FREIHEIT FÜR LEONARD PELTIER!  

Seit mittlerweile 25 Jahren sitzt der Lakota-Ojibwa-Aktivist Leonard Peltier im Hochsicherheitstrakt von Fort Leavenworth ein. Er wurde des Mordes an zwei FBI-Beamten bezichtigt, eine Tat, die er bewiesenermaßen nicht begangen hat. Trotzdem hält die US-Justiz an dieser Farce fest, wohl um an der indianischen Urbevölkerung ein sichtbares Exempel der Einschüchterung zu statuieren.  

Jetzt ist es an der Zeit, erneut für seine Begnadigung zu plädieren. Wenn auch die Wahl des neuen US-Präsidenten George W. Bush wenig Anlaß zur Hoffnung gibt, sollte im Sinne der Solidarität mit den in tiefster Armut, Tristesse und Benachteiligung lebenden Native Americans nichts unversucht bleiben. Leonard Peltier ist ihre Symbolfigur für Selbstbestimmung und einen neuen Umgang mit Natur und Mitgeschöpfen. Namhafte Prominente wie Nelson Mandela, Robert Redford oder Winona Ryder (Foto) zählen zu den Unterstützern der Freilassung Leonard Peltiers.

                                          

Zur Vorgeschichte

1890 richtet die US-Kavallerie in Wounded Knee ein Gemetzel an Indianern an. Mehr als 300 Lakota - großteils Alte, Frauen und Kinder - werden massakriert. Damit war der Kampfgeist der Native Americans für Jahrzehnte unterdrückt. Ein Dahinvegetieren in Reservationen begann. 1973 gewinnt das Dorf in South Dakota erneut an Bedeutung. Die US-Regierung und private Firmen planen, im Reservat nach Bodenschätzen zu schürfen. Die Lakota wollen ihre heiligen Stätten vor Raubbau schützen und leisten von Februar bis März Widerstand. Nur 300 Indianer der Traditionalistenbewegung American Indian Movement (AIM) stehen Hubschraubern und Granatwerfern der US-Armee gegenüber. Vorerst kommt es zu keiner Gewalteskalation und die Entscheidung über die Schürfrechte wird vertagt. Doch unter der Hand nimmt der Terror auf die Bewohner des Pine Ridge-Reservates zu. Unterstützt von der Bundespolizei FBI, dem staatlichen Indianerbüro BIA und vom korrupten Stammesrat schüchtert der "Apple" (außen rot, innen weiß) Dick Wilson mit seiner Schlägertruppe GOON die Bewohner von Pine Ridge ein. Über 60 Traditionalisten werden ermordet. In keinem der Fälle gab es eine polizeiliche Untersuchung, die diesem Namen gerecht worden wäre. Sogar in Fällen, in denen weiße Täter bekannt waren, kam es zu keiner Anklage. Peltier und andere AIM-Aktivisten stehen den unterdrückten Bewohnern oft als einzige Hilfe zur Seite.

Die Schießerei auf Pine Ridge

Am 26.Juni 1975 verhandelt der berüchtigte Stammesratsvorsitzende Dick Wilson - ohne rechtliche Grundlage - in Washington, D.C. über den Verkauf eines Achtels der Reservation an die USA. Gleichzeitig tauchen die beiden FBI-Agenten Jack Coler und Ron Williams im Pine Ridge-Reservat auf, angeblich um einen Jungen zu suchen, der ein paar Stiefel gestohlen hatte. Die Einschüchterungswelle hatte ihren Kamm erreicht. Als die FBI-Männer einen Wagen mit AIM-Aktivisten aufspürten, eröffneten sie das Feuer, das erwidert wird. 30 AIM-Männer greifen in das Gefecht ein - und auch das FBI wurde überraschend schnell verstärkt. Alles sah nach inszenierter Provokation aus. Am Ende der Schießerei waren ein Indianer sowie die besagten Agenten Coler und Williams tot. Das FBI suchte dringend Schuldige und veröffentlichte eine willkürlich zusammengestellte Fahndungsliste mit fünf Verdächtigen. Vier der Suspects mußten 1976 wieder freigelassen werden. In der Urteilsbegründung fanden sich überraschende Formulierungen wie "Fehlverhalten des FBI" und Selbstverteidigung der Indianer".

