Aphrodisiaka statt Abalonen – Meeresschnecken stehen vor der Ausrottung

Die Abalone gilt als die teuerste Meeresschnecke der Welt, da ihr Fleisch in China oder Japan als Delikatesse und Aphrodisiakum angesehen wird. Weltweit haben nur zehn Länder Abalone-Vorkommen. Die größten lagen noch vor drei bis vier Jahren vor der Südküste der Republik Südafrika (RSA). Mittlerweile steht diese Schneckenart dort – trotz Schutzstatus – vor der Ausrottung. Wilderer- und Schmugglerbande dezimieren die Bestände rapide.

Südafrikas Polizei hat daher "Operation Neptun"* gestartet, die weitangelegteste Polizeiaktion der letzten Jahre.  Alleine in den ersten vier Monaten wurden 321 Personen festgenommen und über 100.000 Abalonen sichergestellt. Bei der bisher größten Einzelsicherstellung fanden die Behörden 12.000 getrocknete Meeresschnecken im Wert von ca. 1,5 Mio. Euro. Eigens dafür wurde das erste Umweltgericht der RSA gegründet.

Dennoch scheint der Kampf kaum zu gewinnen. Die Banden sind professionell organisiert. Neben Tauchern, Fahrern und Kurieren stehen nicht zu selten auch Polizisten im Sold der Wilderermafia.  Wenn das Plündern gut läuft, sind pro Taucher bis zu 10.000 Euro in der Woche möglich, was dem Jahresgehalt eines südafrikanischen Arbeiters entspricht. Hohe Gewinne, die nur dadurch möglich sind, da in China oder Japan 1 kg Abalonen um bis zu 200,- Euro Verkaufspreis erzielt.

Das rücksichtslose Abfischen der Abalonen stört das ganze Ökosystem nachhaltig. Die Meeresschnecken (Gastropoden, Genus Haliotis), die zwischen Algen und Tang oft zu Tausenden wachsen, sind eine Art "Staubsauger" der Küste. Fehlen sie, versandet der Boden. Seesterne und Muscheln verschwinden und mit ihnen jene Tiere – wie Fische –, die sich von ihnen ernähren.

In früheren Zeiten entfernten Fischer nur die bis zu 18 Zentimeter großen erwachsenen Abalonen, heute werden auch 6,5 Zentimeter große dreijährige Schnecken entfernt, die sich noch nicht reproduzieren konnten. Langfristig führt dies natürlich zum Aussterben der Population.

Zwei Autostunden von Kapstadt liegt Gansbaai, weltweit als Hai-Tourismus-Zentrum bekannt. Abenteuerlustige können dort Käfige mieten und auf Tauschgang mit dem Weißen Hai gehen. Schätzungen der Polizei zufolge, geht jeder dritte Einwohner der Stadt dem illegalen Abalonehandel nach. Um das Problem zu verringern, gibt es in der RSA auch Zuchtfarmen für Abalonen. Drei Jahre lang bleiben die Meeresschnecken dort in Tanks, ehe sie getötet, ihr Fleisch getrocknet und verschifft wird. Australien hat bereits seit längerem solche Farmen.

Einem südafrikanischen Artenschützer zufolge würde sich die Abalonenpopulation erst nach zwanzig Jahren erholen, selbst wenn es gelänge, den Raubbau sofort zu stoppen. Traurige Perspektiven. Das Ende einer weiteren Tierart ist nahe.

Text: www.canis.info , Juli 2003

*Siehe Reportage des Senders Kabel 1, "Abenteuer Leben", 15. Juli 2003

Webtipp: http://seafood.ucdavis.edu/pubs/abalone.htm

 

 

 

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