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PARLAMENTARISCHE
ANFRAGE
der Abgeordneten Weinzinger,
Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für
Gesundheit und Frauen
betreffend Elefantenhaltung im
Tiergarten Schönbrunn
Nach
der Veröffentlichung eines Videos, das zeigt, mit welchen Mitteln
Elefantenbaby „Mongu“ „trainiert“ wird, müssen grundsätzliche
Fragen über die Elefantenhaltung im Zoo Schönbrunn zur Diskussion
gestellt werden.
Der
direkte Kontakt Mensch-Elefant stellt ein großes Gefahrenpotential dar.
Wenn direct contact einigermaßen
funktionieren soll, dann nur durch positive Bestärkung, sprich
Vertrauensbildung zum Tier und definitiv nicht anhand von Methoden, die
darauf abzielen, den Willen der Elefanten zu brechen – wie das Video
im Fall „Mongu“ zeigt.
Beim
protected contact kommt es
kaum zum unmittelbaren Kontakt Mensch-Elefant. Immer mehr Zoos ändern
ihre Elefantenhaltung in diese Richtung (Zoos in Rotterdam, Köln, Emmen).
Noch geeigneter wäre das so genannte offhand
management – wie etwa im spanischen Carbaceno praktiziert – wo
die Elefanten überhaupt nicht dressiert werden, sondern in einem weiträumigen
Areal gemäß ihrer Verhaltensmuster leben.
In
§ 5 (1) Bundestierschutzgesetz heißt es: „Es ist verboten, einem
Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es
in schwere Angst zu versetzen.“ Nach § 5.(2) 3.b liegt ein Verstoß
gegen das Verbot der Tierquälerei dann vor, wenn „technische Geräte,
Hilfsmittel oder Vorrichtungen verwendet [werden], die darauf abzielen,
das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu
beeinflussen.
Dr.
Daphne Sheldrick, die als Expertin international geschätzt wird und als
„Mutter der Elefanten“ gilt, hat die o.a. Videoaufnahme sehr
kritisch kommentiert (sh. Beilage, Übersetzung aus dem Englischen,
Original auf Wunsch erhältlich).
Die
unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE:
Ist
das Schönbrunner „Elefantentraining“im Hinblick auf das
Bundestierschutzgesetz gesetzeskonform? Wenn ja, wie ist es mit dem
Gesetz in Einklang mit dem Bundestierschutzgesetz zu bringen?
Leidet
ein Elefantenbaby nicht, wenn es geschlagen wird? Sind seine Schreie
nicht als Zeichen schwerer Angst zu werten?
Ist
die „gsunde Watschn“ zur Disziplinierung des Tierbabys mit dem
Hilfsmittel Elefantenhaken gesetzeskonform?
Wenn
schon Elefantenhaltung, warum setzt der Schönbrunner Zoo immer noch auf
die veraltete Form des direct
contact?
Worin
liegt der wissenschaftliche Wert der Haltung von Afrikanischen Elefanten
im Zoo?
Welche
anderen ethologischen Erkenntnisse als jene, dass die Tiere in
Gefangenschaft Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und Elefantenbullen
in der Must kaum kontrollierbar sind konnten bisher gewonnen werden?
Was
die BesucherInnen zu sehen bekommen, sagt wenig über das natürliche
Verhalten von Elefanten aus. Die Zoo-Elefanten sind konditioniert, um zu
gehorchen. Worin liegt der edukative Wert der Elefantenhaltung in
Schönbrunn? Welche Botschaft wird gerade Kindern dadurch vermittelt?
Werden
Sie dafür eintreten, dass der Tiergarten Schönbrunn auf protected
contact oder offhand
management umstellt? Wenn nein, warum nicht?
Werden
Sie aufgrund der vorliegenden Fakten eine unabhängige Kommission von
ExpertInnen einberufen, um das Konzept der Elefantenhaltung im Zoo
Schönbrunn zu überprüfen? Wenn nein, warum nicht bzw. welche
sonstigen Maßnahmen werden Sie ergreifen, damit der Tierschutz als
gesellschaftliches Anliegen auch in Schönbrunn umgesetzt wird?
Werden
Sie – da eine artgerechte Elefantenhaltung in Zoos nicht möglich ist
– gesetzliche Maßnahmen treffen, dass die Haltung von Elefanten in
Zoos mittelfristig verboten wird?
In
einem Begleitschreiben zur EU-Zoorichtlinie wird klargestellt, dass die
Haltung von bestimmten Tieren (z.B. Großkatzen, Eisbären) in Tiergärten
nicht artgerecht möglich und daher problematisch ist. Werden Sie daher
auch in diesen Fällen gesetzliche Maßnahmen treffen, dass die Haltung
solcher Tiere in Zoos mittelfristig verboten wird?
Dr.
Daphne Sheldrick
Die
gewaltsame Trennung eines Babys vom Rest der Elefantenfamilie ist,
-schon an sich gesehen- eine der traumatischsten und grausamsten Dinge,
die man einem Babyelefanten antun kann, besonders einem Weibchen, dessen
Leben untrennbar mit den weiblichen Familienmitgliedern auf Lebenszeit
vertraut verbunden ist. Es ist schwer zu verstehen warum dies als
notwendig erachtet werden sollte. Das – an sich – ist schon ein Akt
extremer Grausamkeit.
