Das Dilemma um Orca Free Willy Anfang September 2002 tauchte der Schwertwal Keiko, besser bekannt als Free Willy, im Skaalvik Fjord im Westen Norwegens auf. Sechs Wochen nachdem er aus seinem Meeresgehege vor Island freigelassen worden war. Experten hatten dort versucht, den Orca sukzessive an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen, ihn wieder selbständig Fische fangen zu lassen. Keikos Reise von Island nach Norwegen ging über 870 Meilen. Leider stellte sich heraus, daß der Wal immer noch die Nähe von Menschen sucht. Gleich nach seinem Auftauchen im Fjord war er von kleinen Booten staunender Norweger umringt. Kinder schwammen mit ihm und kletterten sogar auf seinen Rücken. Die jahrelange Gefangenschaft in Delphinarien hat ihre traurigen Spuren im Verhalten des Wales hinterlassen. Noch trauriger ist, daß Keiko ohne menschliches Zutun nach Meinung von Wissenschaftern den strengen Winter im Fjord nicht überleben wird. Einer der Fachmänner, Nils Oeien, äußerte sich gegenüber dem staatlichen norwegischen Fernsehen NRK dahingehend, daß es besser wäre, den Wal einzuschläfern. Ein Sturm der Entrüstung war die Folge: Dag Paulsen, Sprecher des norwegischen Fischereiministeriums, bezeichnete die Euthanasie sofort als keine Option. Auch seitens der umstrittenen Hochseefischer drohe dem Orca keine Gefahr, sie jagen nur Minkwale, so der Beamte. Offenbar wittern die Norweger ein großes Geschäft mit Whale-watching-Touristen. Jan Einarsen vom Atlanterhavsparken Aquarium gibt den Tierschützern Schuld für die Misere. Es wäre Aufgabe derer, die den Wal ausgesetzt hätten, ihn nun zu helfen und zwar rasch. Damit meint er die US-Organisationen Ocean Futures Society sowie HSUS. Einarsens Aussagen sind vor allem unter dem Blickwinkel der tierquälerischen Delphinarienindustrie zu sehen, der es sehr daran gelegen ist, zu beweisen, daß Auswilderungsversuche von Walen und Delphinen nicht klappen. Siri Relling vom norwegischen Tierschutzbund schlug umgehend vor, den Fjord Keiko als Lebensraum zu überlassen, da er allemal besser als eine Rückkehr in Gefangenschaft wäre. Keikos Lebensgeschichte ist ein Drama. 1979 wurde der Wal im Alter von zwei Jahren vor Island von seiner Familie getrennt und gefangen. Die nächsten Jahre vegetierte der Orca von Menschen zu artwidrigen Kunststücken gezwungen in Delphinarien in Kanada bzw. Mexiko. 1993 kam er mit Free Willy Hollywood-Starruhm wider Willen. Eine starke internationale Bewegung erreichte schließlich, daß Keiko 1996 sein chloriertes Becken in Mexico City in Richtung US-Westküste verlassen durfte. Im Oregon Coast Aquarium von Newport fand die erste Phase seiner Rehabilitation statt. Danach wurde er nach Island zurückgeflogen, wo er ab 1998 im Training stand, um späterhin in Freiheit überleben zu können. 20 Millionen US-Dollars machte das Wiederauswilderungsprojekt aus. Der Erfolg war bisher mäßig. Dennoch soll dies kein Argument sein, Keikos Artgenossen weiterhin in Delphinarien zu belassen. Wale gehören in den freien Ozean, nicht in enge, parasitenverseuchte Planschbecken, umringt von lärmenden Menschenmassen. Weitere
Infos: http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=/ap/20020904/ap_on_re_eu/norway_keiko_2
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