Alaska: Die Exxon Valdez-Katastrophe

 

Vor mehr als zehn Jahren - am 24.März 1989 - lief der Supertanker Exxon Valdez im Prince William Sund auf ein Riff. Die Folge: eine Ölpest in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß. Noch heute leidet das Ökosystem unter diesem Oil Spill. Der Häuptling eines indigenen Volkes bezeichnete jenen schicksalhaften 24.März als "Tag, an dem das Wasser starb". Nicht zu Unrecht. Gegen vier Uhr Früh läuft der 214.000 Tonnen-Tanker Exxon Valdez auf das Bligh Reef vor der

Westküste Alaskas. Kapitän Joseph Hazelwood war zu diesem Zeitpunkt nicht auf der Brücke und höchstwahrscheinlich alkoholisiert. Auch verfügte der Tankerkoloß über keinen doppelten Boden. 42.000 Tonnen Öl flossen so ungehindert ins Meer bzw. wurden an den Strand gespült, und dort als eine für Tausende Lebewesen tödliche Emulsion (Mousse) abgelagert. Insgesamt wurden etwa 1.500 Kilometer Küstenregion kontaminiert.

Tiersterben

30.000 Seevögel, 1.000 Seeotter, 300 Robben, 250 Seeadler und 13 Orcas starben nur wenige Tage nach der Tankerhavarie. Spätere Schätzungen bezifferten die Gesamtzahl der Opfer sogar auf 250.000 Vögel und 2.800 Otter. Schwer in Mitleidenschaft wurde auch der einstmals reiche Fischbestand vor Alaska gezogen. Vor allem Hering und Lachs reagieren auf Ölkonzentrationen im Wasser sehr empfindlich. Und bis heute steigt Öl immer wieder aus dem Boden des Sunds auf; Biologen sprechen dabei von "Ölminen". Fischer beklagen einen Rückgang des Heringfanges um 75% und des Lachsfanges um 50%. Wirklich erholt hat sich zwölf Jahre nach dem Unglück nur der Bestand des Weißkopfseeadlers, alle anderen Arten leiden noch immer an Spätfolgen.

Exxons Gegenoffensive

Der Ölgigant Exxon, zu dessen Flotte das havarierte Schiff zählte, begann unmittelbar nach dem Oil Spill mit einer 2,2 Milliarden US-Dollar intensiven Aufräumaktion. Dabei wurde zwar medienwirksam, aber oft wenig sensibel vorgegangen. Beispielsweise kam moderne Hochdrucktechnik zum Einsatz, die zwar die Felsen oberflächlich vom Ölschlick säuberte, diesen dafür fein verteilt ins Meer beförderte. Auch das Mousse unter den Steinen und am Meeresboden interessierte wenig. Da in den USA kurzfristig eine wahre Boykottstimmung gegen den Konzern aufflammte, zahlte er 300 Millionen Dollars an Entschädigungen und eine eine weitere Milliarde als Strafe. Ausständig bleiben weiterhin fünf Milliarden Dollar, die 30.000 Fischer im Jahre 1991 erstritten. Exxon sperrte die Summe hochverzinst auf einem Konto, um sie erst dann auszubezahlen, wenn sie durch ihre Zinserträge quasi wettgemacht ist. Kapitän Hazelwood wurde vom Dienst suspendiert und zu einer läppischen Strafe von 1000 Stunden Umweltarbeit - aufgeteilt auf fünf Jahre - verdonnert.

Damoklesschwert Ölindustrie

Als unmittelbare Folge auf den Exxon Valdez Oil Spill erließ die US-Regierung im August 1990 den Oil Pollution Act (OPA 90). Dieses Gesetz gibt in 41 Artikeln Richtlinien für Prävention, Milderung, Aufräumarbeit und Haftung bezüglich Ölkatastrophen. Mehr als 17 Milliarden Dollars investierte die Ölindustrie bisher, um dem OPA zu entsprechen. Trotzdem hängt die Gefahr weiterer Katastrophen wie ein Damoklesschwert über Alaska, wie folgende Aspekte klarmachen:

 

Bis 2015 dürfen weiterhin Tankschiffe ohne doppelten Boden in den Prince William Sund einfahren, lediglich mit der Auflage begleitender Lotsenschiffe. Nebenbei sei erwähnt, daß der Katastrophentanker Exxon Valdez unter dem neuen Namen SeaRiver Mediterranean nun im Mittelmeer schiffert.
Die Trans-Alaska-Pipelinie von Prudhoe Bay nach Valdez mit einer Länge von 1.285 Kilometern ist über zwanzig Jahre alt und bedarf einer Überholung.

An der nördlichen Polarküste soll im Naturschutzgebiet "1002 Area" nach neuem Öl gebohrt werden. Dabei ereignete sich erst im Februar 2001 auf einer Förderstätte des Konzerns BP bei Prudhoe ein neuerlicher Oil Spill, bei dem zwischen 5.000 und 9.700 Gallonen Öl ausflossen. Ein größeres Desaster blieb nur aus, weil die Schneedecke gerade sehr dicht war und den Großteil des Öls band.

 

Hinsichtlich dieser Gefahren erscheint der Greenpeace-Slogan: "No drill, no spill" (Keine Bohrung, keine Verschmutzung) der einzig effiziente.

 

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