Maori/Neuseeland: Whale Rider” (Filmrezension)

 

1985 saß der Autor Witi Ihimaera in seinem New Yorker Apartment und beobachtete, wie die Behörden mit Helikoptern und Schiffen versuchten, einen verirrten Wal aus dem Hudson River in das offene Meer zu treiben. Das inspirierte den Maori-stämmigen Literaten zum Roman „Whale Rider“, der in seiner Heimatstadt Whangara, an der Ostküste Neuseelands, angesiedelt ist. In nur drei Wochen hatte er das Werk fertig geschrieben.

Im Hintergrund des Plots steht Paikea, der mythische Vorfahre aller östlichen Maori. Von der alten Heimat Hawaiki war er aufgebrochen, um neue Inseln zu entdecken. Nachdem sein Boot in den Stürmen des Ozeans gesunken war, rette ihm ein Wal das Leben und trug Paikea auf seinem Rücken nach Neuseeland. Von da an haben die direkten Nachfahren des „Walreiters“ die Häuptlinge in der Region Whangara gestellt.

Das Movie „Whale Rider“, basiert auf Ihimaeras Roman. Es beginnt im Neuseeland der Gegenwart mit der Geburt von Maori-Zwillingen. Der Junge sollte zum neuen Häuptling herangezogen werden, doch er stirbt bei der Entbindung. Das Mädchen überlebt und erhält den Männernamen Paikea. Von Kindheit an ist sie der Tradition ihres Volkes verbunden, lernt im Geheimen kultische Gesänge und Stockkampf, beides Vorrecht der Maorikrieger. Ihr Großvater, ein engstirniger Traditionalist, lehnt Paikea ab. In seinen Augen ist es nicht nur unwürdig, wenn ein Mädchen sich anschickt, die Häuptlingsausbildung zu machen, es ist geradezu ein Tabubruch, eine Lästerung.

Film und Roman nehmen eine dramatische Wendung als eine Walfamilie am Strand vor Whangara strandet. Für den Großvater ein böses Omen; für das Mädchen die Möglichkeit, endlich ihrer Abstammung gerecht zu werden. Trotz größter Anstrengungen gelingt es den Maori nicht, die an den Strand geschwemmten Wale zurück in den Ozean zu hieven. Der Showdown gehört der kleinen Paikea, und eine Maori-Version des „King Lear“-Themas steuert dem Ende zu.

Der Film lebt nicht nur von der dichten, kohärenten Handlung und der überzeugenden Darstellungskraft der SchauspielerInnen, sondern vor allem durch seine Aussagekraft. „Whale Rider“ zeigt die Problematik indigener Ethnien in der modernen westlichen Gesellschaft, schildert ihre traditionelle Verbundenheit zu Tieren (in diesem Fall Walen), und greift die Benachteiligung von Frauen in patriachalen Strukturen auf.

„Whale Rider“ gewann nicht nur beim bekannten Sundance Filmfestival, sondern auch Publikumspreise bei zahlreichen anderen Veranstaltungen, darunter in Toronto, Seattle, San Francisco, Rotterdam und Maui.

Der Soundtrack stammt von der ehemaligen „Dead Can Dance“-Künstlerin Lisa Gerrard.

© Text: www.canis.info , 30.09.03

Webtipp: www.WhaleRider.de

siehe auch Buchrezension: www.canis.info/oekologie/natives_whalerider_buch.htm

 

 

 
 

 

 

 

 

 

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