entdeckung unser Wissen über die Evolution neu geschrieben werden
muss. Die gängige Out-of-Africa-Theorie, nach der die Wiege des
modernen Menschen in Afrika stand, bekommt nun geografische Risse. Flores ist eine kleine Insel am Äquator, östlich von Java und nordwestlich von Australien gelegen. Darauf befindet sich, umgeben von Kaffeeplantagen und bewacht von Bewaffneten, das Gebiet von Liang Bua, wo seit 1964 paläontologische Grabungen durchgeführt werden.
Neben den Gebeinen der
prähistorischen Hobbits waren Steinwerkzeuge sowie versengte
Tierknochen anzufinden, was den Schluss nahe legt, dass diese kleinwüchsigen
Hominiden einfache Jagdinstrumente sowie die Verwendung von Feuer u.a.
zum Kochen kannten. Die Anatomie der Floresfrau gibt Rätsel
auf, zeigt sie doch sowohl Merkmale des archaischen, noch sehr affenähnlichen
Australopithecus als auch des moderneren Homo erectus. Nach
einjähriger Untersuchung des Skeletts in Djakarta wird mittlerweile
angenommen, dass der Homo floresiensis eine durch natürliche
Selektion auf die Inselverhältnisse angepasste Weiterentwicklung des Homo
erectus darstellt. Nun hoffen die Paläontologen, noch mehr Knochen
dieser Halblinge zu finden, um festzustellen, ob Floresmann
bzw. Floresfrau eine entwicklungsgeschichtlich kurzlebige oder aber
länger bestehende Spezies war. Sollte in den Gebeinen DNA gefunden
werden, wäre eine vergleichende Analyse mit anderen Hominiden möglich. Fest steht: Beim
Gehirnvolumen kam der Homo floresiensis nur auf 380 cm3,
was etwa der Größe einer Grapefruit entspricht. Das mutet fast
anachronistisch an, da bereits der vor 1,8 Mio. Jahren lebende Homo
erectus über 1.250 cm3 bis 3.000 cm3 verfügte.
Peter Brown, Forscher von der Universität New England in Armidale
(Australien), sagt: Ein so kleines Gehirn in Verbindung mit
Werkzeuggebrauch erfordert eine völlig neue Vorstellung von der
menschlichen Evolution. Wahrscheinlich lebte der Homo
floresiensis sogar über Jahrtausende gleichzeitig mit dem Homo
sapiens s., also dem heute existierenden Menschen. Damit wäre eine
Koexistenz verschiedener Menschenarten bewiesen. In den Legenden der
Inselbevölkerung gibt es ohnehin ein reiches Gut an Erzählungen über
den zwergenhaften Ebu Gogo. Dieser Waldmensch soll sich mit Seinesgleichen
murmelnd verständigen und menschliche Wörter wie ein Papagei nachahmen.
Zur Zeit kursieren Gerüchte, dass dieses mythische Wesen noch zur Zeit
der niederländischen Kolonialisierung vor wenigen Jahrhunderten existiert
hätte. Henry Gee, Herausgeber von Nature, hält es sogar für
möglich, dass tief im indonesischen Dschungel immer noch Gruppen dieser
Hominiden leben könnten. In aller Welt existieren
Überlieferungen über zwergwüchsige Menschenschläge, seien es
Leprechauns in Irland oder Yowies in Australien. Die Spielzeuggröße
des Homo floresiensis war an die Fauna der entlegenen Insel
angepasst, wo unter anderem eine nur Pony große Elefantenspezies, das
Stegodon, gelebt hatte. Andererseits aber wiesen Schildkröten und
besonders Ratten großwüchsige Dimensionen auf. Zweitere erreichten die körperlichen
Ausmaße heutiger Jagdhunde und dürften eine Hauptnahrungsquelle der
Hobbitinsulaner dargestellt haben. Auch mit Drachen hatten es die
Einmeterhominiden aufzunehmen, allerdings nicht mit Tolkiens Schätze
hortendem Smaug, sondern den Komodowaranen. Wer mehr über unseren Cousin, den hobbitgroßen
Homo floresiensis, erfahren möchte:
www.nature.com/news/specials/flores
Wissenswertes
zur Insel Flores: http://en.wikipedia.org/wiki/Flores
Text:
www.canis.info , 02.11.04 (c) Foto: "National Geographic"
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