Die
gewaltsame Trennung hat das Kalb ganz offensichtlich traumatisiert. Der
Schwanz ist erhoben, was Angst und Furcht anzeigt. Zirka 5-6 Männer
kreisen das Kalb ein, manche davon sind mit etwas bewaffnet, dass wie
ein Elefantenhaken aussieht. Es bekommt anfangs die Beine
zusammengebunden, dann den gesamten Körper mit einer Schlaufe fixiert.
Das Kalb wird dann durch die Männer, die am Seil ziehen, gewaltsam zu
Boden gerissen, während ein oder zwei – mit Elefantenhaken bewaffnete
– Männer in seinen Rücken oder in andere Körperteilen einhaken, um
seine Fügsamkeit zu erreichen. Einer der Männer kann dabei beobachtet
werden, wie er hinter der Rückseite des Elefantenohres herumfuchtelt.
Es besteht kein Zweifel daran, dass er den Haken an diesem extrem
sensiblen Punkt hinter dem Ohr auch benützt. Wiederholt wird das Kalb
auf den Boden gezwungen, danach wird ihm etwas ins Maul gesteckt und während
es niedergeworfen wird, wird es getätschelt, vermutlich als Belohnung.
Jedes mal, wenn es wieder aufsteht, wird es erneut zu Boden gezogen und
zwar durch Einwirkung des Hakens am Rücken und an den Hinterfüßen und
durch das Anziehen der Männer am Seil, was etwas an einen
„Tauziehwettbewerb“ erinnert. Jedes mal wenn das Kalb
zusammenbricht, wird das Tätscheln wiederholt.
Was
hier vermutlich stattfindet, ist der Versuch der Zoowärter, das Kalb
durch Einsatz unakzeptabel brutaler Methoden zu
trainieren. Elefanten werden auf Freundlichkeit, Stimmlage und
Belohnung reagieren, wenn sie Grund haben, sich zu ihrem Trainer
hingezogen zu fühlen. Die brutale Behandlung eines Elefanten, die ich
im Video gesehen habe, ist – auf lange Sicht gesehen - der Weg in ein
Desaster, weil der Elefant eines Tages die Rechnung durch Tötung eines
Peinigers begleichen wird. Ich finde es sehr traurig und in der Tat
schockierend,
dass solch eine Brutalität in einem, als
aufgeklärt zu bezeichnenden Zoo in einem westlichen Land, immer
noch stattfindet und dass dies auch von den Behörden geduldet wird. Es
würde nicht überraschen, wenn man diese Form der grausamen Behandlung
eines Elefanten im Fernen Osten sehen würde, weil dort die Methoden des
Elefantentrainings bekanntermaßen abscheulich und brutal sind in ihrem
Versuch, den Willen des Tieres zu brechen und Gehorsam und Fügsamkeit
zu erzwingen. Der Asiatische Elefant ist um einiges toleranter als sein
Afrikanischer Verwandter, der einen Groll manchmal für Jahre in sich trägt
und dann letztendlich aber tötet. An einem Punkt sieht man, wie das
Elefantenbaby seine Stirn am Boden schrubbt, dies ist ein Anzeichen dafür,
was dieser Elefant am liebsten mit seinen Peinigern machen würde.
Weiter so behandelt, wird es das eines Tages auch tun. Elefanten haben
ein sehr gutes Gedächtnis und die Taten des Zoopersonals sind sicher
nicht dazu geeignet, dessen Beliebtheit zu steigern. Die psychologische
Folter und der physische Missbrauch sind im 21. Jahrhundert völlig
inakzeptabel, da Menschen gelernt haben sollten, wie man Tiere in ihrer
Obhut behandeln sollte. Meiner Ansicht nach verstoßen die Handlungen
des Zoopersonals gegen jede akzeptable Art und Weise des Umgangs mit
gefangenen Tieren, besonders mit Elefanten. Was ich in dem Video sah, ist
irritierend, abstoßend und brutal. In einem zivilisierten Land, und
speziell in einem Zoo – der einen gewissen Ruf für Pflege und Fürsorge
genießt –
sollte solch eine Brutalität nicht erlaubt sein. Was in dem Video
stattfindet ist sicherlich nicht etwas, dessen Weiterführung erlaubt
sein sollte.
Ich
hoffe, dass die obigen Beobachtungen mithelfen werden, eine humanere
Behandlung des Babyelefanten herbeizuführen, der das Pech hatte in
Gefangenschaft geboren worden zu sein und der Gnade von brutalen
Abrichtern ausgesetzt ist.
Hochachtungsvoll,
Dr. Daphne Sheldrick
Anm. CANIS: Diese parlamentarische Anfrage
wurde von den Grünen am 16.11.05 eingebracht
Zur
CANIS-Presseinformation vom 14.11.05
Zur
Anfragebeantwortung vom 13.01.06 durch die Bundesministerin
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