KLONIERUNG

 

Kuba: Die „Heilige Klonkuh“ des Kommunismus

Kubas eingebürgerter Freiheitsheld Ernesto „Che“ Guevara gab einst die Parole aus: Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche. Der greise Diktator Fidel Castro verleiht diesem historischen Satz einen neuen Sinn; er möchte „Ubre Blanca“ („weißes Euter“), eine Super-Milchkuh, in Serie klonen lassen. Damit – so sein Wunsch – solle die Milchknappheit auf der Zuckerinsel behoben werden.

  „Ubre Blanca“, Heldin der Revolution

Wer war „Ubre Blanca“? Eine Heldin der Revolution? Ein genetischer Glücksfall? Wohl beides! 109 Liter Milch pro Tag gab das weibliche Rind in seiner besten Zeit anno 1982. Das ist das Vierfache der üblichen Menge. Sie war der Stolz der Nation und hält immer noch den inoffiziellen Weltrekord hinsichtlich Milchleistung. Mittlerweile steht sie ausgestopft in einer Glasvitrine am Eingang des Nationalen Zentrums für Rindergesundheit, nahe der Hauptstadt Havanna. 1985 war „Ubre Blanca“, der Stachanow unter Kubas Kühen, verstorben. Fast symbolisch zu ihrem Tod begann die Milchkrise des karibischen Inselstaates, die bis heute andauert.

  Castro wollte hundsgroße Kühe

1987 ließ Staatschef Fidel Castro wissen, daß eine „Superkuh“ gezüchtet werden sollte. Nur kurz darauf teilte er Klonierungsforschern mit, er denke dabei an nur hundsgroße Exemplare, die in jeden kubanischen Haushalt passen. Boris Luis Garcia, damaliger Molekularbiologe am kubanischen Zentrum für Gen- und Biotechnologie, der heute in Spanien lebt, sagt, Castro wollte damit vor allem die Milchkrise in den Städten lösen. Tags über hätten die „Hundekühe“ unter fluoriszierendem Licht gegrast. Aus dem genetischen Großprojekt wurde offenbar nichts. Gleichzeitig sank die Milchproduktion Kubas seit 1989 um 60%. Guter Rat war teuer.

  Wiederauferstehung der Heiligen Kuh

Schon vor Jahren hatten Wissenschafter „Ubre Blanca“ Eizellen entnommen und künstlich befruchtet. Das Ergebnis blieb aber weit unter den Erwartungen: sieben Durchschnittskühe. Fidel Ovidio, Experte für Tier-Biotechnologie gegenüber dem „Wall Street Journal“: „Die Milchproduktion hängt von vielen Genen ab, sodaß spätere Generationen selten mit ihren Eltern vergleichbar sind.“ Eigentlich nicht verwunderlich, denn bei der konventionellen Zucht geht das einmalige Genom „Ubre Blancas“ durch die Vermischung mit dem Erbmaterial des Bullen verloren; beim Klonen bliebe ihre Gensubstanz demgegenüber erhalten. Tatsächlich werden mit anderen Kühen bereits Klonexperimente durchgeführt. Und Jose Morales, Leiter dieses Klonierungs-Projektes, sagt, daß sein Team einem Erfolg „sehr, sehr nahe“ wäre. Nach Wunsch des „Maximo Leaders“ Castro soll auch „Ubre Blanca“ geklont werden. Den Forschern ist allerdings noch unklar, wie das nach ihrem Tode entnommene und eingefrorene Gewebematerial eingesetzt werden soll. Morales äußerte sich aber gegenüber der Kapitalismus-Postille des Klassenfeindes USA, dem „Wall Street Journal“, zweckoptimistisch: „Es ist gut möglich, daß wir es eines Tages schaffen könnten.“  Die „heilige Kuh“ des Kommunismus könnte also bald wiederauferstehen

  Klonkühe weltweit

Weltweit ist das Klonen von Kühen inzwischen Routine. 1998 war es Eckhard Wolf von der Ludwig-Maximilians-Universität München gelungen, aus 17 Jahre alten Gewebeproben eine Kuh genetisch zu kopieren: „Uschi“ hieß das erste deutsche Rind aus der Klon-Retorte. Und der US-Farmer Greg Wiles ließ seine Superkuh „Zita“ nach ihrem Dahinscheiden gleich zweimal klonen. Das Gerücht, daß Kubas in die Tage gekommener Staatschef Castro sich auch als Klon der Nachwelt schenken möchte, weist Carlos Borroto, Vizedirektor des Zentrums für Gen- und Biotechnologie, zurück: „Wir sind moralisch gegen das Klonen von Menschen.“

  Ausweg aus der Knappheit

Bis zu den 90er-Jahren hatte jedes kubanische Schulkind bis zum 13.Lebensjahr täglich ein Glas Kuhmilch erhalten. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Comecon-Staaten war dieser Luxus für Kuba vorbei. Seither werden vor allem Milchsubstitute ausgegeben – wie etwa Sojamilch. Es ist schwer verständlich, warum ein armes Land wie Kuba weiter in High-tech-Experimente und teure Klonprozeduren investiert, anstatt die Versorgung mit Sojamilch auszubauen. Sie wäre nicht nur ökonomischer, sondern für den menschlichen Organismus, was etwa den Knochenbau betrifft, gesünder. Denn Kuhmilch von Natur aus für Kälber bestimmt, nicht für Kinder.

© Mag. Alexander Willer, CANIS

Q: http://www.rp-online.de/news/wissenschaft/medizin/2002-0527/super_milchkuh.html

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