Jagd

 

Mongolei/USA: Dalai Lama verurteilt Trophäenjagd

Dharamsala – In seinem indischen Exil sprach sich der Dalai Lama am 29.März 2002 in einem öffentlichen Aufruf gegen die Trophäenjagd aus. Die amerikanische Tierschutzorganisation Fund for Animals hatte ihm Berichte zukommen lassen, die von einer rapiden Zunahme des Jagdtourismus in der Mongolei grausige Details lieferten. Fast 95% der 2,5 Millionen Mongolen sind Anhänger des Tibetischen Buddhismus, womit der Dalai Lama als ihr spirituelles Oberhaupt gilt.

Der Aufruf des Dalai Lama

Ich bin zutiefst traurig, erfahren zu müssen, daß die Mongolei die Trophäenjagd auf seltene und gefährdete Arten zugunsten des Tourismus unterstützt“, schrieb der Dalai Lama. „Wie wir alle wissen, verstößt es generell gegen die Prinzipien des Buddhismus, jemandes anderen Leben zu nehmen. Wir können wir aus Gründen von Spaß, Lust und Sport mit dem Leben von Tieren spielen – es ihnen nehmen? Das ist undenkbar! Tibet, als buddhistisches Land, hat schon in der Vergangenheit die Jagd auf Tiere in jeder Form verboten. Heute gibt es weltweit noch mehr 

Bewußtsein, nicht nur was den Schutz der Umwelt, sondern auch den der Tiere betrifft; was ihre Rechte und ihre Bewahrung vor Folter angeht. Deshalb erlassen Menschen sogar in Ländern, die eine starke Jagdtradition haben, Gesetze zum Verbot der Jagd. Ein gutes Beispiel ist der jüngste Bann der berittenen Fuchsjagd durch das schottische Parlament. Daher appelliere ich an alle, die in der Mongolei besorgt sind, sich nicht in die Trophäenjagd auf seltene und gefährdete Arten einzulassen.“ Ich mache diesen Aufruf als Buddhist, aufgrund unseres Respekts und Mitgefühls für alle Lebewesen.“

Vorgeschichte in der Mongolei

Seit den 1920er-Jahren stand die Mongolei als „Volksrepublik“ unter der Dominanz der Sowjetunion. Das Land Dschingis Khans war daher lange Zeit von der Außenwelt fast gänzlich abgeschottet. Der Tierwelt tat dies gut. Großwildjagd war ein teures „Hobby“, das der kommunistischen Nomenklatur, hauptsächlich russischen Generalen und Apparatschiks vorbehalten war. Als zu Beginn der 90er-Jahre das Sowjetimperium sich aufzulösen begann, blieben auch die Jagdgäste aus. Doch hinter den Kulissen arbeiteten bereits betuchte Freizeittiermörder aus den USA, um das Vakuum zu füllen. Die Mongolei war vor allem deshalb interessant, da es so gut wie keine Gesetze zum Schutz von Tieren gab – und weil dort einfach Jagd auf seltene Tierarten wie Schneeleopard, Baktrisches Kamel oder das Argali Wildschaf zu machen war.

Amerikanische Hintermänner

1984 gründete der an der berühmten Smithsonian Institution angestellte Biologe Richard Mitchell die „American Ecological Union“ (AEU), eine Organisation, die als zynischer Etikettenschwindel zu bewerten ist, da sie mit Ökologie wenig im Sinn hat. Vielmehr steckt hinter ihr die einflussreiche Jägerlobby vom Safari Club, dessen lebenslange Mitglieder u.a. die US-Präsidenten George H. bzw. George W. Bush sind. Ziel der AEU ist es, den Jagdtourismus nach China bzw. in die Mongolei zu promoten. Richard Mitchell wurde vom Smithsonian für ein Jahr an die amerikanische Fischerei- und Wildlifebehörde (USFWS) verliehen, um eine Studie über den Status der als „gefährdet“ eingestuften Arten Schneeleopard, Argali u.a. in der Mongolei durchzuführen. Als Forschungsexpedition deklariert, organisierte Mitchell in dem nordostasiatischen Staat eine Trophäenjagd. Einer der begeisterten Teilnehmer war der ehemalige Kandidat für das Amt des texanischen Gouverneurs Clayton Williams nebst Gattin Modesta. Vier Argalischafe wurden getötet und als Trophäen in die USA importiert. Als die USFWS davon erfuhr, kam es wegen Verstoß gegen das Artenschutzabkommen gegen Mitchell und Williams zur Anklage. Doch das Netzwerk der Macht funktionierte. Die Senatoren Lloyd Bentsen (Demokrat aus Texas) und Pete Wilson (Republikaner und späterer Gouverneur Kaliforniens) sowie der Abgeordnete zum Repräsentantenhaus Jack Fields (Republikaner aus Texas) machten ihren politischen Einfluß geltend, so daß der Fall gegen Clayton Mitchell fallen gelassen wurde; die Smithsonian Institution ließ sich die Verteidigung ihres umstrittenen Biologen Richard Mitchell 650.000 US-Dollars kosten. Letztlich hatte das USFWS gegen den dichten Filz aus Politik und Jägern das Nachsehen.

