Kanada/USA: „Subsistenzjagd“ der Natives gefährdet Walbestand

In Kanada und in den Vereinigten Staaten wird der Walfang nicht nur durch staatliche Organisationen geregelt, sondern auch von den lokalen Autoritäten der Inuit- oder Indianernationen. Einige dieser Stämme erhalten aufgrund der ihnen garantierten „Subsistenzjagd“ Fangquoten zugewiesen. Beispiele dafür gibt es in der kanadischen Provinz Nunavut sowie im US-Bundesstaat Alaska.

Bowheads

Dadurch ist es den Natives legal möglich, auch Arten wie den als „hoch gefährdet“ eingestuften Bowhead- Wal zu jagen; selbst in einem Gebiet wie der östlichen Arktis, wo die Gesamtpopulation dieser Tiere ohnehin nur mehr 200 Exemplare umfaßt. Einzelne lokale Schutzpläne scheitern oft an mangelnder Kooperation aller beteiligten Parteien. So beschlossen Mitte 2001 die Inuit vom Clyde River in Absprache mit der Regierung von Nunavut und dem Canadian Wildlife Service (CWS) für Bowheads in der Isabella Bay (Igaliqtuuq) ein Schutzgebiet einzurichten. Der WWF sollte als Sponsor dafür dienen. Bis zur tatsächlichen offiziellen Ausweisung des sanctuary muß aber mindestens mit dem Ablauf eines weiteren Jahres gerechnet werden. Die Vertragspartner konnten sich bisher nicht in allen Punkten einig werden.

Narwale

Narwale und Belugas werden nicht durch das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) geschützt. Die Selbstregulierung der Jagd durch die Natives funktioniert nicht. Aus Geldgier werden festgesetzte Quoten gesprengt und Populationen gnadenlos niedergemetzelt. Die Canada/Greenland Joint Commission on Conservation and Management of Narwhale and Beluga veröffentlichte im September 2001, daß die Populationen beider Walarten seit den 1950ern zwischen 25% - 30% abnahm, während die Tötungen rasant stiegen.

Die Zeitung „Nunatsiaq News“ schreibt: „1999 wurden die bis dahin geltenden Walfangquoten aufgehoben und die Jagd den Inuit Communities zur Selbstregulierung übertragen.“ Das Resultat war verheerend. Im Herbst 2000 mußte das kanadische Ministerium für Fisheries und Oceans eingreifen und die Jagdwochen vor deren geplantem Ende abbrechen lassen. Die Inuit hatten die Wale „übergeerntet“ („overharvesting“).

127 Narwale wurden getötet und an Land gezogen
40 weitere wurden getötet, versanken aber im Meer
79 Narwale wurden verwundet und entkamen

Eine wahrlich blutige „Ernte“!

Belugas

Im Jahr 2001 hob die Vereinigung der Jäger und Fallensteller (Hunters and Trappers Association) die Jagdquote von 240 auf 370 Belugas selbst an. Auch der Beluga wurde gnadenlos abgeschlachtet. Die beiden Inuit-Ansiedlungen Quaqtaq und Salluit – beide mit einer Quote von je 30 Belugas – töteten, bevor die Jagdsaison noch offiziell begonnen hatte, 37 bzw. 43 Belugawale. Am Ende der Saison hieß es 59 zu 54 an Walmorden. Ein anderes Dorf, Puvirnituq, ließ die Quote von 25 auf 49 anschnellen. Die Reporterin Jane George, „Nunatsiaq News“: „Die vom Fischereiministerium veröffentlichte Zahl von 371 getöteten Belugas – also nur ein Tier über der genehmigten Quote – könnte sich aufgrund heruntergespielter Statistiken („under-reporting“) als nicht zutreffend erweisen.“

Alaska

Ein ähnliches Artenschutzfiasko ereignete sich im Cook Inlet von Alaska. Nachdem der Belugabestand den Natives zur Selbstregulierung freigegeben worden war, fiel die Populationszahl von annähernd 1.300 Exemplaren im Jahr 1998 auf unter 350. Der ehemalige Subsistenzwalfänger Joal Blatchford und eine Koalition von Naturschutzgruppen versuchte daraufhin das National Marine Fisheries Service (NMFS) dazu zu bewegen, den Beluga unter dem Marine Mammal Protection Act als „gefährdet“ einzustufen. Der Versuch scheiterte, da das NMFS sich nur zum Status „depleted“ („dezimiert“) durchringen konnte, was einen viel geringeren Schutz mit sich zieht. Blatchford und Verbündete erhoben dagegen vor Gericht Einspruch und scheiterten. Eine Berufung ist im Gange.

Eisbären in Gefahr

Stephen Atkison, Biologe der Regierung von Nunavut, berichtete im Januar 2002, daß im der Region rund um den Golf von Boothia die Zahl der Eisbären von 900 auf 1.500 gestiegen sein soll. Nunavut verfolgt nun das Ziel, auch den Bestand von Eisbären unabhängig von der kanadischen Zentralregierung regeln zu dürfen. Das einträgliche Geschäft mit Trophäenjägern winkt. Nunavuts Minister für Nachhaltige Entwicklung kündigte an, sich an das U.S. Fish and Wildlife Service zu wenden, um für amerikanische Jäger Ausnahmeregelungen zu erhalten, damit diese die Trophäen in der Boothia Region geschossener Eisbären legal in die USA einführen dürfen.                                                                                       

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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