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Presseinformation, Wien, 26. Juni 2006
„Bruno“:
Das letzte Interview Wir befinden uns
im idyllischen bayerischen Landkreis Miesbach (nomen est omen), es ist
kurz vor 4.50 Uhr morgens. Während es im Unterholz verräterisch knackt
und Stücke grünen Lodens durch das Blätterwerk schimmern, steht uns
Herr Bruno (alias „JJ1“) freundlich für ein Interview zur Verfügung. CANIS:
Herr Bruno, danke, dass Sie nach sechs aufregenden Wochen der Hetzjagd
vorurteilsfrei genug sind, einem Verein, der den „Hund“ schon im
Namen führt, ein Interview zu geben. Bekanntlich haben Ihnen Karelische
Bärenhunde das Leben nicht gerade erleichtert. Bruno:
Ja, die Armen wurden extra aus Finnland eingeflogen, um mich aufzustöbern.
Leider machten ihnen die hohen Temperaturen einen Strich durch die
Rechnung. Der Fährtenduft verflog, die Hunde waren nah am Kollabieren. CANIS:
Apropos Düfte, es wurde Ihnen ja auch eine Liebesfalle gestellt. Doch
selbst den Reizen der nobel bepelzten Nora konnten Sie sich entziehen.
Wie das? Bruno:
Es würde
schon eines gehörigen Maßes an Exhibitionismus bedürfen, um an ‚Bärereien’
zu denken, wenn summende Medizinmänner und illuminierte Jägersleute
durch die Büsche streifen oder das Hecheln der Hunde im Nacken zu spüren
ist. CANIS:
Kein Sex also, bedenklich. Herr Bruno, ein Indiz auf eine schwierige
Jugend? Ihre Eltern stammen aus Slowenien, sie selbst sind gebürtiger
Italiener. Schon Ihre Mutter „Jurka“ und Ihr Bruder „JJ2“ sind
als „Problembären“ aufgefallen. Vielleicht die üblichen
Anpassungsprobleme eines Immigrantenkindes? Oder will sich Ihre Familie
gar nicht in die menschliche Leitkultur integrieren? Sie führen ja
sogar einen Decknamen. Bruno:
Ich fühle mich als aktiver Bestandteil der Tiroler bzw. bayerischen
Natur, meine Kindheit war ganz in Ordnung… CANIS:
…ganz in Ordnung kann sie doch nicht gewesen sein, wurden Sie doch
dabei ertappt, Bienen beraubt bzw. sogar wehrlose Schafe und Hühner getötet
zu haben. Kam Ihnen denn nie in den Sinn, Vegetarier zu werden? Bruno:
Sie werden staunen, Bären leben zu einem Gutteil vegetarisch. Es gehört
aber zum Bärsein dazu, Fleisch zu verspeisen. Wogegen dieses
Konsumverhalten dem Menschsein eher abträglich scheint. CANIS:
Wie meinen Sie das? Bruno:
Menschen können auch ohne fleischliche Nahrung leben, trotzdem töten
sie andere Tiere um des scheinbaren Genusses Willen, pferchen sie in
enge, dunkle Stallungen, transportieren sie über Tausende von
Kilometer, nur um sie dann abzuschlachten. Ein großes „humanes“
Problem eben. CANIS:
…„Problemmenschen“ sozusagen… Bruno:
Ganz genau,
uns Bären wird vorgeworfen, wir töten verängstigte Schafe. Doch wozu
halten Menschen diese Schafe überhaupt, wenn nicht, um sie selbst zu
schlachten. CANIS:
Futterneid, Scheinmoral also? Leider
kam Herr Bruno zu keiner Antwort mehr. Es war mittlerweile 4.50 Uhr und
aus der Nähe des grünen Lodens krachte plötzlich ein Schuss. Der Rest
war Schweigen… Rückfragen:
Mag. Alexander Willer, CANIS, 0676/94 69 2 69
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