Pentagon-Report über nahende Klimakatastrophe

Vom Pentagon, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, war ein Report in Auftrag gegeben worden, der die Auswirkungen des Klimawandels auf die nationale Sicherheit der USA zum Inhalt hatte. Vier Monate lang konnte das beunruhigende Ergebnis geheim gehalten werden, nun sickerten die Daten zur britischen Wochenzeitung „The Observer“ wie auch zum US-Wirtschaftsblatt „Fortune“ durch. Kernaussage des Reports: Die Folgeerscheinungen einer drohenden Klimakatastrophe „übersteigen“ für die Vereinigten Staaten die „Gefahr des Terrorismus bei weitem“.

Verantwortlich für den Report zeichnet der 82-jährige Andrew Marsall, seines Zeichens nicht nur langjähriger Berater des Pentagons, sondern auch Mastermind hinter Verteidigungsminister Donald Rumsfelds Plänen zur Umstrukturierung der Streitkräfte; ein Vertreter des konservativen Establishments also. Und auch die Autoren des Papiers können gewiss nicht als Untergangspropheten der Umweltbewegung verunglimpft werden, ganz im Gegenteil, beide Männer wurden vom Militär handverlesen. Peter Schwartz ist Konsulent der CIA und zudem ehemaliger Planungschef des Ölmultis Shell. Doug Randall zählt zum Global Business Network in Kalifornien. Beide empfehlen dem Pentagon, den Klimawandel „unverzüglich“ als politisch-militärisches Top-Thema zu behandeln. Die Conclusio der Strategen: „Ein abrupter Klimawandel könnte den Planeten an den Rand der Anarchie treiben. Die Staaten könnten die nukleare Abschreckung vorantreiben, um ihre schwindenden Ressourcen an Nahrung, Wasser und Energie zu verteidigen.“

Die klimatischen, politischen und sozialen Folgen eines Klimawandels würden nicht nur die USA bedrohen, sondern vor allem auch Europa. Zentrales Element des Katastrophenszenarios ist der Golfstrom. Durch die ständige Erwärmung der Atmosphäre, so die Vorhersage des Reports, ändert sich die Dynamik dieser unterseeischen Strömung, die von der Karibik gewaltige Mengen Warmwasser Richtung britische Inseln pumpt. So bleibt das westeuropäische Klima gemäßigt, die Winter fallen selten kälter als –10 Grad Celsius aus. Fließt der Golfstrom nicht mehr bis England, sondern nur mehr bis zu den Azoren, kippt das Klima in ganz Europa. Die Niederschläge verringern sich um ein Drittel, die Windstärke nimmt hingegen um bis zu 15 Prozent zu. Europa wird zum Kontinent der Winde, die Kältezone schiebt sich immer weiter nach Süden, eine „kleine Eiszeit“ droht.

Fakten über den Golfstrom

Der Golfstrom ist ein marines Förderband, das etwa 50 Millionen Kubikmeter Wasser in der Sekunde transportiert, dreißigmal so viel wie alle Flüsse der Erde zusammen. Er entsteht durch die Passate. Der Südostpassat treibt Warmwasser aus den Tropen nach Norden Richtung Karibik und Golf von Mexiko. Der Nordostpassat schiebt die Äquatorialströme in dieselbe Region; es kommt zu einem gewaltigen Warmwasserstau, der eben als Golfstrom nach Norden abfließt. Zuerst entlang der Ostküste der USA und dann quer über den Atlantik bis zu den britischen Inseln, wo er sich gabelt. Ein Teil ergießt sich in den Ärmelkanal, ein anderer strömt westlich an England vorbei bis Norwegen, ein dritter noch weiter westlich bis Island. Im Südosten reicht er bis zu den der westafrikanischen Küste vorgelagerten Azoren. 

 

Der Golfstrom ist Garant dafür, daß es im Nordatlantik um einige Grad wärmer ist als in breitenmäßig vergleichbaren Gebieten des Pazifiks; in Norwegen sogar um bis zu 20 Grad Celsius. Der Golfstrom weist einen hohen Salzgehalt auf und trägt eine tiefblaue Farbe, was ihn optisch klar von kalten grünlichen Gewässern (z.B. Labradorstrom) abhebt. Er ist ein Oberflächenstrom mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 50 Kilometer und einer Tiefe von 300 Metern. Vom Orbit ist der Golfstrom auf Satellitenaufnahmen klar zu erkennen.

Die Vorhersagen im Konkreten:

-) Schon bis 2007 könnten heftige Orkane weiter Teile der Niederlande unbewohnbar machen und zu Überflutungen führen.

-) Bis 2020 könnten die Temperaturen in Großbritannien im Durchschnitt um 3 Grad sinken.

-) Teile der Ost- und Nordsee gefrieren

-) „Mitteleuropa“ verschiebt sich klimatisch weit nach Süden. Im jetzigen Mitteleuropa herrschen hingegen nordeuropäische Temperaturen.

-) Öl und Nahrung werden knapp. Viele Staaten verteidigen ihre Ressourcen durch nukleare Abschreckung. Kriege um Rohstoffe werden zur Regel, Flüchtlingsströme in bisher nicht gekanntem Ausmaß drängen in die reichen Staaten. Die USA und Europa werden zur „Festung“, machen die Grenzen strikt dicht.

„Klimapolitik“

Im Wahlkampfjahr 2004 ist ein Report mit dieser erschreckenden Aussage für Präsident George W. Bush  natürlich  mehr als unwillkommen. Bush weigert sich weiterhin das Kyoto-Klimaschutzprotokoll zu ratifizieren, weichte in seiner Amtszeit zahlreiche Umweltauflagen auf und hat ein langjähriges Naheverhältnis zur petrochemischen Industrie.

Vergangene Woche trat dann auch die Union of Concerned Scientists an die Öffentlichkeit und beschuldigte Präsident Bush in ihrem 38-seitigen Report, die Öffentlichkeit „bewußt irregeführt“ zu haben. Demnach soll die Bush-Administration unliebige wissenschaftliche Erkenntnisse „systematisch unterdrückt“ und Ausschüsse mit unqualifizierten Parteigängern beschickt haben. Diese „Vereinigung Besorgter Wissenschafter“ gilt als unparteiisch und genießt guten Ruf, da u.a. zwanzig Nobelpreisträger in ihren Reihen zu finden sind.

Doug Randall bezeichnet den Pentagon-Report als „deprimierende Sache“ und warnt davor, daß es ohnehin schon zu spät sein könnte, das zukünftige Desaster zu verhindern: „Niemand weiß, wo wir uns gegenwärtig befinden. Alles kann schon morgen beginnen und keiner würde vor weiteren fünf Jahren draufkommen.“

Der bekannte Meeresforscher Hans Hass bringt es auf den Punkt: „Entweder der Mensch ordnet sich in das globale Gefüge ein oder er schädigt alles Leben auf der Welt irreparabel.“ (News)

Text: www.canis.info , 01.03.04

 

Quellen:

-) http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&cid=1521&e=2&u=/afp/britain_us_environment

-) „News“ 09/04

-) „Der Standard“, 24.02.04

 

 

 

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