Yellowstone - Ein Stück Garten Eden

Landschaft aus dem Märchenbuch

Über 3 US-Bundesstaaten erstreckt sich der 22 Millionen Acres umfassende Yellowstone National Park. Wyoming hat dabei den Löwenanteil, zu Idaho und Montana gehören Randregionen. Der ehemals vulkanisch aktive Boden ließ im Zentrum des Parks ein gewaltiges Kraterbecken ( Caldera ) entstehen. Eine wildromantische Landschaft aus kochenden Schlammlöchern, heißen Geysiren lockt jährlich Millionen Besucher. Eröffnet wurde der Nationalpark per Beschluß des amerikanischen Kongresses durch Präsidenten Ulysses Grant am 1. März 1872. Es war der erste Nationalpark weltweit.

Im Sommer des Jahres 1988 verwüstete ein Waldbrand 36% des Parks. Doch die vorübergehende Katastrophe erwies sich nachhaltig als Segen. Neuer, kräftiger Baumbewuchs entstand auf dem aschereichen, fruchtbaren Boden. Interessant ist die Tatsache, daß eine Form der Lodgepole-Pinie , des in Yellowstone vorherrschenden Baumes, extrem hohe Temperaturen benötigt, damit ihre Zapfen sich öffnen und den Samen vertreuen. Fast hat es den Anschein, als lenke eine weise Hand die Geschicke des Parks.

Sorge um "Onkel" Bison

Einst grasten 60 Millionen Bisons auf den Grassteppen der amerikanischen Prärie. Um die Indianer ihrer Nahrungsgrundlage zu berauben und den Eisenbahnbau voranzutreiben, wurde das Wildrind von den weißen Eroberern wahllos niedergemetzelt. Gerade noch 50 Bisons hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Yellowstone Zuflucht gefunden. Sie waren die letzten ihrer Art in den USA. Heute zählt das Land wieder 150.000 Bisons. Im Yellowstone Park lebten bis zum Winter 1995 3.500 

Büffel. Etwa 400 Tiere überstanden die kalte Jahreszeit nicht. Weitere 1.100 wurden erschossen oder notgeschlachtet. Der Grund : Verdacht auf Brucellose, eine Rinderepidemie. Obwohl die Übertragung der Seuche vom Bison auf das Hausrind nicht bewiesen war, hatte die Rancherlobby Montanas das Gemetzel initiiert. Ein Aufschrei der Öffentlichkeit war die Folge. Daraufhin wurde der Interim Bison Management Plan ausgearbeitet, der Alternativlösungen zum Töten der Tiere vorsieht. Wie ich selbst beobachten konnte, werden Bisons, die den Nationalpark verlassen, aus Sorge vor schießfreudigen Ranchers eigens mit Lastwagen zurückgekarrt. Das Verständnis für den Bison scheint gewachsen zu sein. Das Volk der Lakota nennt ihn pte , das heißt "Onkel" - und um Verwandte trägt man ja bekanntlich Sorge.

Bruder Wolf kehrt zurück

Vielen Indianernationen galt der Wolf als Bruder und spiritueller Begleiter, als Bindeglied zur Welt der Ahnen und Götter. Doch die Weißen hatten auch ihn an den Rand der Ausrottung gebracht. Heute ist Alaska der einzige US-Staat mit intakter Wolfspopulation. Das rief Biologen auf den Plan, den Wolf Recovery Plan ins Leben zu rufen, um den Wolf wieder anzusiedeln. Es wurden Gebiete ausgesucht, die reich an Beute sind und wo das Konfliktpotential zu Mensch und Herden gering ist. Auf Nordwest-Montana, Zentral-Idaho sowie den Großraum Yellowstone fiel die Wahl. 1995 war es soweit : 14 Wölfe aus der kanadischen Provinz Alberta 

wurden in den Yellowstone National Park überführt und an ihr neues Leben akklimatisiert. In Idaho kam es zur sofortigen Freisetzung von 15 weiteren Wölfen. Ein Jahr später fanden nochmals 17 kanadische Wölfe ( diesmal aus British Columbia ) ihren Weg nach Yellowstone. Zu Beginn des Jahres 1999 war die Zahl bereits auf 118 Wölfe oder 10 Rudel angewachsen. Eines davon, das 13 Tiere starke " Rose Creek Pack ", durfte ich selbst bei seiner Jagd beobachten. Damit ist um den vergleichbar geringeren Preis von US$ 6 Millionen die Wiederansiedlung einer bedrohten Spezies eindrucksvoll gelungen.

1926 Letzter Wolf im National Park erschossen.

1943 Letzter Wolf im Großraum Yellowstone getötet.

1973 Der Grauwolf ( Canis lupus ) wird in den USA durch den Endangered Species Act (ESA)    unter Schutz gestellt.

1995/96 31 kanadische Wölfe werden in den Park freigesetzt.

   

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