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Graf
Dracula soll geklont werden Das Jahr 2001 war reich an Überraschungen wie Katastrophen. Einen Plan, der in beide Kategorien paßt, präsentierte im Mai die rumänische Tageszeitung Libertatea: Vlad, der Pfähler, besser bekannt als Graf Dracula; soll geklont werden; und das nach dem Willen einer amerikanischen Investorengruppe, die in Rumänien einen Dracula-Erlebnispark errichten will. Der Kapitalismus treibt seltsame Blüten, diesmal solche aus Blut. Wer
war "Graf Dracula"? Der vom irischen Autor Bram Stoker Ende des 19.Jahrhunderts ins Leben gerufene Untote Graf Dracula war im realen Leben gar kein Graf, sondern zuerst Prinz und dann Herrscher der Walachei. Dieses Landstück im heutigen Rumänien war im 15.Jahrhundert ein heiß umkämpfter Flecken Erde zwischen den katholischen Ungarn im Norden und den muslimischen Türken im Südosten. Die Fremdherrschaft wechselte vom ungarischen König zum türkischen Sultan und wieder zurück, wobei der Woiwode (=Fürst) der Walachei mal Vasall des einen, dann wieder des anderen war. Draculas tatsächlicher Name lautete Vlad. Später erhielt er für seine bevorzugte Hinrichtungsart den Beinamen Tzepes, der Pfähler. Dracul steht im Rumänischen sowohl für Drache als auch als Synonym für Teufel und war ein Titel, den Vlads Vater vom Ungarnkönig Sigismund als Mitglied des Drachenordens verliehen worden war. Dracul(e)a bedeutet demnach nichts anderes als Sohn des Drachenordensträgers. Für die Rumänen gilt Vlad ganz im Gegenteil zu Westeuropa und den USA als Nationalheld, der sein Land gegen Usurpatoren verteidigte. Von ihm wird berichtet, daß er so streng für Recht und Ordnung sorgte, daß man einen Goldsack auf die Straße stellen hätte können, ohne daß ein Dieb diesen genommen hätte. Vlads Grausamkeit rührt aus seiner Kindheit her als der türkische Sultan seinen Bruder bei lebendigem Leib sieden ließ. Eine grausame Tortur, die aber heutzutage in vielen Hummer-Restaurants auch nicht anders abläuft. Während seiner Festungshaft in Ungarn soll er zum Zeitvertreib Mäuse gepfählt haben (Erinnerungen an wissenschaftliche Tierversuche kommen auf). Später ließ er Bettler ebenso aufspießen wie Hunderte türkische Kriegsgefangene. Aufgrund seiner lustvoll zelebrierten Grausamkeit sowie seines Leidens an Porphyrie* entwickelte sich der Mythos vom blutsaugenden Untoten, vom Nosferatu oder Vampir. Hirngespinst oder Realität?
Nicht nur, daß er die Idee unethisch finde, glaube er auch nicht an eine Machbarkeit des Planes, da alle sterblichen Überreste des Pfählers über die Jahrhunderte derart viel an genetischer Information durch Verwesung verloren hätten, daß eine Auferstehung als reine Science-fiction zu betrachten ist. Nosferatu soll Jobs bringen Die Rumänen, vor allem die Einwohner von Vlads Heimatstadt Sigisoara, sehen dem Projekt mit Euphorie entgegen. Auch wenn es nur bei einem medialen Stunt bleiben sollte, wie Dr. Griffin argwöhnte, zieht die weltweite Publicity doch Touristen an. Und damit kann vom T-Shirt über die Keramikfigur bis zum Spielzeugsarg alles vermarktet werden. Die Souvenirartikelindustrie brächten vielen Arbeitslosen Arbeit; Vlad bleibt für die Rumänen ein Held. Aus Sicht des Tierrechtsgedankens ist es natürlich schauerlich, zu welch abstrusen Ideen Tiere als Versuchsobjekte herhalten müssen. Denn bis ein Dracula-Klon auch nur halbwegs gelingen könnte, müßten Hunderte Tiere zuvor im Experiment herhalten. * Porphyrie: Eine seltene Bluterkrankung, bei der die Bildung des roten Farbstoffes Hämoglobin verhindert wird. Die Erkrankten sind dadurch anämisch und sehr lichtempfindlich; in Extremfällen wirft die Haut bei direktem Sonnenlicht sogar Brandblasen. Oft kommt Zahnfleischschwund hinzu, was die Zähne spitzer aussehen läßt. David Dolphin, Forscher an der University of British Columbia, Kanada, sieht in die Porphyrie die Wurzel des Vampirismus.
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