KLONIERUNG

 

Japan/Sibirien: Der Traum vom Mammutprojekt

 

Eine Gruppe japanischer Wissenschafter (von Geschäftsleuten gesponsert) geht einem Mammutprojekt im wahrsten Sinne des Wortes nach. Sie suchen im dauergefrorenen Boden der sibirischen Tundra nach gut erhaltenen Mammutresten – vor allem nach brauchbarem Sperma –, um damit ein Exemplar dieser nach Ende der letzten Eiszeit ausgestorbenen Zottelelefanten zu klonen.

Schon seit mehreren Jahren führen die Veterinärexperten der Kagoshima Universität (Südjapan) gemeinsam mit Genetikern der Kinki Universität (Westjapan) Ausgrabungen im sibirischen Permafrostboden durch; hauptsächlich entlang des Kolimaya-Flusses in Westsibirien. Bisher wurden zwar Mummutteile gefunden – darunter auch Beine – aber nichts davon erwies sich zur Verwirklichung einer laborgenerierten Auferstehung des Mammuts geeignet. Alle DNA-Sequenzen waren entweder zu rudimentär oder zu stark beschädigt gewesen. Finanziert wird das Mammutprojekt durch Field, eine Firma für Technologiepatente, die seit 1996 zehn Millionen Yen investiert hat. Kazutoshi Kobaysahi, Präsident von Field, fungiert gleichzeitig auch als Chairman der „Mammoth Creation Society“.

Trotz des bisherigen Scheiterns glauben die japanischen Mammut-Fans noch immer an die Realisierung ihres Projektes. Erst am 21. August 2002 erklärte Shoji Okutsu, Tierarzt an der Kagoshima Universität und einer der leitenden Experten im „Mammutprojekt“, der Presse: „Wenn alles erfolgreich verläuft, werden wir Baby-Mammuts haben. Wir wollen sie (aber) nicht im Zoo halten“ Okutsu schilderte weiter: „Wir wollen, daß sie in einer Umwelt leben, die der ihrer Vorfahren so nahe wie nur möglich kommt.“ Ein einigermaßen adäquates Gebiet stünde schon seit 1996 bereit, als die russische Region Sacha in der Nähe von Duvannyi Yar ein 160 km2 weites Reservat dafür zur Verfügung stellte. Eine Touristenattraktion wäre das Reservat auf keinen Fall. Zum Einen ist es nur per Helikopter erreichbar und zum Anderen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Zumindest diese Umstände würden Mammuts gewiß positiv empfinden.

 

Kritik gibt es vor allem innerhalb Japans, so z.B. von Mitsuko Masui, Direktor des Zoos von Yokohama: „Man kann die ursprüngliche Umwelt der Mammuts nicht wieder herstellen. Könnte daher ein Mammut in der heutigen wirklich überleben?“ Der Tiergarten-Chef folgert über die Proponenten des Mammutprojekts: „Ich glaube, sie haben darüber noch nicht genug nachgedacht.“ Masui gibt auch zu bedenken, daß es schon mit der Aufzucht bekannter, noch lebender Tierarten – wie etwa dem Panda – enorme Probleme gibt; wie viel mehr dann erst mit Mammut-Babies. Und fast unmöglich erscheint ihm die Etablierung einer Zuchtpopulation. Ungunst eines neidischen Zoodirektors oder wissenschaftliche Wahrheit?

Chairman Kobayashi geht auf diese Fragen nicht ein. Er glaubt, bald taugliche DNA aus gefrorenem Sperma zu finden, die einer Elefantenkuh implantiert werden soll. Aus diesen Mammut-Elefant-Hybriden sollen dann in einigen Generationen Nachkömmlinge entstehen, die ihren prähistorischen Verwandten in Geno- wie Phänotyp sehr nahe kommen. Kobayashi zu Frage ethisch  richtig oder falsch: „Einige Leute stellen bei dem, was wir vorhaben, die Frage nach der Ethik. Aber alles, was wir wollen, ist unseren Traum erfüllen.“ Biotechnologie in Zeiten der fun generation ...!

Text: A. Willer/CANIS

Zitate : Mari Yamaguchi (AP), in : 

http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=/ap/20020822/ap_wo_en_po/japan_recreating_mammoths_6

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