Südpolarmeer: 4.000 km Jagd auf Wilderer-Piratenschiff

Eine spektakuläre Aktion lieferten sich ein unter der Flagge des südamerikanischen Staates Uruguay fahrendes Wilderer-Piratenschiff sowie Schiffe der Behörden Australiens bzw. der Republik Südafrika. Nach einer wochenlangen Verfolgungsjagd durch das sturmgepeitschte Südpolarmeer wurden die Wilderer nach fast 4.000 Kilometern aufgebracht. Besatzung und Ladung der „Viasra“ werden nun in einen australischen Hafen überführt.

 

 

Die „Viasra“ auf Piratenfahrt

Am 7. August hatte die „Southern Supporter“, ein Patrouillenschiff der australischen Zoll- und Fischereibehörde nahe der Inselchen Heard und McDonald – 4.000 km südlich des australischen Kontinents – das Piratenschiff aus Uruguay erspäht. Die 42 Mann starke Besatzung wilderte Schwarzen Seehecht (Dissostichus eleginoides), auch als Patagonischer Zahnfisch oder Chilenische Seebasse bekannt. Der Fisch gilt in amerikanischen und japanischen Restaurants als Delikatesse und erzielt Kilopreise bis zu € 50,-. Bei einem Tier, das an die 100 kg schwer werden kann, ein einträgliches Geschäft. Der Raubzug der „Viasra“ verstieß klar gegen die Bestimmungen der Kommission zur Erhaltung lebender antarktischer Meeresressourcen (CCAMLR). 

Nachdem die „Viasra“ den Australiern eine Kontrolle des Schiffes verweigerte und stattdessen Reißaus nahm, setzte die Verfolgungsjagd ein. Fischereiminister Ian McDonald: „Wir werden alles unternehmen, was notwenig ist – egal, wie lange es dauert –, um das Schiff gründlich auf den Verdacht des Bruches unserer Fischereigesetze hin zu untersuchen.“1

 

 

Zangenmanöver im Südpolarmeer

Schiffe aus Uruguay hatten bereits früher Wilderei in antarktischen Gewässern betrieben, was diplomatische Verstimmungen nicht nur mit Australien, sondern auch mit Frankreich und der Republik Südafrika einbrachte. Südafrika entsprach sofort der australischen Bitte um Unterstützung bei der Verfolgung der „Viasra“. Der Direktor des Umweltministeriums, Horst Kleinschmidt, dirigierte das Schnellschiff „Agulhas“ von einer Versorgungsfahrt ab, um die „Southern Supporter“ bei der Jagd auf die Wilderer zu unterstützen. Die „Viasra“ sollte in die Zange genommen werden. Am 27. August war es nach beinahe drei Wochen und 4.000 Kilometern Verfolgung soweit. 3.200 km südlich von Kapstadt wurde der Piratenkutter aus Uruguay gestellt. Die großteils spanische Besatzung samt der Ladung an gewildertem Schwarzen Seehecht wird in einen australischen Hafen gebracht. Uruguay schickte zwar während der Fluchtfahrt einen Offiziellen an Bord der „Viasra“, weigerte sich aber, der Besatzung zu raten, Australien anzulaufen. Anstatt dessen sollte das Piratenschiff Montevideo, die Hauptstadt Uruguays, ansteuern. Australien und Südafrika werden diesen Vorfall zum Anlass nehmen, um bei der nächsten CCAMLR-Sitzung endlich effektive Schutzmaßnahmen für die antarktischen Gewässern zu einzufordern.

 

 

Déja-vu im März 2001

Schon im März 2001 hatte sich eine ähnlich spektakuläre Piratenjagd ereignet: 600 km vor der afrikanischen Küste enterten australischen Soldaten an Bord eines südafrikanischen Schiffes die „South Tomi“, ein togolesisches Schiff mit spanischer Crew. Die Verfolgung zog sich damals über 6.100 Kilometer. Der illegale Fang wurde von den Behörden später um 1,4 Mio. US-Dollars versteigert. Australien verurteilte den Skipper der „South Tomi“ zu einer Geldstrafe von A$ 136.000. Seine Crew wurde auf Kosten des Schiffseigners deportiert.

 

 

Daten über den Schwarzen Seehecht

Der Schwarze Seehecht wird bis zu zwei Meter lang und 100 Kilogramm schwer. Er ernährt sich von Tintenfischen und kleineren Fischen und hat praktisch keine natürlichen Feinde. Sein Habitat sind tiefe Gewässer von 300 bis 3.500 Metern. Er erreicht ein Alter von mehr als 35 Jahren, pflanzt sich aber erst nach dem zehnten Lebensjahr fort, was die Spezies in ihrer Gesamtheit bedroht, da Wilderer wahllos abfischen, egal wie alt oder jung der Schwarze Seehecht nun ist. Das Big Business mit dem Fisch wurde erst vor einem Jahrzehnt entdeckt. Seitdem ist die Art aber schon ernsthaft in ihrer Existenz bedroht.2

 

 

© www.canis.info , 31.08.03

1: www.sartma.com/art_317.html  

siehe auch: http://uk.news.yahoo.com/030823/323/e6pph.html 

bzw. Alison Rehn in: www.couriermail.news.com.au, 27.08.03

2: www.marine.csiro.au

 

 

 

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