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Hanford, USA: Bau an größtem Nuklearmüllkomplex beginnt
Hanford,
Südosten des Bundesstaats Washington Inmitten einer staubigen
Buschsteppe, nur 10 Kilometer entfernt vom Columbia River, soll die größte
Nuklearsäuberungsanlage der Vereinigten Staaten entstehen. Hanford war
während des II. Weltkriegs als Produktionsstätte des
US-Waffenplutoniums errichtet worden. Der Höhepunkt der
Nuklearstoffherstellung war in den 1960-ern erreicht, als neun Reaktoren
im Einsatz waren. Jegliche Waffenproduktion ist nach Ende des Kalten
Krieges zu Beginn der 90-er eingestellt worden. Nun hat die Stätte den
Auftrag, nuklearen Abfall aufzuräumen, sicher zu verwahren sowie neue
Technologien zu entwickeln bzw. anzuwenden, um dadurch zur ökonomischen
Diversifikation der Region, sprich zur Arbeitsplatzschaffung
beizutragen.
Kernprojekt
der Hanford nuclear reservation ist eine neue Entsorgungsanlage,
deren Bauarbeiten nach einem Jahrzehnt des Hin und Her zwischen
skeptischen Lokalpolitikern und euphorischen Beamten des
Energieministeriums nun eingesetzt haben. Nach dem Dafürhalten vieler
Experten keineswegs zu früh, weisen doch mindestens 67 der in Hanford
gelagerten 177 unterirdischen Tanks, die voll mit radioaktiver Brühe
sind, Verwitterungserscheinungen auf. Boden und Grundwasser im Umkreis
der Anlage sollen bereits schwer kontaminiert sein. Nun soll mit dem
vier Milliarden Dollars teuren Bau eines Müllbehandlungskomplexes (waste
treatment complex) das größte Umweltaufräumprojekt der USA
anlaufen. Läuft alles nach Plan, beginnt 2005 der Testlauf mit
nicht-radioaktivem Müll und 2007 das hot testing für
atomaren Abfall. Bis 2028 sollen 99% des derzeit in Hanford aufbewahrten
Abfalls sicher umgewandelt worden sein, so der ambitionierte Plan.
Zum
technischen Procedere: Der radioaktive Abfall, der bei der Produktion
von Plutonium entsteht, wird in leichter handhabbaren Glaszylindern
endgelagert werden. Bei diesem Vorgang, Vitrifikation genannt, wird der
Nuklearmüll mit glasformenden Materialien vermischt und bei 2.000 Grad
Fahrenheit zu Glas geschmolzen, das dann in Spezialkanister gepackt
wird. Das leicht radioaktive Material wird im 1.465 km2
weiten Umfeld von Hanford in unterirdischen Gräben gelagert, das hoch
radioaktive soll nach Yucca Mountain, Nevada, die größte Atommüllagerstätte
der Welt, verfrachtet werden, wo es Jahrzehntausende Zeit zum Verfall
hat. Allerdings
liegen die Probleme wie so oft im Detail. Über das genaue Wie der
Vitrifikation gibt es innerhalb des Energieministeriums noch keine
klaren Richtlinien. Ein zweites Problem stellt die von offizieller Seite
geplante Reklassifizierung vieler Stoffe in leicht radioaktiv dar.
Es wird befürchtet, daß Etikettenschwindel betrieben werden könnte.
Etwa so, daß umdeklarierte radioaktive Abfälle nicht nach Yucca
Mountain befördert werden, sondern an Ort und Stelle bleiben: durch
extrem heißen Dampf in eine Katzenstreu ähnliche Substanz umgewandelt.
Das Natural Resources Defense Council sowie zwei Indianerstämme haben
das Energieministerium deswegen bei einem Bundesgericht in Idaho
angeklagt.
Offiziell
hat sich das Energieministerium ja verpflichtet, die indigenen Völker
im voraus bei Projekten zu kontaktieren, um Stammesrechte oder befürchtungen
zu berücksichtigen. Nach einem Vertrag von 1855 haben die Nez Perce,
die Yakima sowie die Vereinigten Stämme der Umatilla Reservation als
vom Bund anerkannte Nationen berechtigtes Interesse an dem Gebiet rund
um Hanford. Den Wanapum, obwohl von der Zentralregierung in Washington,
D.C. nicht offiziell anerkannt, wird aufgrund ihrer kulturellen
Verbindung zur Region ebenfalls Konsultationsstatus eingeräumt.
Allerdings haben die Anliegen der First Nations im Vergleich zu den
Interessen der nationalen Sicherheit meist dach Nachsehen. Aber
vielleicht gelingt es hier, einem nach US-amerikanischen Recht so
wichtigen Präzedenzfall zu schaffen, der das Lagern hoch radioaktiver
Stoffe in Hinkunft nicht mehr so leicht gestattet. Text:
A. Willer/CANIS Quellen:
-)
Linda Ashton (Associated Press) in:
http://story.news.yahoo.com
vom 20.9.2002 -)
Offizielle Seite des Energieministeriums: www.hanford.gov/doe/inp/progsum.htm
-)
Native Americans and the Environment: www.cnie.org/nae/toxics.html
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