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Hund im Schafspelz

Mutterschafe, die Hundewelpen stillen! Schafbabys, die sich dafür an der Seite ihrer großen bellenden Begleiter geborgen fühlen. Seit Jahrhunderten machen sich die Hirten der Welt diese ungewöhnliche Tierfreundschaft zunutze. Die treuen Schutzhunde verteidigen die Herden der Bauern gegen allzu hungrige Luchse und Wölfe, die da und dort auch schon unsere Wälder durchstreifen.

Ein aufgeregtes Bellen, ein fröhliches Blöken klingt über die Weide. Und künden von dieser besonderen Freundschaft. „Sie leben fast wie Bruder und Schwester zusammen“, bestätigt Alexander Willer. Er ist Österreichs Wolfsexperte und weiß daher auch, welche Emotionen die Einwanderung von Isegrim nach Österreich auslösen könnte. „Konflikte zwischen den Bauern, die um ihre Schafe fürchten, und den Tierschützern, denen die edlen Grauen am Herzen liegen, scheinen vorprogrammiert. Doch Tötung oder Vertreibung der Wölfe kann nicht die Lösung sein“, sagt Willer.

Er setzt daher jetzt auf die jahrhundertealte Symbiose zwischen Hirten, Herdenschutzhunden und deren blökenden Schützlingen. Besondere Rassen sind es, die in unseren Nachbarländern, aber auch in den Pyrenäen und in Russland, im „Schafspelz“ über ihre wolligen Schützlinge wachen. Etwa der aus Kaukasien stammende Ovtcharka, der ungarische Komondor oder der ebenfalls von magyarischen Hirten eingesetzte Kangal. Sie alle zeichnen sich durch Treue und Wachsamkeit aus. Willer: „Weil sie unter den Schafen aufwachsen und von den Muttertieren sogar gestillt werden, fühlen sie sich als Teil der Herde. Und beschützen diese vor allen Angriffen!“

Im US-Bundesstaat Utah werden die Herdenschutzhunde sogar zur erfolgreichen Vertreibung von Pumas (!) eingesetzt. Auch bei uns könnten die Vierbeiner zu den treuesten Freunden der Schafe werden. Ohne daß Wölfe wieder ausgerottet werden müssen. Ein friedliches Nebeneinander – fast schon wie im Tierparadies auf Erden ...

Q: Mark Masters in „Kronen Zeitung“/Sonntagsbeilage, 10.11.02; 44-45

Anm. CANIS: Der Kangal ist ein anatolischer Herdenschutzhund, kein magyarischer!

 

 

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