Golf von Mexiko: „Todeszone“ durch Überdüngung

 

Agrarabwässer des Mississippi

Der Mississippi ist der längste Strom Nordamerikas und das Herz der USA. Rund um diesen Flußgiganten liegen die bedeutendsten Landwirtschaftszonen des Landes. So etwa der „Brotkorb Amerikas“, das Illinois Basin im nördlichen Mittelwesten. 52% der US-Farmen sind im Mississippi River Basin angesiedelt. Diese riesigen Agraranlagen werden natürlich mit Unmengen von Düngungsstoffen bewirtschaftet, die einerseits das Grundwasser schädigen, andererseits im Frühjahr – nach Schneeschmelze und Einsetzen der Regen - durch den Mississippi stromabwärts in den nördlichen Golf von Mexiko gelangen, wo sie verheerende Wirkung zeigen. Erst im August oder September, wenn tropische Stürme oder Hurrikans einsetzen, löst sich der Giftteppich wieder auf.

Eutrophikation und Hypoxische Zone

In seinem Mündungsdelta ergießt der Mississippi Millionen Kubikmeter an mit Düngemitteln verunreinigtem Wasser in den Golf von Mexiko. Dort bleibt das wärmere Flußwasser auf dem kälteren Meereswasser wie eine Decke liegen. Wenn die Intensität der Sonneneinstrahlung und damit die Temperatur zunimmt, setzt – ausgelöst durch den im Dünger reichlich enthaltenen Stickstoff - ein rasantes Wachstum an Algen und Phytoplankton ein, durch das die Wasseroberfläche in einem großen Areal bedeckt wird (= Eutrophikation). Algenreste und Fäkalien des Planktons sinken 

in tiefere Gewässer, wo sie von Bakterien gefressen werden, die dafür sehr viel Sauerstoff benötigen, der den anderen Meereslebewesen dann fehlt. Sinkt der O2-Anteil auf unter 2mg/Liter H2O, spricht man von Hypoxie. In einer hyoxischen Zone sterben fast alle bodenbewohnenden Lebewesen wie Krabben, Shrimps, Seesterne, Seeschnecken oder Muscheln. In besonders argen Fällen ist der Meeresgrund von Schichten stinkiger schwefeloxidierender Bakterien schwarz bedeckt.

Folgen der Hypoxischen Zone

Nicht alleine die Meeresbodenbewohner sterben, auch Fische, die nicht schnell genug das Gebiet verlassen. Das bedeutet einen hohen Todeszoll an aquatischem Leben, wie eine markante Reduzierung der Artenvielfalt.
Auch die Fischereiindustrie der USA, die zu über 40% im Golf von Mexiko erntet, erleidet Milliardenverluste. Der Fang ist entweder tot oder geht durch Abwanderung durch die Netze.
Durch die Zunahme von Cyanobakterien, Mikro- bzw. Dinoflagellanten entsteht HAB (harmful algal bloom) - in der Umgangssprache wegen der Wasserverfärbung auch Red Tide (Rote Flut) genannt. HAB-Algen produzieren Neurotoxine, die sich z.B. in Krebsen ablagern und sogar Wale oder Menschen töten können, wenn diese verseuchte Meerestiere essen.

Wegen dieser Auswirkungen wird das betroffene Wassergebiet Gulf of Mexico Dead Zone bezeichnet. Beobachtet wurde der Todesteppich erstmals in den frühen 1970ern. 1999 erreichte mit über 20.000 Quadratkilometern seine bisher größte Ausdehnung. Trat er früher alle zwei bis drei Jahre auf, entsteht er mittlerweile jährlich.

Lösungsvorschläge

Hypoxische Zonen entstehen überall dort, wo das Meereswasser durch Stickstoff stark verunreinigt wird, wie in der New Yorker Bucht, an der Chesapeake Bay, im Baltikum oder in Gebieten der Adria. Selbst das Great Barrier Reef im Norden von Australien ist durch Düngungsausflüsse der Zuckerrohrplantagen von Queensland bedroht. Auch das Schwarze Meer war über Jahre betroffen, erholt sich aber seit dem Zusammenbruch der Sowjet-Agrarindustrie. Der Kattegat vor Dänemark erlebte durch ähnliche Phänomene ein Massensterben an Fischen, worauf die dänische Regierung zur Tat schritt. Einerseits revitalisierte man Naßland, das als natürlicher Stickstoffspeicher dient, andererseits zahlte man Prämien an die Bauern, die den Einsatz von Düngern reduzierten. Auch Otto Doering, Professor für Agrarökonomie an der University of Purdue, plädiert für das Anlegen von Naßländern entlang der Mississippi-Wasserscheide sowie für einen Verzicht der Felderdüngung im Herbst. Das würde nach seinen Berechnungen den Stickstoffausfluß um 20% eindämmen. Nancy N.Rabalais vom Louisiana Universities Marine Consortium setzt die Reduktionszahl höher ein: 40%-50% muß verringert werden, um auf das Level vor 1950 zu kommen, wo die Wasserqualität noch stimmte. Kurz vor Ende seiner Amtszeit legte Präsident Clinton einen Plan vor, nachdem die Dead Zone auf 5.000 Quadratkilometer verkleinert werden würde. Der US-Kongreß wird in bälde darüber entscheiden.

 

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