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HAIE ALS OPFER DER QUACKSALBEREI Laut
Angabe der Welternährungsorganisation FAO werden weltweit alljährlich
an die 100 Millionen Haie gefangen, was einem Gewicht von 1,3 Millionen
Tonnen entspricht. Alleine zwölf Millionen Haie verenden als Beifang
der riesigen Fischereiflotten. Und immer mehr fallen die Meeresraubtiere
einer Wundermittelindustrie zum Opfer. Haiknorpelprodukte sollen gegen
Arthrose oder Rheuma helfen, eine Magensubstanz des Dornhaies wird als
tumorhemmend angepriesen. Stichhaltig zu beweisen ist freilich von all
dem nichts. 1992
verfaßte der Biochemiker Dr. William I. Lane mit Warum Haie gegen
Krebs immun sind den Klassiker der Haifang-Lobby. Der Inhalt
seines Werkes beruhte lediglich auf pseudo-wissenschaftlichen
Spekulationen. Das National Cancer Institute der USA schrieb dazu: Haiknorpel
gegen Krebs ist ein Witz. Außerdem wurde das Buch als nicht
neutral zurückgewiesen, was einleuchtend erscheint, da Lane von
Wirtschaftsinteressen geprägt war. Erstens fungierte der selbsternannte
Haiexperte als Präsident der Fishmeal Trade Association und
zweitens war er Gesandter Präsident Reagans in Guinea, Westafrika, wo
Lane Investitionsmöglichkeiten bezüglich des kommerziellen Haifangs
ausloten sollte. Das Deutsche Krebsforschungszentrum lehnte Dr. Lanes angebliche Erkenntnisse ebenso ab wie die Schweizerische Krebsliga. Auch in Österreich ist keines der vermeintlich krebshemmenden Haiprodukte als Medikament zugelassen. Sehr wohl erhältlich sind allerdings Produkte, die als Nahrungsergänzung für Erwachsene in den Handel kommen. Eines davon ist Vita Maris, das damit wirbt, 100% reines Mehl aus Knorpeln von Haifischen zu sein. Als zweifelhaft darf auch die Wirkung der Substanz Chondroitinsulfat betrachtet werden. In der Schweiz wird dieses Sulfat aus Haiknorpel hergestellt, in Österreich (lt. Auskunft der Firma Sallus-Braumapharm) nur aus Rinderknorpeln- und Tracheen. Die
Palette der per Post beziehbaren Haiwundermittel ist bunt: SHARK
CARTILAGE (USA) soll ein Allroundmittel gegen Arthrose, Krebs und Rheuma
sein; ARTHRELAN (Deutschland) verspricht ebenso Hilfe gegen Arthrose;
HAI VITAL (Schweiz): scheint gleichfalls ein vielfältiges Remedium zu
sein. Zum Schlagwort ist auch Squalamin geworden, eine Substanz aus dem
Magen des Dornhaies, die Tumore in ihrem Wachstum hemmen können soll.
Bei all diesen Mittelchen werden Fakten der Forschung mit wundersamen
Versprechungen gekoppelt und so auf den Markt geworfen. Mit dem
Nebeneffekt, daß keinem Menschen geholfen wird, aber Abertausende Tiere
für leere Versprechungen ihr Leben lassen. Dr.
Carl Luer, seit fast zwanzig Jahren im Monte Marine Lab, Sarasota,
Florida, in der Knorpelforschung tätig: Die Idee zur
Krebsbehandlung Heilknorpel zu verspeisen, ist absurd. Das ist, als
versuche ein Kurzsichtiger durch den Verzehr von Adlerfleisch seine
Sehkraft zu verbessern. Haie zeigen ein wenig ansprechendes Äußeres, sind keine Schmusetiere, haben keine Lobby, nichts desto trotz bedürfen diese Meeresraubtiere unseres Schutzes. Sie erfüllen im Ökosystem eine wesentliche Rolle.
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