Bis alle Käfige offen sind – Kampagne gegen Morini

 

Am Samstag, 27. März 2004, fand in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia eine Demonstration gegen die Firma Morini statt. Mehr als 500 DemonstrantInnen, darunter zwölf TierrechtsaktivistInnen aus Österreich, forderten die Schließung des Betriebes. Morini ist einer der größten Produzenten für Labortiere in Europa. Gegründet wurde das Unternehmen 1973. Gegenwärtige Eigentümerinnen sind Giovanna Soprani sowie ihre Töchter Marta und Rita. Zur Zeit beherbergt der Familienbetrieb an die 600 Beagles sowie Hunderte Hamster, Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen und Ratten.

Im August 2002 trat in der Region Emilia Romagna ein Gesetz in Kraft, das Zucht, Verwendung und Verkauf von Hunden und Katzen für Tierversuchszwecke untersagte. Seitdem ist es Morini nicht möglich, die Beagles auf legalem Weg an die Labors zu veräußern. Es wurde das Schlupfloch gefunden, die Hunde um rund Euro 500,00 das Stück als Heimtiere zu verkaufen. Nachdem kaum jemand nachprüft, ob die Beagles tatsächlich an Familien vermittelt werden, ist der Tierversuchsindustrie weiter Tür und Tor geöffnet. Zudem hat das italienische Ministerium für Regionale Angelegenheiten das Verbot in der Emilia Romagna im September 2002 vor dem Verfassungsgerichtshof angefochten. Grund: Die Regelung stehe im Konflikt mit dem Bundesgesetz, welches Affen, Hunde und Katzen für Tierversuche zulässig hält, sofern zuvor eine Genehmigung vom Gesundheitsministerium eingeholt worden war. Der Urteilsspruch ist noch ausständig.

Ihren Anfang nahmen die Proteste gegen Morini im Mai 2002. Damals war an der italienisch-österreichischen Grenze ein Transporter mit Bestimmungsort Hamburg gestoppt worden; an Bord: 56 Beagles. Da sowohl die Transportbedingungen als inadäquat befunden worden als auch Irregularitäten bei der Dokumentation der Hunde aufgetreten waren, entschied die Staatsanwaltschaft Bozen, die Tiere nicht nach Deutschland weiterfahren zu lassen und beschlagnahmte sie. Ein großes Medienecho war die Folge, viele Tierschutzvereine begrüßten die Reaktion des Staatsanwaltes. Monate später wurde das Versuchsverbot für Affen, Hunde und Katzen in der Emilia Romagna Gesetz. Danach folgten die Regionen Lazio und Ligurien und begannen immerhin mit der Diskussion um Bestimmungen hinsichtlich der Verwendung von Hunden und Katzen für Tierversuche.

 

Am 7. Dezember 2002 – zum Geburtstag von Giovanna Soprani – gingen 1.500 TierrechtlerInnen erstmals gegen Morini auf die Straße. Wochen zuvor nahm die Animal Liberation Front Foto- und Videomaterial innerhalb der unhygienischen Zuchtanlage auf und befreite 99 Beagles; siehe http://www.chiuderemorini.net/fotofla.htm . Die Kampagne Chiudere Morini (Schließt Morini!“) nahm ihren Anfang. Seit dem gibt es regelmäßig home demos, Camps und auch internationale Demonstrationen. So fanden sich am 15. November 2003 erneut an die 1.500 DemonstrantInnen ein, diesmal direkt in der Kleinstadt San Polo d'Enza, wo Morini den Sitz hat.

Am Rande eine Ironie der Geschichte: Der 24. April (= Weltversuchstiertag), ein tradionelles Demo-Datum, ist gleichzeitig der Todestag des Morini-Gründers ...

Die Protestveranstaltung vom 27. März 2004 war gerade deshalb von großer Bedeutung, da das Rechtsurteil in Bälde erwartet wird, ob das Tierversuchsverbot für zumindest einige wenige Tierarten in der Emilia Romagna weiterhin aufrecht bleibt oder nicht. Gelingt es der Zentralregierung, diese Regionalregelung zu Fall zu bringen, wäre dies ein gewaltiger Rückschritt, zumal zahlreiche Morini-KundInnen aufgrund der anhaltenden Proteste bereits abgesprungen sind.

Geschäftsbeziehungen von Morini zu Wyeth Lederle, Bristol Myers Squibb, Chiron oder LPT (in Hamburg) sind weiterhin intakt. Diese Firmen sind ebenfalls Target der „Chiudere“-Kampagne. Hinzu kommt, dass Morini nicht nur Tiere, sondern auch Käfigeinstreu und Tiernahrung an Laboratorien liefert.

Informationen unter http://www.chiuderemorini.net 

Die Kampagne läuft weiter!Apri ogni gabbia Bis alle Käfige offen sind ....

© Text: www.canis.info , 30.03.04

 

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