Zur Situation in der Mongolei

1995 wurde es dem Mongolischen Ministerium für Natur und Umwelt klar, daß der Jagddruck durch Trophäenjäger bereits zu einer starken Gefährdung vieler Wildtierarten geführt hatte. Im Juni desselben Jahres wurde ein Gesetz eingeführt, welches das Töten von Schneeleoparden verbot. Weiters setzten die Behörden fest, daß fürderhin pro Jahr nur mehr 15 Abschußgenehmigungen für Argali – jede zum Preis von 10.000 $ - ausgestellt werden. Für Moschusochse, Antilope, Sibirischen Elch, Rentier, Wildpferd, Baktrisches Kamel, Biber, Otter, Hyäne, Trappe, Fasan, Schwan, Kranich sowie Stör wurden teilweise Schutzregelungen erlassen. Leider erwies sich die Umsetzung dieser Wildtierschutzgesetze als schwierig bis kaum machbar. Weiterhin wurden Amerikanern Jagdsafaris auf Schneeleoparden zum Preis von 25.000 $ angeboten. Aufgrund aufeinanderfolgender Dürrezeiten im Sommer und harscher Winter verschlechterten sich die Lebensgrundlage der mongolischen Bevölkerung. Wilderei bzw. Guide von Trophäenjägern war die große Chance zum schnellen Geld. Bis dato gilt die Mongolei als gerne anvisierte Destination von europäischen wie amerikanischen Tiermördern.

Nachspiel in den USA

Wenig überraschend hat sich die Regierung Bush junior mittlerweile darangemacht, die Importbestimmungen für das spiralhornige Argali (Ovis ammon), die weltweit größte Wildschafart, zu lockern. Der Abschuß dieser Tiere ist für Mitglieder des elitären Safari Club ein Muß, um begehrte Jagdpreise zu erhalten. 

Der Fund for Animals hat im April 2001 gemeinsam mit anderen Tierschutzgruppen sowie zwei mongolischen Wissenschaftern das USFWS geklagt. 

Ziel ist es, die Einfuhr von Argalitrophäen wieder zu untersagen und diese Spezies in ganz Asien – also auch in der Mongolei – als gefährdet einzustufen. Das Verfahren ist noch anhängig.

Widerstand gegen den Dalai Lama?

Der religiös-politische Führer des Tibetischen Buddhismus hat durch seine offizielle und klare Verurteilung der Trophäenjagd sicherlich an Unterstützung führender Kreise in den USA eingebüßt. Gerade die jagdfreundlichen konservativen Republikaner hielten bisher zu ihm, da er ihnen als Symbol gegen den Kommunismus seitens Rotchinas gut ins Weltbild paßte. Auch den in Amerika mächtigen christlichen Fundamentalisten diente er als Vorbild; auch sie streben ja einen „Gottesstaat“ – wie es das alte Tibet mal war – an. Zwei Organisationen aus diesem religiös-politischen Spektrum sind dabei besonders zu erwähnen. Zum einen die Christian Sportmen’s Fellowship aus Atlanta (mit über 300 Filialen in den USA), die tarnfarbengebundene Bibeln verkauft; zum anderen die Special Youth Challenge Ministries (ebenfalls Georgia), welche behinderte Kinder auf Jagdranches bringt, um sie dort auf Tiere schießen zu lassen, die im Käfig sitzen. Entseelter kann eine Religion wohl kaum mehr sein.

© Mag. Alexander Willer

 

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