Südpazifik: Kadaver, Kraken und Krakeelen 

 

Gallertmasse in Chile

Ende Juni 2003 wurde der Kadaver eines großen, gallertartigen Meereslebewesens an der Südküste Chiles an Land geschwemmt.. Ursprünglich war von den Resten eines gestrandeten Wals die Rede. Am 1. Juli untersuchte ein Wissenschafterteam den Fund und stellte fest, daß das verwesende, klumpige, gräuliche Fleisch offensichtlich von einem wirbellosen Tier stammt.

Elsa Cabrera, Meeresbiologin vom Schutzzentrum für Walartige in Santiago de Chile: "Niemals zuvor hatten wir so ein seltsames Exemplar gesehen. Wir wissen noch nicht, ob es der Körperteil einer riesigen Tintenfischart ist oder zu einer bisher unbekannten Spezies gehört."

(http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=stor...le_science_dc_2)

Auf Fotos ist eine runde, ledrige quallenförmige Substanz zu erkennen – etwa in der Größe eines Schulbusses. Laut Cabrera handelt es sich weder von der Gewebestruktur noch vom Geruch um eine Walhaut. Damit bleibt der Riesenkrake "Hauptverdächtiger" Nummer eins. Diese fabelumrankten Tintenfische leben in Tiefen von 9.500 Fuß und wurden noch nie lebendig gesichtet. Lediglich abgetrennte Tentakel wurden in Walmägen oder an Küsten gespült bisher aufgefunden. Cabrera kontaktierte chilenische wie internationale Experten, in der Hoffnung, mehr über den seltsamen Kadaver in Erfahrung zu bringen.

Als erste hatte die chilenische Marine das seltsame Exemplar entdeckt, als es zusammen mit einer anderen großen leblosen Masse im Meer trieb. Diese sollte sich als toter Buckelwal herausstellen, wodurch der Krakenverdacht erhärtet wurde, denn große Walarten sind dafür bekannt, Kraken zu jagen.

 

150kg-Krake in antarktischen Gewässern

Wie die APA am 4. April dieses Jahres berichtete, war am anderen Ende des Pazifiks – in den antarktischen Gewässern südlich von Neuseeland – ein fünfeinhalb Meter großer Riesentintenfisch ins Netz gegangen. Der Tiefseeforscher Steve O'Shea damals: "Ich habe bisher 105 Riesentintenfische gesehen, aber so etwas noch nicht." Es hatte sich um ein 150 Kilogramm schweres weibliches Tier der Art Mesonychoteuthis hamiltoni gehandelt. Noch nie zuvor war ein größeres, vollständig erhaltenes Exemplar dieser Spezies gefangen worden. Der Körperumfang betrug zwei Meter.

 

Wo der Pazifik "Magendrücken" hat

Das seriöse deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (34/2002; 19.August 2002) berichtete von geheimnisvollen Tiefseegeräuschen: "Auf 15 Grad Süd, 98 Grad West hat der Pazifik übles Magendrücken", wird ein bisher unerklärliches akustisches Phänomen ironisch beschrieben. „Einige der Geräusche sind sehr laut und unterscheiden sich deutlich von allen uns bekannten Tönen", sagt Christopher Fox, Chef des Acoustic Monitoring Project der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). "Julia“, „Upsweep“, „Bloop“, „Train“, „Whistle“ oder „Slowdown“ nennt der Ozeanforscher die merkwürdigen Geräusche, die mit Hilfe von Unterwassermikrofonen aufgefangen werden. Das Werkzeug, das Fox für den unterseeischen Lauschangriff benutzt, heißt Sound Surveillance System (SOSUS) und ist ein Relikt des Kalten Krieges zum Aufspüren von U-Booten. Einige der merkwürdigen Sounds dauern nur wenige Minuten, andere sind über Jahre hin zu vernehmen. Was sie auslöst, liegt in den eisigen Tiefen der See verborgen.

Christopher Fox gegenüber dem "Spiegel": „Obwohl wir seit fast elf Jahren auf Töne in den Ozeanen lauschen, hören wir immer noch Laute, deren Ursprung weitgehend im Dunkeln liegt“. Und weiter: "Ich schließe gar nichts aus. Ich möchte wissen, was diese Geräusche erzeugt – wenn wir eines Tages ein bislang unbekanntes Meerestier als Verursacher entdecken, soll mir das nur recht sein.“

Es scheint so, als hielten die Tiefen des pazifischen Ozeans noch einige Überraschungen bereit. Gut möglich, daß es sich bei dem mysteriösen Krakeelen um tektonische bzw. Laute von Vulkanen handelt, aber auch ebenso möglich, daß eines nicht so fernen Tages der Beweis für den Archeteuthis, den Riesenkraken, erbracht werden kann.

Text: TRV CANIS, www.canis.info , 3. Juli 2003

Siehe auch unseren Artikel "Tauchgang ins Reich der Tintenfische" unter  http://www.canis.info/panorama/tintenfische.htm

 

 

 

 

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