SUB ROSA – Auf dem Weg zur Blauen Rose

Seit dem Dichter Novalis gilt die Blaue Rose als das Symbol der Romantik und des Transzendenten schlechthin. Und tatsächlich sind blaue Rosen bisher nur in der Phantasie erblüht; in der Natur fehlen die dementsprechenden Farbpigmente. Das soll mittels Gentechnik nun geändert werden. Andere Wissenschafter sind nicht der Farbe, sondern dem Duft der Rose auf der Spur oder aber versuchen einen „Fingerabdruck“ der Rosen-DNA zu nehmen.

Eigentlich kam der Biochemiker F. Peter Guengerich von der Vanderbilt University School of Medicine (USA) zu seiner Entdeckung wie die sprichwörtliche Jungfrau zu ihrem Kind. Guengerich erforschte nämlich wie Medikamente in der Leber metabolisieren. Dabei stieß er auf ein menschliches Protein, das der Schlüssel zur blauen Rose sein könnte. Dieses als Enzym wirkende Eiweiß zeigte im Laborversuch die Reagenz, Bakterien blau zu färben. Sukzessive wurde Guengerich klar, welche Möglichkeiten sich ab nun ergeben könnten. „Hätten Sie mich vor fünf Jahren gefragt, ob ich einmal nach blauen Rosen forschen würde, hätte ich Sie für verrückt erklärt.“, gibt Guengerich von sich; schwärmt aber weiter: „Wir können blaue Baumwolle, blaues Alles produzieren“. Der  heilige Gral“ wäre aber immer noch die Erschaffung der blauen Rose. Samt seiner ebenso enthusiasmierten Assistentin Elizabeth Gilliam führt er nun mit verschiedenen Biotech-Firma Verhandlungen, um die nötigen Dollars an Forschungsgeldern lukrieren zu können. Die 1986 gegründete australische Gesellschaft Florigene ist schon ein Stück weiter. Ihre Wissenschafter setzten Rosen die Gene blauer Petunien ein; allerdings blieb die blaue Rose als Folgezüchtung bisher aus.

Israelische Forscher wiederum arbeiten intensiv am Aufspüren des sogenannten „Duftgens“, das den Rosen ihr typisches Odeur verleiht. Dabei wurden jeweils das Genom der stark aromatischen „Duftwolke“ (Fragrant Cloud) sowie der beinahe geruchlosen gelben Rose katalogisiert und verglichen. All jene Gene, die der Yellow Rose fehlten, wurden aus der Fragrant Cloud isoliert. Um sie in die gelbe Rose einzusetzen, fehlt es noch an der nötigen Technologie, wie David Weiss von der Hebräischen Universität in Jerusalem ausführt.

Die Forscherin Sriyani Rajapakse, tätig an der Clemson University (USA), hat als erste einen Rohentwurf des gesamten Rosengenoms fertig. Nun will sie „genetische Fingerabdrücke“ bestimmter Rosensorten auf den Markt bringen, die es Züchtern ermöglichen, ihre Pflanzen vor Diebstahl besser zu sichern.

 

Widerstand gegen diese künstliche Erweiterung der natürlichen Varietäten gab es bisher nur von einigen wenigen Puristen, was aber auch nicht anders zu erwarten ist, wenn es selbst beim Versuch an Tier und Mensch relativ geringe Einwände gegen Gentechnik gibt. Außerdem werden Rosen nicht gegessen, stellen also gentechnisch verändert, keine so große potentielle Gefahr für den Nahrungskreislauf wie etwa modifizierter Mais oder verändertes Soja dar. Die berühmte San Francisco Rose Society mahnt zwar zu „großer Vorsicht vor unerwünschter Hybridisierung“, preist aber ebenfalls die Möglichkeiten der modernen Biotechnologie – und vor allem die Aussicht auf die Blue Rose.

In vergangenen Jahrhunderten ließ man eine Rose von der Decke oder vom Leuchter hängen und stellte sich darunter, um besonders vertrauliche Dinge zu besprechen – „sub rosa“ – unter der Rose – wurde zum geflügelten Wort für das Geheime. Sub rosa ist nun auch die Forschung von Clemson bis Jerusalem, vor allem darum, da es um millionenschwere Patentrechte geht. Geld stinkt nicht, sagt man. Aber ob genmanipulierte Rosen wirklich ihren Duft verbessern, bleibt ungewiß...

Text: A. Willer/CANIS

Q: http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=stor…biotech_roses_1

Infos : www.mc.vanderbilt.edu/ bzw. www.huji.ac.il/unew/main.html

 

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