Dänemark: Ölteppich in der Ostsee

In der Nacht zum 30.März 2001 rammte der zypriotische Zuckerfrachter „Term“ den unter der Flagge der Marshall-Inseln fahrenden Öltanker „Baltic Carrier“ nordwestlich der deutschen Halbinsel Darß. Der Öltanker lag aufgrund eines Motorschadens dort kurzfristig vor Anker und konnte von der „Term“ erst zu spät ausgemacht werden.

Falle Kadetrinne:  

Schlechte Sicht und hoher Seegang mögen bei der Kollision der beiden Schiffe eine Rolle gespielt haben. Letztendlich ist es aber sicher kein Zufall, daß der Zusammenstoß in der Kadetrinne geschah, einem berüchtigten nur ein Kilometer breiten Schifffahrtsnadelöhr, in dem es immer  wieder zu Vorfällen kommt. Das liegt vor allem daran, daß passierende Schiffe sich weder bei der deutschen Küstenwache melden müssen, noch vom Radar in Rostock 

erfassbar sind. So geschah es, daß die „Term“ im rechten Winkel auf die „Baltic Carrier“ auffuhr und ein über zehn Meter großes Loch in den Rumpf bohrte.

Ölteppich:

Durch den Aufprall entwichen 2.700 Tonnen schweres Heizöl in die Ostsee. Der Besatzung der „Baltic Carrier“ gelang es ein noch größeres Unheil zu verhindern, indem Öl aus beschädigten Tanks rechtzeitig in intakte Behälter umgepumpt worden war. Von Vorteil ist sicher auch die Tatsache, daß die „Baltic Carrier“ ein modernes, ein Jahr altes Schiff mit doppeltem Rumpf ist. Trotzdem beträgt die Ausdehnung der einzelnen Ölteppiche in Summe 15 Seemeilen. Aufgrund des heftigen Südwindes trieb die Schliere nicht in Richtung der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, wo einzigartige Vogelschutzgebiete liegen. Betroffen ist hingegen Dänemark. Vor allem den Inseln Møn und Falster droht eine nachhaltige Katastrophe, die nicht nur Touristen ausbleiben lassen, sondern auch dem Ökosystem einen schweren Schlag versetzen wird. Über 2.000 Meeresvögel starben bisher an der verschlierten Ölmasse. Abträglich ist auch, daß das Wasser der Ostsee weit weniger Salz enthält als etwa das des offenen Atlantiks, was den Selbstreinigungsprozeß erschwert.

Die Zukunft?

In den letzten Jahren nahm die Schifffahrt durch die Kadetrinne stark zu. Ursächlich dafür ist die Ausfuhr russischen Öls über St. Petersburg bzw. über baltische Häfen. Damit sind in Hinkunft weitere Ölunfälle zu befürchten. Um diese Gefahr einigermaßen zu minimieren, erscheint es unumgänglich, für die Kadetrinne-Wasserpassage eine funktionierende Radarüberwachung samt Lotsensystem zu etablieren. Der WWF erhebt Forderungen dieser Art schon seit Jahren.

 

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