USA: Indianernation der Makah hofft auf Profit aus Walfang

Neah Bay – Washington: Im Nordwesten der Vereinigten Staaten lebt die Indianernation der Makah. 1855 traten sie den USA bei, wobei ihnen vertraglich das Recht auf Waljagd zugesichert worden war. Dieses Recht machten sie im vergangenen Jahrzehnt wieder geltend. Zu verlockend schien die Aussicht, dicke Gewinne mit dem Export nach Japan einzustreifen. Seit 1995 beanspruchen die Makah, Grauwale töten zu dürfen. Angeblich entspräche das ihrer kulturellen Tradition – der sie freilich seit 70 Jahren (!) nicht mehr nachgegangen waren. Das U.S. National Marine Fisheries Service (NMFS) legte die Fangquote bis 2002 mit höchstens 20 Grauwalen fest. Bei der im Mai in Japan stattfindenden Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) will die NMFS die Quote für die Makah bis 2007 verlängern lassen.

Stammesrat will High-Speed-Kutter

Der Stammesrat der Makah fordert von der NMFS ein Hochgeschwindigkeitsschiff zum Fang der Wale. Stolze 1,2 Millionen $ würde der Kutter kosten (das von der Meeresfischereibehörde gewährte Gesamtbudget der Makah beträgt 1,9 Millionen US-Dollars). Gleichzeitig verkündete der Stammesrat – ähnlich wie Japan – in den sogenannten „wissenschaftlichen Walfang“ („research whaling“) einsteigen zu wollen. Der Fischereimanager der Makah, David Stones, sagt dazu: „Wir würden mit dem Kutter die Wanderungen der Wale beobachten und ihren allgemeinen gesundheitlichen Zustand erforschen, also viel Basiswissen ansammeln, das zum besseren Verständnis der Art notwendig wäre.“ Außerdem wollen die Makah mit den Einnahmen aus den Studienergebnissen ihre Gerichtsprozesse gegen Anti-Walfang-Organisationen finanzieren. Hinzu käme, daß der geforderte Kutter allen Schiffen der Walfanggegner – wie etwa der „Sirenian“ der Sea Shepherd Society von Paul Watson – an Geschwindigkeit weit überlegen ist.

Schlupfloch „Wissenschaft“

Die Convention on International Trade in Endangered Species verbietet den Handel mit Walfleisch. Das heißt, obwohl der Grauwalbestand in den USA seit 1994 als „erholt“ („recovered“) gilt und von der Liste der bedrohten Tierarten gestrichen wurde, ist der Handel mit dem Fleisch des Tieres weiterhin durch das CITES-Abkommen verboten. Ein Schlupfloch ist dennoch offen. Walfang kann als Teil eines „Forschungsprojektes“ betrachtet werden; und nach Abschluß der „Forschungen“ steht dem Verkauf des Fleisches dann natürlich nichts mehr im Wege. Die Makah nutzen geschickt den gegenwärtigen politischen Trend, nach dem einigen Native Nations in einer Art Wiedergutmachungspolitik seitens der USA besondere Rechte eingeräumt werden. Ein Beispiel dafür: ursprünglich erlaubte das NMFS das Töten der Grauwale nur von November bis Juni und dazu auf offener See. Jetzt können die Wale das ganze Jahr über und auch in der Straße von San Juan de Fuca gejagt werden.

Pervertierte Stammesrechte

Die moderne Jagd auf Grauwale hat mit der ursprünglichen Tradition der Makah sehr wenig zu tun. Was über Jahrhunderte der Ernährung und Mutprobe diente, ist mittlerweile zum kalt kalkulierten blutigen Business degradiert. Die Makah nutzen die Gelegenheit, um mit Japan lukrative Geschäfte zu machen, da Walfleisch im Land der aufgehenden Sonne eine teure Delikatesse darstellt. Auch ihre Bemühungen, eigene Vertreter in die IWC zu entsenden, sind unter diesem Blickwinkel zu betrachten.

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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