Gefährdete Arten

Der Serval (Felis serval)

Die Wortwurzel der Bezeichnung dieser eleganten Katze rührt aus dem Portugiesischen und heißt übersetzt wenig schmeichelhaft „Luder“. Überhaupt trägt diese Felidenart aufgrund ihrer in Afrika weitreichenden Verbreitung viele verschiedene Namen: lynx tacheté (Französisch), ouchiak zilagla (Berbersprache), Aner (Amharisch), Muq shabeel (Somali), Mondo (Suaheli), Indlozi (Zulu), Tierboskat (Afrikaans) oder in der Klicklautsprache der Buschmänner Botswanas !´hòm!a.

Erstmals wissenschaftlich benannt wurde der Serval 1776 von Schreber (Leptailurus serval). Heute herrscht weitgehend Einigkeit darüber, daß der Serval der Gattung Felis angehört.

Aussehen

Optisch ist der Serval das krasse Gegenteil seines asiatischen Verwandten, des Manul. Er ist schlank, hochbeinig, hat einen schmalen Schädel und sehr große Ohren. Sein Fell ist goldgelb und mit runden schwarzen Flecken gezeichnet. Brustbereich und Innenseite der Ohren sind weiß behaart. Kater wiegen zwischen 9 kg und 18 kg, Kätzinnen zwischen 9 kg und 13 kg. Die Kopfrumpflänge bemißt sich auf 67 cm – 1 Meter. Der Schwanz erreicht eine Länge von 24 cm bis 45 cm.

 

Verhalten

Servals sind Einzelgänger. In Kenya wurde beobachtet, daß Weibchen ein Territorium von neun Quadratkilometern exklusiv für sich beanspruchen und gegen Artgenossinnen vehement verteidigen. Ein Männchen besitzt hingegen einen Bereich, der die Territorien von zwei oder mehr Weibchen überlappt. Die Ranges werden mit Duftmarken gekennzeichnet. Die Geburtenraten erreichen Spitzen, wenn die feuchte Jahreszeit einsetzt, die schützende Vegetation Deckung bietet und der Beutebestand am höchsten ist. Ein bis drei Junge wirft die Servalkatze nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 74 Tagen. Aufgezogen werden die Jungen meist in verlassenen Höhlen anderer Tiere. Nach sechs bis acht Monaten sind die Nachkommen selbständig, werden aber von der Mutter noch bis zum zwölften Monate in ihrem Territorium toleriert.

Nahrung

Aufgrund seiner Morphologie (hohe Beine, schlanker Körper, große Ohren) ist der Serval geradezu prädestiniert, im hohen Grasland auf Beute zu gehen. Die Ohren dienen dabei als Ortungssystem, das auch geringfügige Bewegungen von Kleingetier wahrnimmt. Die bevorzugte Beute sind Nager, aber auch Frösche, Reptilien, Vögel oder Insekten runden das Menue ab. Im Farmland Südafrikas kam es vor, daß Servals sich an Geflügel oder jungen Schafen bzw. Ziegen sättigten. Solche Übergriffe stellen aber die Ausnahme dar. Interessant ist die Jagdmethode des Servals. Nagetiere fängt er – ähnlich Rotfuchs oder Kojote – mit dem sogenannten Mousing-Sprung, bei dem die Katze in einem Winkel von 45 Grad abspringt und mit gänzlich durchgestreckten Vorderläufen auf der Beute landet. Flugfähige Beutetiere werden mittels clapping zu Boden gebracht, indem der Serval mit den beiden Vorderpfoten zusammenklatscht. Der Serval ist crepuskular (dämmerungsaktiv), d.h. er schläft mit Vorliebe mittags oder in der Nacht. In Südafrika, wo er verfolgt wird, entwickelte er eine nachtaktive Lebensweise. Der Jagderfolg des Serval liegt im Schnitt bei sensationellen 49%. Ein kätzchenführendes Weibchen soll es laut Geertsema (1985) sogar auf 62% Quote gebracht haben.

Habitat

Servals bevorzugen aufgrund ihrer hochspezialisierten Jagdtechnik Grasland. Unauskömmlich ist das Vorhandensein von Wasser. Sie meiden dichte Wälder, wandern aber entlang von Flußläufen auch durch Waldgebiete. Demnach lebt der Serval vorzugsweise in risparischer Vegetation ( = in Uferzonen). In Südwestafrika wurden auch Vorkommen am Rande arider Landschaften beobachtet.

 

Vorkommen

Servals kommen NUR auf dem afrikanischen Kontinent vor und erschlossen fast das gesamte Gebiet südlich der Sahara – mit Ausnahme des zentralafrikanischen Dschungels und der südwestlichen Wüstengebiete. In Westafrika verläuft die charakteristische Punktzeichnung anders als im Osten und Süden, weswegen im 19. Jahrhundert angenommen worden war, es handle sich bei diesen „Servalinen“ um eine eigene Art (Felis brachyura Wagner; 1841). 1917 legte aber Pocock klar, daß es sich dabei nur um eine Variation handle, wie auch bei schwarzen Servals. In Äthiopien lebt der Serval in Grasländern bis zu einer Seehöhe von 3.200 Metern, in Kenya sogar bis zu 3.800 Metern. Am bisher ausführlichsten dokumentiert wurde das Vorkommen im Ngorongoro-Krater (Tanzania) durch Geertsema (1985). Unsicher ist, wie weit sich eine Population in Nordafrika halten konnte. Noch vor hundert Jahren lebten Servals im Atlasgebirges sowie im Norden Tunesiens und Algeriens. In Algerien wurde 1936 der letzte dokumentierte Serval erlegt. Immer wieder werden in entlegenen Gebirgstälern Sichtungen gemeldet, die allerdings wissenschaftlich nicht verifiziert werden konnten. Interessant wäre die Population im Norden Afrikas alleine schon dadurch, als daß sie seit mindestens 7.000 Jahren von den Artgenossen südlich der Sahara eine getrennte Entwicklung durchmachte.

Status

In Nordafrika wahrscheinlich ausgerottet, wenn nicht, dann „ernstlich gefährdet“

In Südafrika durch Kultivierung des Landes und einhergehendem Habitatsverlust „bedroht“.  Dabei kann sich der Serval – wenn er nicht bejagt wird, und wenn ausreichend Wasser vorhanden bleibt – sehr gut auf Agrarland einstellen, da durch den Anbau von Kulturpflanzen die Zahl der Nager steigt. Viele Farmer tolerieren die Katze daher, da sie quasi kostenlos Schädlinge vertilgt. Bis zu 4.000 Nager pro Jahr soll alleine ein Serval verschlingen.

In den Gebieten dazwischen noch relativ stabil, aber zusehends durch Wilderer dezimiert, die Servalpelze als die von Geparden oder Leoparden verhökern.

CITES Appendix 2

    

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