England: Heftige Kontroverse um geplantes Tierversuchslabor

Zu Jahresbeginn 2001 wurden Pläne der Universität Cambridge, bei der nahe gelegenen Ortschaft Girton ein neues Tierversuchslabor zu errichten, von den lokalen Behörden abgelehnt. Nun erhält die Debatte neuen Zündstoff durch einen öffentlichen Brief des Wissenschaftsministers Lord Sainsbury, welcher von der Wichtigkeit der Anlage ausgeht.

Das Schreiben Sainsburys an den Vizekanzler der Universität Cambridge, Sir Alec Boers, hat unter anderem folgendes zum Inhalt: „... Das Zentrum würde die weltweit führende Stellung des Vereinigten Königreichs im Bereich der Neurowissenschaften konsolidieren. Laboratorien wie dieses sind der Schlüssel zur Umsetzung der Regierungspolitik ...“

Freilich würde dieses Tierversuchszentrum Hunderten Affen das Leben kosten oder zumindest für irreparable Gehirnschäden sorgen. Für Tierrechtler nicht nur ein ethisches Verbrechen, sondern auch ein wissenschaftlicher Unsinn, zumal bisherige Experimente nicht den gewünschten medizinischen Erfolg gebracht hatten. Außerdem bedeutet Lord Sainsburys Brief eine totale Kehrtwende in der Politik der regierenden sozialdemokratischen Labour Party, welche ein Zurückschrauben der Primatenversuche versprochen hatte.

Die Neurologen der Universität Cambridge versprechen hingegen wahre Wunder. So soll die Forschung am geplanten Laboratorium von Girton eine tragende Rolle in der Entwicklung zur Behandlung von Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson oder Huntington’s Disease spielen. Eine Sprecherin der Uni argumentierte, daß Tierversuche oft „die einzige Antwort auf kritische Fragen in der medizinischen Forschung“ liefern, was sie durch die angeblich effektiven Heilmittel gegen Keuchhusten, Polio, Asthma oder Leukämie bestätigt sieht, die allesamt am Tier getestet worden waren.

Nicht nur Tierrechtler ruft der geplante Bau in der Größe von drei Supermärkten auf den Plan, auch Umweltaktivisten sind entsetzt über die versuchte Bebauung von Grünland. Seitens der Universität Cambridge wird zwar eingeräumt, daß das Laboratorium den Grünlandgürtel beeinträchtigen wird; allerdings soll nur dort gebaut werden, wo ohnehin schon Gebäude stehen.

Die Lokalpolitik steht dem Projekt weiterhin skeptisch gegenüber. Allgemein wird eine Zunahme der Kriminalität sowie des Verkehrs befürchtet. Zusätzlich herrscht wenig Freude über die Aussicht andauernder Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Tierrechtlern wie etwa beim nicht weit entfernten HLS-Tierversuchszentrum.

Frei zusammengefaßt nach „The Observer“, 4.November 2001

 

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