Die Prozeßfarce

Übrig blieb Leonard Peltier, der nach Kanada geflohen war. Er sollte als Sündenbock herhalten. Mittels gefälschter Unterlagen erreichten die USA Peltiers Auslieferung. Eine Indianerin wurde während des Verfahrens mit Morddrohungen eingeschüchtert, um Peltier zu belasten. Entlastende Zeugenaussagen wurden dagegen nicht zugelassen. Sein Prozeß im rassistisch gesinnten Fargo, North Dakota, statuierte ein Exempel, um den Widerstandsgeist der Indianer erneut zu brechen. Am 18.April 1977 wird Peltier zu zweimal lebenslänglich verurteilt und ins Hochsicherheitsgefängnis von Marion, Illinois, eingeliefert. Dort ordnet ein FBI-Agent dem ebenfalls einsitzenden Indianer Robert H. Wilson an, Peltier zu einem Fluchtversuch zu überreden, bei dem er "neutralisiert" werden sollte. Doch Wilson ist fasziniert von Peltiers Persönlichkeit, weigert sich, den Auftrag auszuführen, ändert seinen "weißen" Namen in "Standing Deer" und setzt sich ab nun für die Rechte der inhaftierten Indianer ein. Peltier wird weiterverlegt, bis er in Fort Leavenworth, Kansas, landet, wo er bis 2041(!) abzusitzen hat.

Schwebender Rechtsstreit

Mittlerweile kam auch der Ballistikbericht des FBI-Experten Evan Hodge ans Licht der Öffentlichkeit, der besagt daß: "kein Zusammenhang zwischen der angeblich von Peltier benützten Waffe und den am Tatort gefundenen Patronenhülsen besteht." Seit 1985 geben FBI- und Polizeivertreter zu, daß sie definitiv nicht wissen, wer die beiden Kollegen erschossen hatte.  Selbst der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark sowie der Richter Gerald Heany treten für Peltiers Freilassung ein. Heany geht sogar soweit, von einem längst überfälligen "Wiedergutmachungsverfahren" zu sprechen. Weitere prominente Unterstützer sind Nelson Mandela, Jesse Jackson, Robert Redford, Whoopi Goldberg, Oliver Stone oder Peter Gabriel.

Peltiers Botschaft

Leonard Peltier fühlt sich nicht als Bürger der USA: "Unser geheiligtes Land ist besetzt, daher sind wir alle Gefangene". Trotzdem predigt er keinen Haß gegenüber den weißen Usurpatoren. "Wir gehören alle zur Familie der Menschheit. Mitakuye Oyasin - Wir sind alle verwandt. Wir teilen die Verantwortung für unsere Mutter, die Erde, und für all jene, die auf ihr atmen und leben." Leonrad Peltier sieht die Grundlage des zwischenmenschlichen Umganges sowie in dem zur Natur im Respekt begründet. Respekt vor der Vielfalt. Er wurde zum Symbol gegen die Ausbeutung des Bodens, der Zerstörung der Mitwelt, der Wahrung der Menschenrechte.*

Was ist zu tun?

Jeder US-Präsident hat das Recht durch einen Act of Executive Clemency, Verurteilte zu begnadigen. Daher ist es gerade jetzt opportun auf George W. Bush, der ohnehin um die zukünftigen Stimmen der Minderheiten buhlt, Druck auszuüben. Schreibt alle an: The White House, 1600 Pennsylvania Ave., Washington, D.C. 20500, USA. Unterstützungserklärungen, Briefe, Spenden etc. an: Leonard Peltier Defense Committee, P.O.Box 583, Lawrence, KS 66044, USA. Act now!!! Mitakuye Oyasin!  

Leonard Peltier darf auch persönlich Post empfangen:         
USPL, Leonard Peltier #89637-132
P.O. Box 1000 Leavenworth, KS 66048
(U.S. postal money orders, photos-not
Polaroid, and paper back books can be sent.)

*Literatur: Leonard Peltier, Mein Leben und mein Sonnentanz - Gefängnisaufzeichnungen, erschienen im Verlag Zweitausendeins , ISBN: 3-86150-324-7

   

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