|
||||||
|
Gigantomanie im Reich der Mitte: Größter Staudamm der Welt - Umweltschäden unabsehbar
Drei-Schluchten-Damm läuft langsam an Nach fast einer Dekade Bauzeit wurden am 1.Juni erstmals die Schleusentore des Drei-Schluchten-Damms geschlossen, um sein Wasserreservoir aufzufüllen. Dieses weltgrößte Dammprojekte mit einer Länge von 630 Kilometern (entspräche etwa der Strecke Wien Frankfurt) liegt in Zentralchina, am Jangtsekiang, dem drittgrößten Fluß der Erde (ca. 6.300 km Länge). Alleine die Schiffsschleuse ist 6,4 Kilometer lang. Das Bauwerk selbst wird eine Höhe von 185 Metern erreichen. Innerhalb von nur zwei Wochen wird der Pegel im Stausee um 65 Meter steigen. Im August 2003 beginnen bereits zwei der geplanten 26 Siemens-Turbinen mit der Stromerzeugung. Nach der Fertigstellung im Jahr 2009 soll das Drei-Schluchten-Kraftwerk 18,2 Millionen Megawatt Elektrizität erzeugen, das entspricht in etwa der Leistung von zehn großen Kohlekraftwerken. Damit sollen die boomende Millionenmetropole Schanghai samt acht Provinzen in Zentral-, Ost- und Südchina versorgt werden. Kommunistisches Prestigeprojekt 1993 war das 21,3 Milliarden Euro teure Prestigeprojekt des damaligen Regierungschefs Li Peng, einem gelernten Stromingenieur, nur unter harscher Kritik durchgeboxt worden. Ein Drittel der Delegierten hatte im Volkskongress entweder dagegen gestimmt oder sich der Stimme enthalten ein für ein kommunistisches Land erstaunliches Votum. Der Hauptgrund dürfte in der Umsiedlung von 1,13 Millionen Menschen gelegen haben, die ihr Land praktisch zwangsweise verlassen mußten, um dem Stauwasser zu weichen. 400.000 weiteren ChinesInnen droht dasselbe Schicksal. Nicht nur ganze Dörfer samt ihrem traditionellen Leben gehen unwiederbringlich verloren, China verliert mit der Flutung des malerischen Drei-Schluchten-Gebietes einen der wichtigsten Tourismusmagneten des Landes. Umweltdesaster droht Im Gebiet des Staudammreservoirs liegen Mülldeponien, Fabriken mit Altlasten, Schlachthäuser und Zehntausende Gräber. Nach der Flutung gelangen all deren Schadstoffe in den Jangtsekiang. Da durch die Stauung des Flusses sich seine Fließgeschwindigkeit verringert, steht zu befürchten, daß die toxischen Materialen sich vor dem Damm anhäufen und die Region Yichang (Provinz Hubei) zu einer Giftkloake verkommen lassen. Der Jangtsekiang ist schon jetzt hochgradig verseucht. Alljährlich gehen 4,4 Milliarden Kubikmeter Abwässer, 6,7 Millionen Tonnen Haushaltsmüll sowie 10 Millionen Tonnen Industrieabfälle ungeklärt in den Fluß. Die chinesische Regierung plant 39 Milliarden Yuen (etwa 4 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2009 zu investieren, um bei Überflutung zumindest die ärgste Wasserverschmutzung zu verhindern. Der Gesamtimpakt auf das Ökosystem ist kaum absehbar. Einige Arten wie der ohnehin gefährdete Jangtse-Delphin werden höchstwahrscheinlich aussterben. Eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes droht bei einem Bersten des Drei-Schluchten-Damms, der in einer tektonisch instabilen Region liegt. Die danach entstehende 100 Meter hohe Sturzwelle würde Millionen Menschen in den Tod reißen.
Doch für die Machthaber in Peking zählt vorerst nur der kurz- und mittelfristige ökonomische Nutzen. Neben der gewaltigen Stromleistung soll durch das Stauprojekt den jährlichen Überschwemmungen Einhalt geboten und der Jangtsekiang schiffbarer gemacht werden. Eine gewaltige wirtschaftliche Belebung wird an die Wand gezeichnet. Dabei ist weder sicher, ob der bereits technisch veraltete Monsterdamm wirklich jene hoch geschraubten Energieerwartungen bewältigen wird können; noch, ob die Häfen in der Region überhaupt in der Lage wären, einen so ansteigenden Schiffsverkehr zu bewältigen. Den über eine Million Umgesiedelten droht die Verelendung in städtischen Slums. Aber China ist wirtschaftlich die aufsteigende Macht schlechthin und am Weg nach oben sind für das kommunistische Zentralregime Menschenrechte und Umweltfragen bloße Störfaktoren. Text:
TRV CANIS, www.canis.info, Juni
2003
|
||||||