New Mexico: Weißes Gold gegen schwarzer Ruß

Zuni-Indianer im Streit gegen Energiekonzern

Sechzig Meilen südlich des Zuni Pueblo im US-Bundesstaat New Mexico liegt der Zuni Salzsee, benannt nach der gleichnamigen Indianernation. Wenn im Sommer das Wasser verdampft, bilden sich am Boden des Gewässers Salzschichten, die von den Zuni und anderen Natives der Region abgetragen und für rituelle Zwecke bzw. für den täglichen Gebrauch verwendet werden. Seit fünf Jahren hat der im Nachbarstaat Arizona ansässige öffentliche Konzern SPR (Salt River Project) ein begehrliches Auge auf das Gebiet rund um den Salzsee geworfen, von dem die Indianer sagen, daß er Heimat der göttlichen Salt Woman ist. Die Energiefirma möchte in nur 11 Meilen Entfernung eine Kohlenmine erschließen. In den Medien wie vor Gericht ist ein hitziger Streit darüber ausgebrochen. Legitime Rechte der Natives sowie ein einmaliges Ökosystem sollen wieder mal kurzfristigen Wirtschaftsinteressen geopfert werden.

Heimstätte der Gottheit

Ma´l Oyattsik´i lautet ihr Name bei den Zuni, Salt Woman auf Englisch. Diese Gottheit soll im Salzsee beheimatet sein. Ein Glaube, der fest in der spirituellen Weltsicht der Pueblovölker verankert ist. Wie mit Nabelschnüren sind daher die umliegenden Zuni-Dörfer durch heilige Wege mit dem See verbunden, der nichts geringeres als das Fleisch der Göttin symbolisiert. Auf diesen Routen marschieren die Stammesmitglieder zum Salzsammeln; neben den Zuni auch Hopi, Acoma, 

Laguna, ja sogar Navajos und Apachen. Seit Jahrhunderten gilt ein 185.000 Acre großes Territorium rund um den See als Sanktuarium, eine Zone, in der es untersagt ist, kriegerische Auseinandersetzungen zu führen.  Dieses Sanctuary (oder A:shiwi A:wan Ma´k´yay´a dap an´ullapna Dek´ohannan Dehyakya Dehwanne) beinhaltet auch Grabstätten der Natives, ebenso wie Schreine oder archäologische Ausgrabungsstellen. Ganz ohne Konflikt treffen sich hier Mitglieder sonst mitunter verfeindeter Indianernationen.

Polit- und Rechtsstreit

1985 gab die amerikanische Regierung den See sowie 5.000 Acre in unmittelbarer Umgebung zurück an die Zuni. Kurz darauf wurde allerdings auch SRP erlaubt, im Sanktuarium mit vorbereitenden Arbeiten und Studien zu beginnen. Konkret geht es um 8.000 Acre Fläche hinsichtlich der Fence Lake Kohlenmine. Der Konzern erhielt 1996 vom Bundesstaat New Mexico die Fördergenehmigung; die Bundesgenehmigung aus Washington steht allerdings noch aus. Allerdings ist die dafür zuständige konservative republikanische Innenministerin Gale Norton eher auf Seiten von SRP; symptomatisch für die umweltfeindliche Politik der Bush-Administration. Die gesetzlichen Verordnungen für Minenabbau auf dem geleasten Land eines Bundesstaates besagen, daß mit dem Abbau im dritten Jahr einer 5jahres-Genehmigung begonnen werden muß. 1999, also im dritten Jahr nach Gewährung, wurde diese Frist ohne Einbeziehung der Zuni auf 12.Juli 2001 gestreckt. Das gab SRP mehr Zeit, um in Washington Lobbying für eine federal permit zu betreiben. Im Oktober wollte das Innenministerium (Departement of the Interior, DIO) bereits zustimmen, machte aber aufgrund massiver öffentlicher Kritik einen Rückzieher.

Gefahr für Grundwasser und Umwelt

Kurioserweise liegen innerhalb des DIO zwei untergeordnete Agenturen im Konflikt miteinander. Das für Indianerangelegenheiten zuständige Bureau of Indian Affairs (BIA) legte eine environmental impact Studie vor, die das Minenprojekt aus Gründen der Umweltunverträglichkeit ablehnt. Denn SRP plant, 85 Gallonen Wasser/Minute aus einem dem See nahegelegen aquifier zu pumpen, was das subtile Gleichgewicht von Wasser und Salz sehr wahrscheinlich zum Kippen bringen könnte. Auf der Gegenseite argumentiert die Agentur Office of Surface Mining (OSM), daß dieser Wasserablaß keine negativen Auswirkungen auf das Ökosystem hätte. Hinzu käme noch die Belastung von Luft und Wasser durch Kohlestaub und andere Partikel sowie die Zerschneidung des heiligen Landes durch Eisenbahnschienen und Straßen.

Was kann getan werden?

Die Zuni fechten derzeit die Erteilung der Fördergenehmigung durch den Staat New Mexico an. Die Anwälte der Indianer formulierten dies so: „The Salt River Project cannot justify the massive environmental injuries, cultural dislocations and desecrations of sacred Native American sites by showing an authentic need for the Fence Lake coal reserves“ („The New York Times“, 10.6.2001). Demnach stehen Umweltzerstörung, kulturelle Entwurzelung und Entweihung heiliger Stätten in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis für Kohleförderung. SRP weist hingegen darauf hin, daß die Vorräte der McKinley-Mine bei Gallup, Arizona, bis zum Jahr 2005 erschöpft sein werden, was die Erschließung einer neuen Förderstätte notwendig mache. Fence Lake Mine soll die Energieversorgung für die nächsten 50 Jahre gewährleisten; immerhin vermutet man im Zuni-Land 80 Millionen Tonnen Kohle. Kurzfristig kann dieser kurzsichtige Ausbeutungsplan primär durch Verhinderung einer Bundesgenehmigung bekämpft werden. Langfristig hat das Gebiet um den Zuni Salt Lake nur dann eine Chance, wenn die Region samt dem Sanktuarium ins Register der Nationalen Historischen Stätten aufgenommen wird.

Schreiben und Proteste an:

Secretary Gale Norton (Innenministerin), U.S. Departement of the Interior, 1849 C. Street N.W., Washington, D.C., 20240, USA
Gary Johnson, Governor of New Mexico, Office of The Governor, State Capitol, Santa Fe, New Mexico 87503, USA
Neal A. McCaleb, Assistant Secretary for Indian Affairs, U.S. Departement of the Interior, 1849 C. Street N.W., Mail Stop 4140 – MIB, Washington, D.C. 20240, USA

Weitere Informationen: www.sacredland.org

Der Tierrechtsverein CANIS bittet um zahlreiche Protestschreiben aus aller Welt, um den Druck auf die amerikanischen Beamten und Politiker zu erhöhen und das Volk der Zuni in seinem Kampf um Rechte und Umweltschutz zu unterstützen. Es geht nicht nur darum, daß Kojoten, Wölfe und Pumas weiterhin durch New Mexicos heilige Stätten streichen, sondern auch daß das weiße Gold weiterhin gesammelt und der schwarze Ruß in Luft, Wasser und Lungen verhindert werden kann. Act local, think global!

© Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS

 

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