USA: „Roboter-Ratte“ im Labor entstanden

Das Zeitalter der tierischen Cyborgs scheint angebrochen zu sein. An der New York State University produzierten Sanjiv Talwar und Team die sogenannte „Robo-Rat“, ein Nagetier mit drei Elektroden im Gehirn, mittels derer von einem 500 Meter entfernten Computer einfache Befehle übermittelt werden können.

Utilitarismus versus Ethik

Die Wissenschafter begründen den bizarren Tierversuch folgendermaßen:

Besseres Verständnis darüber erlangen, wie Säugetiere „navigieren“

Punktgenaue Erfassung biochemischer Veränderungen im Gehirn

Eruieren, welche Gehirnregionen bei der Entstehung verschiedener Verhaltensmuster      beteiligt sind.

Militärischer Einsatz: etwa zur Säuberung von Minenfeldern

Dem „New Scientist“ gegenüber erklärte Dr. Talwar, daß es derzeit schwierig wäre, genau abzuschätzen, wofür die Versuche mit „Robo-Rat“ noch gut wären. Gleichzeitig räumte er ein: „Es muß eine breite Debatte geführt werden, um zu klären, ob dies akzeptabel oder nicht ist.“ Gill Langley vom Dr. Hadwen Trust (Hitchin, Hertfordshire), der Alternativmethoden zum Tierversuch fördert, zum Versuch mit der Roboterratte: „Es ist abstoßend und ein weiteres Beispiel, wie die menschliche Spezies andere instrumentalisiert.“ Die Vivisektoren begründen ihre grausamen Experimente stets mit dem utilitaristischen Argument: Jedes Leid, das Tieren zugefügt wird, wird durch den offensichtlichen Vorteil für Menschen aufgewogen.

Projektleiter Talwar: „Es gibt dabei sicher ethische Komponenten, die ich gar nicht abstreiten will.“ Gleichzeitig betont er, daß der Versuch mit der Roboterratte aber den vom Nationalen Gesundheitsinstitut der USA festgelegten Richtlinien entsprach. Er wehrt sich auch gegen den Begriff „ferngesteuerte Ratte“, da der Nager zu nichts gezwungen wird, weil die angewandte Technik „lediglich das Belohnungszentrum [reward center] im Gehirn stimuliere.“

Der Versuch im Detail

Die Forscher implantierten eine Elektrode in das mediale Vorderhirnbündel (MFB), jenen Teil des Gehirns, der für das Erfahren von Belohnung zuständig ist. Die beiden anderen Elektroden pflanzten sie in das somatosensorische Kortexgebiet ein, wo die Ratte Reize von den rechten und linken Barthaaren empfängt. Schlußendlich wurde ein Radioempfänger an einer in den Schädel des Tieres operierten Schnittstelle (interface) eingesetzt. Dann trainierte man die Ratten, daß sie mit Stimulation des MFB belohnt werden, soferne sie vorwärts gehen bzw. – passend zum Barthaarreiz – sich nach links oder rechts drehen. Sanjiv Talwar hat bisher fünf Ratten dieserart verkabelt. Er bemüht Funktionsprinzip gerne den berühmten Vergleich vom Esel, der durch eine Karotte an der Stange angetrieben wird. (Siehe: „Nature“, Vol. 417; 37)

Kartesianischer Mechanismus?

Gary Francione, Experte für Tierschutzfragen an der Rutgers Universität für Recht, zum Versuch mit der „Robo-Rat“: „Das Tier funktioniert nicht länger als Tier“, da es unter Fremdkontrolle handelt. Für ihn geht die Problemstellung noch weiter, wenn er die Frage aufwirft, ob die Ratte wirklich belohnt wird, zumal der operative Eingriff ein „Level des Unwohlseins“ darstellt, der nur schwer zu rechtfertigen ist. Dr. Talwar ist zur Zeit unschlüssig, was die Machbarkeit betrifft. Er nimmt an, daß die Technik es nicht so weit schaffen kann, daß die Tiere auch ihr Leben riskieren würden, schließt aber auf den anderen Seite auch die totale Kontrolle nicht aus. Zum Beispiel sind seine Ratten niemals darauf trainiert worden, vom Sims zu springen, taten dies aber ohne zögern, wenn der elektronische Befehl „vorwärts“ kam. In diesem Fall wirkte die Stimulation nicht belohnend, sondern anspornend. Vorangegangene Tierversuche hatten schon gezeigt, daß Ratten, deren Belohnungszentrum stimuliert wird, so oft sie einen Hebel drücken, dies solange tun bis sie sterben. Sanjiv Talwar schlägt vor, zusätzliche Befehle wie „schneller“, „rauf“ oder „runter“ in die Testreihe zu integrieren. Prinzipiell hält er das Funktionieren seiner Technik bei allen Tieren für möglich, die über ein MFB verfügen; obwohl es sehr wahrscheinlich ist, daß „höhere Tiere lernen, die Befehle zu ignorieren“. Gill Langley ist besorgt, daß der Versuch bei anderen Tierarten Nachahmer findet, was leicht möglich ist, „da das amerikanische Bundestierschutzgesetz Nagetiere oder Vögel nicht beinhaltet.“ Talwar und Kollegen setzen nur das in die Tat um, was der materialistische Vordenker Rene Descartes  schon vor über zwei Jahrhunderten postulierte. Tiere sind nicht mehr als belebte Maschinen, ein biologischer Mechanismus ohne Seele. Dieses kartesianische Weltbild gilt es zu überwinden. Erst dann werden Tierversuche als das angesehen werden, was sie sind: brutale, zynische Verbrechen an Mitgeschöpfen!

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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