Tierversuche/USA: Bienen als biologische Frühwarnsysteme

Die vorliegenden Experimente sind nicht etwa einer Folge von „Akte-X“ entnommen, sondern realer Bestandteil eines Forschungsprogramms des US-Verteidigungsministeriums. Seit über drei Jahren wird versucht, ganz gewöhnliche Honigbienen zu trainieren, um Sprengstoff aufzuspüren.

Ursprüngliches Ziel war das Säubern von Minenfeldern, doch mittlerweile haben sich die Ansprüche der Forscher an die Insekten erweitert. Im Sommer 2001 war es in zwei Tests gelungen, daß Bienen einen Lastwagen, der nur Sprengstoffpartikel an sich hatte, aufspürten. Aber derzeit stecken die Experimente erst in den Kinderschuhen. Die summenden Bombenschnüffler haben (noch!) ihre Grenzen. Zum Beispiel sind die Bienen weder nachts, noch bei Sturm oder Kaltwetter arbeitsbereit.

Das Pentagon kämpft zudem mit einem weiteren Problem. Das ganze Bienen-Projekt unterliegt im Public Relations-Bereich einem „Kicherfaktor“ – wie es ein offizieller Repräsentant ausdrückte. Fliegende Insekten als „Spürhunde“ sorgen bei Öffentlichkeit wie Geldgebern leicht für Heiterkeit. Dabei ist es der US Army bitterernst.

Dr. Alan S. Rudolph, Programm-Manager des Defense Science Office of the Defense Advanceed Research Project Agency, setzt große Hoffnungen in die Bienen: “Es sieht so aus, als wären Bienen, was Gerüche angeht,  mindestens so feinfühlig wie Hunde – wenn nicht sogar mehr.“ Das Forschungslabor der Luftwaffe an der Brooks Air Force Base in Texas bestätigt dies. Aus einer erst kürzlich abgeschlossenen Analyse einer Serie von Tests, geht hervor, daß Bienen explosive Chemikalien in über 99% der Fälle fanden.

In den kommenden Wochen soll der erste Feldversuch gestartet werden. Dabei erhalten einzelne Bienen Radiosender von der Größe eines Salzkörnchens montiert und können so verfolgt werden, während sie selbst diffusen Geruchsspuren von Sprengstoff nachfliegen. Ein solches Ortungssystem würde vor allem bei der Suche nach Explosivladungen in größeren oder unbekannten Arealen von Vorteil sein.

Bereits seit einigen Jahren arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftern der University of Montana daran, Bienen auf verschiedene Duftmarken zu trainieren und mit Zucker zu belohnen. Dabei stellte sich heraus, daß sobald eine Biene gelernt hat, der neuen Spur nachzugehen, sie ihr Wissen auf andere überträgt. Innerhalb von Stunden weiß dies der ganze Schwarm. Manchmal nehmen sogar benachbarte Bienenschwärme die Suche nach dem neuen Duft auf. Wie dieser Wissenstransfer abläuft, ist bisher unbekannt.*

Fest steht, daß es weniger als zwei Stunden bedarf, um einen Schwarm Honigbienen auf Basis einer Zucker-Wasser-Belohnung, darauf zu konditionieren, Blüten zu meiden und stattdessen z.B. nach 2,4-dinitrotulene (DNT), einer Inhaltskomponente von TNT und anderen Sprengstoffen, zu folgen.

Weitere Versuche werden in den Sandia National Laboratories in Albuquerque, New Mexico, durchgeführt, wo Bienen mit kleinen Siliziumkügelchen bestückt werden, um mit ihren statisch geladenen Körpern Sprengstoffpartikel aufzunehmen.  Das Southwest Research Institute in San Antonio, Texas, schickte im Sommer 2001 gleich zwölf trainierte Bienenkolonien auf Aufklärungsflug nach versteckten Explosiva. Und im Oak Ridge National Laboratory, Tennessee, arbeitet man an „smart hives“, punktgenau lenkbaren Schwärmen.

Die zukünftigen Einsatzgebiete der Bienen können vielfältig sein. Zum einen ist es geplant, die trainierten Insekten bei wichtigen Sicherheitsanlagen gegen potentielle Terroristen „Wache fliegen“ zu lassen. Andererseits käme auch ein ziviler Einsatz beim Aufspüren von Drogen in Frage, deren Duftmoleküle weit einfacher auszumachen sind.

Aber die Forscher der amerikanischen Streitkräfte gehen noch viel weiter. Schon jetzt spricht man von sogenannten „Controlled Biological Systems“, kontrollierten biologischen Systemen, die in kriegstauglichen Technologien (war-fighting technologies) integriert werden könnten. Seit 1998 gab das Pentagon immerhin 25 Millionen US-Dollars an Forschungsgeldern dafür aus. Dr. Jerry J. Bromenshenk von der Universität Montana halt es auch für möglich, anhand von Insektenhaaren frühzeitig zu erkennen, ob sich biologische oder chemische Kampfstoffe in der Luft befänden. Auch hier haben sich die Bienen mit ihren Härchen bewährt, Bakteriensporen aus der Luft zu binden. Nebst Bienen kämen Motten dafür in Frage.

Insekten als Anthrax-Frühwarnsysteme. Nach dem 11.September 2001 ist in den USA militärisch vieles möglich geworden.

 

* Siehe die Theorie der „Morphischen Felder“ des britischen Biologen Rupert Sheldrake

Weitere Infos:

-) http://www.nytimes.com/2002/05/13/science/13BEES.html

-) http://www.gyre.org/news/cache/783

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