Jagd

 

Skandalöses neues Fallenfang-Gesetz in British Columbia (Kanada)

Zum ersten Mal in der Geschichte der westkanadischen Provinz British Columbia (B.C.) gibt es Regelungen zur regelmäßigen Kontrolle zweier tödlicher Pelztierfallen (conibear traps bzw. snares). Demnach ist der Fallenausleger ab nun veranlasst, spätestens nach 14 Tagen zu überprüfen, ob das in der Falle gefangene Tier auch wirklich tot ist. Was hier als großer legislativer Erfolg zelebriert wird, ist tatsächlich eine Schande sondergleichen. Denn durch die Regelung in B.C. wird unausgesprochen gesetzlich verankert, daß Tiere im Falle des Falles bis zu zwei Wochen elendiglich in der Falle leiden müssen. CANIS tritt natürlich für die Abschaffung von Jagd und Fallenstellerei im Allgemeinen ein, in diesem Spezialfall ist ein Protest bei der kanadischen Botschaft in Wien geplant.

Bisher hatte die Provinz B.C. zwar für leghold traps (Beinhaltefallen) Regelungen – diese müssen alle drei Tage überprüft werden – aber nicht für conibears und snares. Die offizielle Begründung lautete, daß die beiden letzteren ohnehin tödlich wirken, das Tier also sehr rasch stirbt, und der Fallensteller daher nicht regelmäßig nachsehen muß, um etwaiges unnützes Leid zu verhindern. Außerdem – so hieß es – wäre es den Trappern nicht zumutbar, im extremen Klima von British Columbia so oft auszurücken; wobei noch hinzukäme, daß viele Regionen, in denen Fallen ausgelegt wurden, äußerst schwer erreichbar sind. Wie Jennifer Deneen, Geschäftsführerin der Tierschutzorganisation Association for the Protection of Fur-bearing Animals allerdings recherchierte, sind conibears und snares bei weitem nicht sofort tödlich. Einerseits kann es kältebedingt zu technischen Mängeln kommen, andererseits gibt es Tierarten, die soweit mit dem Körper in die Falle hineingehen, daß der geplante sofortige Genickschlag (bei conibears) einfach einen anderen Körperteil trifft. Bei Bibern und Ottern wurde dies sogar im Jagdmagazin „The Trapper & Predator Caller“ bestätigt. Eine peinliche Situation für die Mehrzahl der Politiker der Provinz, die ja aufgrund des Millionendollar-Geschäfts „Trophäenjagd“ ohnehin sehr jagdfreundlich gesonnen sind. Eine Alibimaßnahme mußte her.

Nun wird die 14-Tage-Regelung von Offiziellen wie Trappern als großer Fortschritt gefeiert, obwohl British Columbia damit die Tierqual am längsten in ganz Nordamerika (Kanada, USA) zulässt. Die nächstschlechteren Provinzen bzw. Staaten sind Saskatchewan, Yukon  und Nevada mit einer 5-Tagesfrist zum Nachsehen nach den Fallen. In Maryland hingegen schreibt die Jurisdiktion eine Überprüfung nach nur 36 Stunden vor. George Clements, Gründer der Association for the Protection of Fur-bearing Animals ist empört über die Regelung in B.C.: „Keine Rechtssprechung hat je zuvor solch ein Gesetz verabschiedet.“ Der Vizepräsident der Fallenstellervereinigung, Stan Smith empfindet die Regelung als fair. Für ihn ist es wichtig, daß die Gespräche darüber geführt worden, daß die  Fallen „effektiv töten“. Effektives Töten als Gesetzesziel – eine absurde Farce an sich!

Smith empfindet es zudem als ausreichend und positiv, daß Trapper in B.C., ehe sie der Fallenstellerei nachgehen dürfen, einen 3-tägigen Regierungskursus absolvieren müssen. Conibear traps sind umrahmte Drahtapparaturen mit einem Schnappbügel, der ausgelöst wird, wenn das Tier in die Falle tappt. Der darauffolgende Genickschlag soll sofort letal wirken – zumindest dem Jägerlatein nach. Snares sind Schlingfallen aus Draht, die sich umso enger ziehen, je stärker das Tier aus der Schlinge zu entkommen versucht. Ein Film aus der Nachbarprovinz Alberta belegte, daß Marder, Biber, Kojoten, Eichhörnchen und Nerze in conibears noch Tage nach dem angeblich tödlichen Bügelschlag verzweifelt sich zu befreien versuchten. „Der Schlüssel liegt darin, daß diese Fallen humane Tötungsgeräte sind“, äußert Smith „Humaner“ Tiermord im Crash-Kurs! Eine Einstellung, die Einiges über die Psyche der Trapper preisgibt.

Abschließend eine Statistik über den Fallenfang in Kanada und British Columbia:

Im Zeitraum 2000/2001 wurden in Kanada offiziell 893.003 Tiere in Fallen gefangen, davon 35.930 in B.C.

Das „Rekordjahr“ war 1979 mit unglaublichen 5.466.400 Tieren kanadaweit; davon  304.623 in B.C.

Die Provinz mit den meisten gefangenen Tieren 2000/2001 war Quebec: 211.000

Die Anzahl der in British Columbia in Fallen gefangenen Tiere nach Arten für 2000/2001 ergibt sich wie folgt (Quelle: Provinzregierung von B.C.):

Marder (19.181), Biber (4.685), Eichhörnchen (4.176), Wiesel (2.358), Moschusratten (1.758), Luchse (781), Nerze (719), Kojoten (709), Otter (398), Fisher (293), Füchse (270), Wölfe (181), Vielfrasse (170), Waschbären (150), Bobcats (120) sowie Skunks (3).

Wichtig ist es herauszustreichen, daß dies amtliche Zahlen für sind – und das nur für Pelztiere. Das heißt, die Dunkelziffer muß weit höher bemessen – und auch auf Nicht-Pelztiere, die tagtäglich in Fallen tappen, ausgeweitet werden,

© Mag. Alexander Willer/ Tierrechtsverein CANIS

Zitate aus: „Vancouver Sun“ (Nicholas Read), 21.8.02

http://www.canada.com/search/site/story.asp?id=3A105A26-B3DB-4D32-98D4-2A9BCB8AA3B3

Foto: Association for the Protection of Fur-bearing Animals

 

 

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