Saskatchewan: Indianer wildern Adler

Viele nordamerikanische Indianerkulturen verehren den Adler als Boten zwischen dem Menschen und dem Großen Schöpfer. Seine zwölf langen Schwanzfedern und andere Körperteile spielen in spirituellen Zeremonien und Feiern eine wichtige Rolle. Und genau das wird vielen Adlern zum Verhängnis; sie werden zum begehrten Jagdobjekt der Natives, was jüngst ein Fall in der kanadischen Provinz Saskatchewan belegt.

Dave Harvey, Direktor der Naturschutzbehörde SERM (Saskatchewan Environment and Resource Management): „Daß Adler wegen ihrer Federn, ihres Schädels  oder ihrer Krallen geschossen werden, ist ein Problem, das in ganz Saskatchewan besteht“. 

Aufgrund der verschiedenen pow wows* herrscht rege Nachfrage nach Körperteilen des Adlers.  Jedes Jahr, so Harvey, bringt seine Behörde fünf bis sechs Fälle zur Anzeige, die sich um das unerlaubte Töten der Greifvögel oder den unerlaubten Besitz von Adlerteilen drehen.

Aktuelles Beispiel: Im Frühjahr 2001 hatten SERM-Beamte den Tipp erhalten, daß wieder einmal ein Adler getötet worden wäre und sich nun im Gebiet von Turtleford befinde. Der Hinweis stellte sich als richtig heraus, die Spur führte direkt zur Thunderchild First Nation. Der Häuptling der „Donnerkinder“, Delbert Wapass, Michael Wapass sowie eine dritte Person wurden angezeigt. Am 13.März 2002 erklärten sich Delbert und Michael Wapass vor dem Provinzgericht in St. Walburg schuldig, durch den Besitz der Adlerteile gegen das Wildlife-Gesetz von Saskatchewan verstoßen zu haben. Beide mußte jeweils $ 870,- Dollars sowie einen Zuschlag von weiteren $ 130,- bezahlen. Die Anklage gegen die dritte Person wurde fallengelassen.

Die Wilderei auf die selten gewordenen Adler floriert, obwohl es für Mitglieder der First Nations durchaus legale Wege gäbe, an die begehrten Zeremonialfedern zu gelangen. Aber nicht immer bilden Tradition und Religion den Hintergrund, oft steckt Geschäftemacherei hinter dem Adlermord. Denn die Federn des geflügelten Götterboten bringen am Schwarzmarkt einige Hundert Dollars ein.

Darlene Speidel vom Indianischen Kulturzentrum Saskatchewan (SICC) hört diese Anschuldigungen nicht gerne: „Unsere Leute haben vor Tieren – dem Adler im Speziellen – großen Respekt“. Kryptisch ergänzt sie: „Hinzugehen und ihn nur aus bloßen materialistischen Gründen abzuschießen, würde Konsequenzen mit sich ziehen, die wir zu zahlen hätten.“

Frei nach Kim McNairn in „Saskatoon Star Phoenix“, 22.3.02

* Pow Wow: Traditionelle Stammestreffen der First Nations mit Zeremonien, Tanz, Gesang, Tausch

Mag. Alexander Willer, www.canis.info

 

 

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