KLONIERUNG

 

Klonen von Tieren: „Riesige Verluste auf dem Weg“

Dr. Alan Colman, einer der wissenschaftlichen Väter des Klonschafs „Dolly“ gibt miserable Erfolgsquoten beim Klonen zu. Dr. Colman ist am Mittwoch, 21.11., ab 19 Uhr in der Österreichischen Nationalbibliothek, geladener Redner des Austrian Research Centers Seibersdorf.

Zur Person: Alan Colman, Jahrgang 1948, studierte Biochemie an den Renomierunis Oxford und Cambridge. Später nahm er in selbem Fach eine Professur in Birmingham an. Seit 1993 ist er Forschungsdirektor der schottischen Biotechfirma PPL Therapeutics, wo er tatkräftig an „Dolly“ mitwirkte. Colman ist des weiteren Mitglied der British Biochemical Society sowie der American Society of Cell Biology. Seine Arbeit wurde mehrfach mit Fachpreisen ausgezeichnet.

Zur Forschung am Tier: In einem Gespräch mit „Die Presse“ (17.11.01) verweist er auf die „erbärmliche Erfolgsquote beim Klonen von Tieren, auf die häufigen Fehl- und Frühgeburten, auf Mißbildungen, die man noch gar nicht erklären kann“. Wortwörtlich bekannte er: „Es gibt riesige Verluste auf dem Weg. Es wäre unmoralisch, über das Klonen von Menschen auch nur zu forschen, denn die Forschung würde keine Vorteile bieten, die die Risken aufwiegen könnten.“ Beim Tier sieht er die Moral freilich weit weniger fragwürdig angewandt. Die „riesigen Verluste“ sind Teil des Kalküls.

Die Presse“ berichtet: „Optimistischer spricht Colman über das eigentliche Anliegen hinter dem Klonen von Tieren: die Vervielfältigung transgener Tiere, die Proteine erzeugen, die für den Menschen nützlich sind und aus der Milch gewonnen werden können. Ein aktuelles Beispiel: transgene Kühe, die menschliche Antikörper gegen Krankheitserreger produzieren. Diese Forschung wird vom US-Militär unterstützt, das auf Serum für die Immunisierung von Soldaten gegen biologische Waffen (Anthrax!) hofft.

Eine andere Anwendung soll die umstrittene Organtransplantation von Schweinen auf Menschen weniger riskant machen.“ Colman: „Wir erwarten für nächstes Jahr die Geburt von Schweinen, bei denen ein einziges Gen eliminiert wurde, das bei Transplantationen immunologische Probleme verursacht. Und wir glauben, daß dieses Gen bei Schweinen nicht lebensnotwendig ist.

Fassen wir zusammen, Klonen dient also für folgende Zwecke:

Tiere als „lebende Apotheken“ für Menschen

Tiere als Organlieferanten in der Xenotransplantation

Und was hier noch unerwähnt blieb: Tiere als vervielfältigte „Hochleistungsnutztiere“

Dr. Colman bagatellisiert, wenn er sagt, daß er versuche, das Tierleid zu minimieren. Es wäre auch „schwer, keine persönliche Beziehung mit den Versuchstieren aufzubauen“: „Wenn sie einmal geboren sind, experimentieren wir nicht mehr mit ihnen. Wir sehen ihnen nur beim Aufwachsen zu.

Zu PPL Therapeutics: Die Firma ist in Edinburgh (Schottland), Neuseeland sowie Virginia (USA) ansässig und verfügt über ca. 170 Angestellte. Das Spezialgebiet von PPL ist die Produktion von menschlichen Proteinen durch transgene Tiere. Geglückte transgene Tiere werden durch die Technik des Klonens „vervielfältigt“. Die weltberühmte „Dolly“ war noch nicht transgen, wohl aber ihre NachfolgerInnen „Polly“ und „Molly“ sowie „Diana“ und „Cupid“. Des weiteren ist PPL in den Bereichen Stammzellenforschung sowie Xenotransplantation involviert.

Mag. Alexander Willer

 

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