|
Seehundaufzucht- und Forschungsstation Norden-Norddeich
Der Seehund (Phoca vitulina) hat in der freien Natur den Schwertwal oder den Eisbären als natürliche Feinde, im Wattenmeer kommt der Mensch hinzu. Die Verschmutzung der Nordsee trägt dazu bei, dass das Immunsystem der Tiere geschwächt wird. Zu einer weiteren drastischen Reduzierung des Bestandes führt das Seehund-Staupevirus. Deutschlands größter Beutegreifer wird 30 - 40 Jahre alt, bis zu 150 kg schwer und ist 1,80 m lang.
Seehund oder wird zu einem solchen gerufen, beobachtet sie/er diesen zunächst für einige Stunden. Somit wird sichergestellt, dass das Tier wirklich Hilfe braucht. Ein Seehund, der von einem Menschen angefasst wurde, wird von der Mutter nämlich nicht mehr angenommen. Gerade TouristInnen sollten einige Verhaltensregeln beherzigen, wenn sie einen Heuler finden: 1. Mindestens 100 m Abstand halten; auch geschwächte Tiere können, wenn sie in Panik geraten, zuschnappen. 2. Andere Gäste informieren, sich dem Tier nicht zu nähern. 3. Den Fund der Seehundstation, der Kurverwaltung oder Polizei melden.
Zu gegebener Zeit ersetzt man den Brei durch gemahlenen Fisch. Die älteren Pfleglinge werden von den TierpflegerInnen mit kleinen Heringen direkt ernährt; später gehen die Seehunde im Wasser eigenständig auf Fischfang. Eine regelmäßige tierärztliche Untersuchung erfolgt weiterhin. Sobald die Seehunde sich selbstständig ernähren können, einige Zeit im Auswilderungsbecken verbracht haben und wischen 25 bis 30 kg wiegen, werden sie in Gruppen von vier bis acht Tieren per Schiff auf eine Sandbank gebracht und dort ausgewildert. Hierin wird die Aufzuchtstation von der Reederei Frisia unterstützt, die ihre Schiffe kostenlos zur Verfügung stellt. Um eine Beobachtung und Wiedererkennung der Tiere über Jahre zu ermöglichen, werden vor der Auswilderung die Seehunde mit einer Flossenmarke und einem Transponder (reiskorngroßer Mikrochip) markiert. Ziel der Station ist nicht nur das Aufziehen, Auswildern und Markieren von mutterlosen bzw. kranken Seehunden u.a. anderen Meeressäugern; es werden auch Seehundzählungen wie Bestandsüberwachungen durchgeführt. Dabei kommt es zur Sammlung aller erreichbaren Daten über den Seehund und seinen Lebensraum. Weitere Aufgaben sind: Ökologie des Seehundes und anderer Meeressäuger Sektionen an verstorbenen Seehunden und anderen Meeressäugern mit weitergehenden Spezialuntersuchungen Durchführung von Forschungsaufträgen Ökopathologie Verhaltenskundliche Untersuchungen Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Aufzuchtstationen bzw. anderen Institutionen Kooperationen mit in- und ausländischen Forschungseinrichtungen.
Das Team besteht aus fünf Angestellten, einer selbstständigen Tierärztin, Zivildienstleistenden und ca. 20 Praktikantinnen pro Jahr. Über 50 ehrenamtliche Mitarbeiter sind an der gesamten niedersächsischen Wattenmeerküste aktiv. In ihrer Verantwortung liegt die Rettung und Einlieferung gestrandeter Tiere. Die Station erhält keine öffentlichen Mittel. Sie finanziert sich durch Eintrittsgelder, Spenden und Patenschaften für Seehunde, deren Erlöse sie zu 100% zweckgebunden einsetzt. Wenn Sie die Arbeit der Seehundstation Norddeich fördern und unterstützen möchten, besteht die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Robbe zu übernehmen. Alle dafür nötigen Informationen erfahren Sie auf der folgenden Homepage: www.seehundstation-norddeich.de.
Für die freundliche Unterstützung bei den Mitarbeitern der Seehundstation, für die Entstehung dieses Artikels, möchte ich mich herzlich bedanken. Sabine C. Lange für den Tierrechtsverein CANIS, 14. Februar 2005
|
||||||||||
| Zurück | ||||||||||