Jagd

 

Niederlande: Jäger mit dem Latein am Ende

Nachdem in Schottland die berittene Fuchsjagd per Gesetz im Februar 2002 verboten worden ist, steht in Europa ein weiterer historischer Erfolg gegen die Jägerlobby an. Am 1.April tritt in den Niederlanden ein neues „Flora- und Faunagesetz“ in Kraft, welches die Jagd nur noch bei „wesentlichen Schäden“ ausnahmsweise zuläßt.

Ab dann dürfen „lediglich“ folgende fünf Arten zu bestimmten Saisonzeiten bejagt werden:

Hase

Kaninchen

Fasan
Stockente

Ringeltaube

Alle anderen Wildtierarten gelten mit April 2002 als „ganzjährig geschützt“, es sei denn es treten durch sie sogenannte „wesentliche Schäden“ auf. Gesetzten Fall werden dann Ausnahmegenehmigungen zum Abschuß erteilt. Allgemein rechnen Naturschützer mit vielen solcher Ausnahmegenehmigungen, vor allem was Rehe betrifft. Angeblich wurde den Waidmännern bereits eine „ausnahmsweise Erlaubnis“ zur Erlegung von 50.000 Rehen innerhalb von drei Jahren in Aussicht gestellt; das sind so viele Tiere, wie die ganze Population derzeit zählt (!). Für die niederländische Naturschutzgruppe De Faunabescherming gleicht dies einer Verhöhnung des Gesetzes, weshalb sie der Verhinderung von Ausnahmegenehmigungen „erste Priorität“ einräumt.

Trotz all der legalen Schlupflöcher, die sich den Waidmännern auftun, ist das niederländische Gesetz als revolutionär anzusehen, als erster wichtiger Schritt zu einer totalen Ächtung der Jagd. Schon jetzt sind viele Tierarten Nutznießer davon. Der Hobbymord an Krähen, Dohlen, Elstern oder Eichelhähern ist fortan untersagt, ebenso wie die Fallenjagd auf Füchse. Schon im Jahr 2000 kam es zum Verbot der Wildgansjagd, der bis 

dahin per anno zwischen 30.000 und 80.000 Vögel zum Opfer gefallen waren.

Faktum ist, daß die Jägerschaft ihren „Ehrenplatz“ in der modernen Gesellschaft zusehends einbüßt. Kronprinz Willem-Alexander ist schon jetzt gezwungen, seiner „Jagdleidenschaft“ im Ausland nachgehen zu müssen. Das Blaublut vergießt das Blut von Wildschweinen bei Treibjagden in Ungarn. Im eigenen Land würde dies wohl zu viele Sympathiepunkte kosten. Auch die zünftigen Waidmänner des Freistaats Bayern sind in Aufruhr. Im Mitteilungsblatt „Jagd in Bayern“, Ausgabe 1/2002, wird angesichts des niederländischen Gesetzes von „dunklen Wolken am Horizont“ geschrieben. Beinahe beschwörend rufen die Lodenmänner nach Allianzen mit Großgrundbesitzern, Reitern und Falknern, um „jagdfeindlichen Tendenzen zu begegnen“. Schließlich sollen Umfragen zufolge 70% der Deutschen gegen die Jagd sein.

Die Kampagne von De Faunabescherming zur Abschaffung der Jagd kann als vorbildlich bezeichnet werden. Seit 1976 haben die Naturschützer politisches Lobbying betrieben. Zuletzt wurden 250 juristische Beschwerden pro Jahr gegen Jagd-Ausnahmegenehmigungen eingereicht, wovon ein Drittel erfolgreich beschieden worden war. Nun steht die zweite Phase an, das Hinarbeiten auf das Ziel, auch die verbleibenden fünf Wildtierarten unter Schutz zu stellen. Dann wären Hollands Jäger wohl endgültig mit ihrem Latein am Ende.

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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