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Die "Jahrhundertflut" Folge der Umweltzerstörung oder natürliche Kapriole? Teil
I: Donau - Moldau - Elbe Im Laufe der vergangenen vierzehn Tage wurden weite Teile Mitteleuropas von einer "Jahrhundertflut" heimgesucht. Flüsse traten aus den Ufern und richteten enorme Verwüstungen an. Während die Wissenschaft sich uneins über die Ursachen des Desasters ist, verloren mindestens 89 Menschen ihr Leben, Hunderttausende wurden vorübergehend obdachlos. Unzählige Tiere ertranken in den Fluten und der Schaden an historischem Kulturgut und Infrastruktur ist kaum zu bemessen. CANIS möchte die Katastrophe tiefer beleuchten und vor allem der Frage auf den Grund gehen, inwieweit sie durch menschliche Umweltzerstörung ausgelöst wurde gewissermaßen als logische Folge unserer Unvernunft im Umgang mit dem natürlichen Lebensraum oder ob sie eine vom Menschen unabhängige zyklisch auftretende Kapriole der Natur ist.
Donau In Österreich ist vor allem das Donaugebiet samt den Zuflusszonen betroffen. Am schlimmsten erwischte es dabei die Regionen um den Kamp (Niederösterreich; Bild 1), um die Enns (Oberösterreich) sowie im Bezirk Rohrbach entlang des Inn an der Grenze zu Bayern. Historische Städte wie Melk oder Steyr standen großteils bis zum Hauptplatz unter Wasser. Und auch in der Mozartstadt Salzburg nahm der Pegel der Salzach seit 1899 den höchsten Stand an. Das erst frisch in Betrieb genommene Ausflugsschiff Amadeus kenterte vor Anker. Die Bundeshauptstadt Wien blieb trotz des höchsten Wasserstandes seit 1954 bis auf wenige kleinere Überflutungen in direkter Donaunähe weitgehend verschont. Weiter donauabwärts hatte die Bevölkerung der slowakischen Hauptstadt Bratislava sowie der ungarischen Metropole Budapest genügend Vorwarnzeit, um mit Sandsäcken oder prophylaktischen Evakuierungen dem Ärgsten vorzubeugen.
Weit weniger günstig entwickelte sich die Lage in der nördlich gelegenen Tschechischen Republik. Entlang der Moldau (Vltava) kam es zu schlimmen Verwüstungen. Das südböhmische Cesky Krumlov, dessen Altstadt als UNESCO-Welterbe ausgegeben ist, steht fast zur Gänze unter Wasser. Laut Zuzana Bluh, Sprecherin der tschechischen Botschaft in London, ist es zweifelhaft, ob viele der mittelalterlichen Gebäude den Schaden aushalten.1 Und auch Vladimir Vihan, Vizebürgermeister der Hauptstadt Prag klagt über das Flutunheil, das vor allem das historische Mala Strana-Viertel betroffen hat, wo sehr viele Gebäude auf Sand errichtet sind. (Bild 2) Sobald die Wasser der Moldau zurückweichen, wird auch der Sand mitgeschwemmt; Hohlräume entstehen unter den Häusern, denen dadurch der Einsturz droht.2 Im Prager Zoo, der ebenso unter Wasser stand, ertrank der Elefant Kadir; ein Nashorn konnte per Kran rechtzeitig geborgen werden. (Bilder 3, 4) Viele Straßen und Bahnlinien sind unterspült. Präsident Vaclav Havel richtete bereits einen internationalen Hilfsappell, um Gelder für den Wiederaufbau zu lukrieren. EU-Kommissions-Präsident Romano Prodi sicherte eine Hilfe von 2 Milliarden Kronen (etwa 65 Millionen ) zu. Nördlich von Prag, wo die Moldau in die Elbe mündet, ist die Verwüstung durch die Wassermassen noch weit ärger. Schauspieler Sean Connery, der zu Dreharbeiten in Tschechien weilt, befürchtet: Ich weiß nicht, ob die Welt überhaupt die Tragweite des Desasters realisiert.3
