„Harry Potter“ hilft den Zauber der Urwälder zu bewahren

 

Die geistige Mutter des Zauberlehrlings „Harry Potter“, Joanne K. Rowling, ist Galionsfigur einer Initiative von SchriftstellerInnen , die es sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Bücher fortab nur mehr auf „waldfreundlichem“ Papier drucken zu lassen. Dieses soll einzig und allein aus nachhaltiger Baumwirtschaft bzw. durch Recycling hergestellt werden.

Gerade Bestseller in Millionenauflage – wie zuletzt „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ – trugen maßgeblich zur Abholzung ursprünglicher Wälder bei. Da mit weiter steigenden Auflagenexemplaren zu rechnen ist, hätte eine Beibehaltung der bisherigen Papiergewinnung katastrophale Folgen für biologisch einmalige Urwaldgebiete in Finnland, Kanada oder Südostasien gehabt.

Nachhaltige Forstwirtschaft wendet sich vom großflächigen Kahlschlag ab, setzt auf Zuchtbäume und kontrollierte Abholzung, so daß sowohl das Wildlife an Fauna und Flora als auch Völker, die vom und im Urwald leben, ihr Habitat nicht verlieren.

In Großbritannien wird diese waldfreundliche Idee von den LiteratInnen Charlotte Bingham, Ben Elton, Helen Fielding, Anne Fine, John King, John O'Farrell, Maggie O'Farrell, Philip Pullman, Ian Rankin, William Sutcliffe und Penny Vincenzi getragen.

Graham Lester George, Vorsitzender der britischen Schriftstellervereinigung, erklärte beim Launch der Kampagne am 3.Oktober im Londoner Grouch Club: „Wenn wir nicht jetzt handeln, wird es für unsere Enkelkinder zur schrecklichen Ironie, daß sie Bäume nur mehr von Bildern aus unseren Büchern kennen; aus Büchern, deren Papier für die Zerstörung dieser Bäume mit beitrug.“

In Kanada läuft bereits ein ähnlich umweltfreundliches Konzept, das von den AutorInnen Margaret Atwood, Michael Ondaatje, Yann Martell und Alice Munro angeführt wird. 

Joanne K. Rowling überredete Raincoast Books, ihren kanadischen Co-Publisher neben Bloomsbury, „Harry Potter“ nur mehr auf chlorfreiem Recyclingpapier zu drucken. In Anspielung auf ihre Buchreihe erklärte Mrs Rowling der kanadischen Leserschaft: „Der Wald von Hogwarts [1] ist Heimat vieler magischer Kreaturen wie Einhörner oder Zentauren. Da die kanadischen Editionen nun auf urwaldfreundlichem Papier gedruckt werden, helfen die ´Harry Potter`-Bücher mit, in der Muggle-Welt [2] wunderbare Wälder zu schützen, die Heim von solch magischen Tieren wie Orang-utan, Wolf oder Bär sind.“ Rowling verschmitzt weiter: „Es ist eine tolle Idee, alten Bäumen Respekt zu zollen, vor allem, wenn sie so ein Temperament wie die Whomping Willow [3] besitzen.“

Auch Tessa Vanserkop, Sprecherin des Raincoast Verlages, zeigte sich zuversichtlich: „Wir hoffen, daß die hohe Popularität der ´Potter`- Bücher hilft, Bewusstsein zu schaffen, wodurch auch andere Verleger an Bord geholt werden können.“

Harry Potter and the Order of the Phoenix“, das bisher letzte Abenteuer rund um den Jungen mit der Blitznarbe, ging alleine in Großbritannien 2,5 Millionenmal über die Ladentische. Hochrechnungen ergaben, daß bei einem Einzeltitel, der in dieser Höhe auf umweltfreundlichem Papier gedruckt wird, 89.200 Bäume nicht gefällt werden müssen und 105 Riesenpools mit Wasser gefüllt werden könnten. Außerdem komme es zu einer Reduktion von Treibhausengasen bzw. wird Energie eingespart, die einen durchschnittlichen Haushalt für 610 Jahre versorgen könnte.

© Text: Alexander Willer, www.canis.info , 11.10.03

Quelle: „The Guardian“, 03.10.03, © Photo: Reuters

Anmerkungen:

[1]: Hogwarts, die Zauberschule, die Harry Potter besucht

[2]: muggles: alle Menschen, die nicht aus einer magischen Blutlinie von Hexen und Zauberern abstammen

[3]: Whomping Willow, eine schlagkräftige, übelgelaunte Weide, in der Nähe des Schlosses von Hogwarts

 

 

 

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