Jagd

England: Blaublut bezieht Stellung für Blutsport

Prinz Philip, Gemahl der britischen Königin und Herzog von Edinburgh, hat in der öffentlich hitzig geführten Diskussion um die Abschaffung der Fuchsjagd nun klar eine Pro-Jagd-Stellung bezogen. In seiner Funktion als Präsident der Royal Society of Arts lädt er ins Londoner Hauptquartier dieser Gesellschaft den passionierten Jäger Graham Suggett zum Vortrag ein; und das vier Tage bevor das House of Commons (Unterhaus des Parlaments) über die Zukunft der Fuchsjagd abstimmt. Der Vermutung liegt nahe, der Buckingham Palast wolle dadurch den Ausgang der Abstimmung zugunsten der Jägerschaft beeinflussen.

Der Herzog von Edinburgh ist nicht gerade für seine Sensibilität bekannt“, sagt der Labour-Parlamentsabgeordnete und Tierschützer Tony Banks. „Seine völlige Mißachtung der öffentlichen Meinung ist berüchtigt.“ Michael Foster, Labour-Parteikollege und Einbringer des ursprünglichen Gesetzesentwurfs zum Verbot der Fuchsjagd, sieht die Parteinahme Prinz Philips ebenso problematisch: „Dadurch wird die königliche Familie in eine politische Angelegenheit mithineingezogen, während diese gerade im Parlament diskutiert wird.

Ein Sprecher des Herzogs von Edinburgh erklärte gegenüber der Tageszeitung „The Observer“, daß die Rede unter Prinz Philips Patronanz auf alle Fälle gehalten wird, ungeachtet der Tatsache, daß sich dadurch ein Mitglied des Königshauses offiziell einem politischen Standpunkt anschließt.

Der vom Herzog geladene Redner ist Graham Suggett, Vizepräsident der British Association for Shooting and Conservation. Er wird vor 200 handverlesenen Gästen und Mitgliedern der Royal Society of Arts über die „Wichtigkeit von Jagd und Fischerei hinsichtlich der Bewahrung der Landschaft“ dozieren. Seiner Ansicht nach verrichten Britanniens 3,3 Millionen Angler einen „fantastic job“. Und weiter: „Die Gemeinschaft der Schußsportbegeisterten leistet den größten Beitrag, um den Zustand des Farmlandes aufrechtzuerhalten.“ Außerdem würden diese Leute auch am meisten „Zeit und Geld investieren“, da sie den „Schußsport genießen“. Zudem würde ohne Jäger die Landschaft verwildern und das Wild „run riot“, also Amok laufen.

Michael Foster kann hingegen den verqueren Argumenten Mr Suggetts wenig Logik abgewinnen: „Es gibt keinen einleuchtenden Grund, warum Leute, die die Landschaft lieben, diese nicht auch pflegen können, ohne gleichzeitig Jagd auf kleine Säuger zu machen.“ (Damit zielt er vor allem auf die blutrünstige Fuchsjagd ab.)

Bleibt abzuwarten, ob die Parteinahme eines hochrangigen Mitglieds der Royals, wie Prinz Philip eines ist, der Jagd wirklich einen Dienst, oder wohl eher einen Bärendienst erweist. Denn der Großteil der 650 Abgeordneten des House of Commons wird sich in seinem Abstimmungsverhalten sicher nicht an die Kandare des Königinnengemahls nehmen lassen.

Frei nach: Vanessa Thorpe in „The Observer“, 10.März 2002

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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