Elbe In
der Bundesrepublik war anfangs Bayern am Schwersten betroffen. Die
Donaustadt Passau glich einer Lagune. Gegenden um Inn und Isar litten
ebenso unter Überflutungen. In weiterer Folge entstanden in denn neuen
Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg noch weit stärkere
Wasserschäden. Dresden, wegen seiner gotischen Baudenkmäler als
Florenz des Nordens betitelt, glich eher einer schaurigen Attrappe
von Venedig. Der weltberühmte Zwinger Palast (in dem die Gemäldegalerie
gerade noch in höhere Etagen gerettet werden konnte; Bild 4) war ebenso von
Elbwasser umgeben wie die erst kürzlich um horrende Summen restaurierte
Semper Oper. Nach offiziellen Angaben wird der Schaden an der historischen
Bausubstanz in Dresden ärger eingeschätzt als nach den
britisch-amerikanischen Bombardements im II. Weltkrieg. Die Elbe war von
einem durchschnittlichen Sommerniveau von etwa 2 Metern auf 9,16 Meter
gestiegen; höher als im Rekordjahr 1895 (8,77 m). 100.000 Menschen waren
stundenlang ohne Stromversorgung, Tausende verloren ihr Heim durch die
Wassermassen.4 Weiter nördlich mußten die 15.000 Bewohner der
Stadt Bitterfeld vorsorglich evakuiert werden, da nicht auszuschließen
war, daß das lokale Chemiewerk leck geht, und Tonnen hochtoxischer Stoffe
durch die Elbe verbreitet werden. Die konservative Union CDU/CSU nutzte
das Flutchaos gleich zu absurder Wahlpropaganda und pries die
umweltfreundliche Atomkraft, die im Unterschied zu kalorischen
Kraftwerken keine klimaschädlichen Emissionen mit sich bringt.5
Globale Wettereskapaden Abgesehen von Mitteleuropa spielt das Wetter auch anderswo am Globus verrückt. In der Toskana kam es durch schwere Regenfälle ebenso zu Überflutungen wie im weit entfernten Mexiko. Heftiger Dauerregen sorgt in den chinesischen Provinzen Hunan und Yunnan für Zerstörung; dasselbe gilt für Gebiete im angrenzenden Vietnam.6 Verwüstung auch in Indien: Katastrophenschutzminister N. Manghi Singh sprach von den schlimmsten Überflutungen seit 20 Jahren. Die Zerstörungen im nordöstlichen Bundesstaat Manipur bezeichnet er als verheerend.7 Im Nachbarland Bangla Desh trat der Fluß Jamuna aus den Ufern und überströmte Dutzende Dörfer. Und auch in Nepal herrscht Hochwasserchaos. Was sind die Ursachen für diese Regen- und Überschwemmungskatastrophen? Für Mexiko, Indien, Vietnam oder China mag manch einer das viel gescholtene El Niño-Phänomen verantwortlich machen, das von der Küste Ostafrikas über Südasien bis zur Küste Lateinamerikas in unregelmäßigen Abständen für Wettereskapaden sorgt. Aber so weit in der nördlichen Hemisphäre wie in Mitteleuropa müssen wohl andere Gründe ursächlich sein. Erhalten wir nun die Rechnung des Ökosystems für unseren rücksichtslosen Umgang mit ihm präsentiert? ENDE TEIL I ©
A. Willer/CANIS Quellenangaben: 1,
3: europe.cnn.com vom 16.8.02 2:
http://examiner.ie/pport/web/world/Full_Story/did-sgRU48E007Eno.asp
4:
http://in.news.yahoo.com/020816/64/1tun1.html
5:
Kronen Zeitung, 18.8.02; 3 6:
Kurier, 18.8.02; 8 7: Der Standard, 16.8.02; 10 Fotos:
© AP Weitere
Lesetipps zum Thema auf unserer Seite: www.canis.info/klima/jahrhundertflut2.htm www.canis.info/klima/elnino.htm
www.canis.info/klima/klimaeins.htm www.canis.info/klima/klimazwei.htm
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