Kanada: Häfen für Färinger Fischpiraten geschlossen  

Am 21.März schloß Kanada seine Häfen für Fischereischiffe der Faröer-Inseln. Der Grund: Fangschiffe dieses zu Dänemark gehörenden nordatlantischen Inselprotektorats überfischen seit langem die Shrimpsbestände außerhalb kanadischer Hoheitsgewässer*.

Kanadas Fischereiminister Robert Thibault erklärte aufgebracht, daß die Färingerflotte beharrlich die von der NAFO (North Atlantic Fisheries Organization) festgesetzten Fangquoten ignoriert: „I will not tolerate the wilful abuse of NAFO quotas and rules exhibited by this fleet“. Und weiter: „Jedes Land, das überfischt, stellt eine 

Gefahr für die (natürliche) Ressource dar. Und mein Job ist es, diese Ressourcen zu beschützen“. Ohne Namen zu nennen, kündigte er an, auch für andere Nationen, die overfishing betreiben, die kanadischen Häfen zu sperren (einzige Ausnahme: Seenot).

Bereits 1995 hatte Kanada einen spanischen Trawler in internationalen Gewässern aufgebracht und dessen Kapitän inhaftiert. Damals ging es um Überfischung von Steinbutt (tarbot). Das Thema Überfischung ist gerade in Kanada ein sehr heikles, denn vor einem Jahrzehnt sah sich die Regierung gezwungen, die einst reichen Fanggründe für Kabeljau (cod) vor der Küste Neufundlands zu schließen, damit der Bestand der Tiere sich erholen konnte. Zehntausende Fischer wurden daraufhin arbeitslos.

Die Handlungsweise Kanadas fand bei vielen Umwelt- und Artenschutzgruppen rege Zustimmung. Dr. Hillary Notch, Meeresbiologin von Ecoterra International, rief zum Nachmachen auf: „Besonders die weniger entwickelten Länder sind aufgefordert, dem Beispiel Kanadas und anderer Nationen zu folgen und ihre Meeresgewässer vor der Ausplünderung einer internationalen Fisch- und Walfang-Mafia zu schützen“. Besonders sprach sie damit den nordwestafrikanischen Staat Mauretanien an, dessen Gewässer von Schiffen der EU, Japans und Chinas regelrecht leergefischt werden; ganze Arten sollen schon verschwunden sein. Außerdem kritisierte sie die Vorgangsweise der ehemaligen EU-Hochkommissarin für Fischerei, die auf eigene Faust mit den verschiedenen lokalen Kriegsherren (warlords) des ostafrikanischen Staats Somalia „Fischereirechte“ für Italien und Spanien „ausgepokert“ hatte.

Während die Vorgangsweise Japans, die Pro-Walfang-Stimmen kleinerer Inselstaaten in der IWC** als Gegenleistung für Investitionen und Entwicklungshilfe zu erkaufen, bei ihr harsche Kritik erntete, lobte Dr. Notch Großbritannien, das seine Häfen für norwegische Walfänger geschlossen hält.

Mag. Alexander Willer, www.canis.info

Quellen:

-) www.enn.com/ennnews.asx nach einer Meldung von Reuters, 22.3.02

-) Pressemitteilung von Ecoterra Intl., 22.3.02; Kontakt: Ecoterra, PF 100, D-34314 Espenau

 

* Laut internationalem Recht reichen die Hoheitsgewässer eines Staates 200 nautische Meilen (ca. 376 km)

** IWC = International Whaling Commission: Internationale Walfangkommission

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