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Transmutation: Das Zauberwort der Atomindustrie
An einer neuen Methode zur Beseitigung radioaktiven Mülls arbeiten die Wissenschafter der Atomindustrie. Das Zauberwortwort heißt Transmutation, ein Begriff, der schon mittelalterlichen Alchimisten auf der Zunge lag, wenn es darum ging, niedrige Metalle zu Gold zu veredeln oder den Stein der Weisen zu generieren. Den gelehrigen Männern scheint dies niemals geglückt zu sein, nun versuchen ebenso gelehrige Experten durch Elektronenbeschuss unerwünschte Stoffe einfach zum Verschwinden zu bringen? Moderner Illusionismus oder harte Wissenschaft? Der Theorie zufolge scheint alles ganz einfach: Mit Teilchenbeschleunigern wird ein Protonenstrahl auf Blei abgefeuert, das daraufhin Elektronen freisetzt, die den Nuklearabfall wandeln, sprich transmutieren. Technetium-99 mit einer Halbwertszeit von 200.000 Jahren wird durch Hinzufügung eines weiteren Elektrons dieser Art zu Technetium-100 und löst sich mit Halbwertszeit von 15,8 Sekunden praktisch im Nu in nichts auf. Selbst das gefürchtete Plutonium kann mit Transmutation in andere, weniger gefährliche Elemente verwandelt werden. Die praktische Umsetzung des scheinbar einfachen Prinzips erwies sich bisher allerdings als langwierig. Seit über 30 Jahren liegen Pläne vor, die bisher zu komplex für eine Realisierung waren. Wie Der Standard (26.01.99) berichtete sind zwei Konkurrenzanlagen in Arbeit. Zum einen der Accelerator Driven Energy Amplifier ersonnen vom Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf; zum anderen Accelerator Driven Transmutation of Waste (ATW), ein US-amerikanisches Projekt, bei dem auch russische Atom-U-Boot-Bauer ihre Erfahrungen mit Bleib betriebenen AKWs miteinbringen. Eine weitere Arbeitsgruppe von Nuklearphysikern arbeitet zudem eng mit der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) in Wien und der Nuklearenergie Agentur (NEA) der OECD in Paris zusammen.
Hat diese Technologie Erfolg, könnten Milliarden Euros und Dollars für die kostspielige Wiederaufbereitung von Plutonium (etwa im französischen La Hague oder britischen Sellafield) eingespart werden. Zudem macht eine Wiederaufbereitung Plutonium ja nicht weniger gefährlich, was eine Transmutation schon täte. Der große ethische wie risikoreiche Nachteil der Transmutation besteht darin, daß, wenn sie einmal technisch einigermaßen realisierbar ist, mit einem Bauboom von neuen AKWs zu rechnen ist, wobei jedes einzelne jederzeit ein enormes Gefahrenpotential per se darstellt. Text: TRV CANIS, www.canis.info, Juni 2003
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