Erin Brockovich: Oscarprämierter Umweltkampf

Einen Oscar erhielt der von Regisseur Steven Soderbergh in Szene gesetzte Hollywood-Streifen „Erin Brockovich“. Gleichnamige Anwaltsgehilfin, dargestellt von Julia Roberts, deckte in jahrelanger Kleinarbeit einen riesigen Skandal um verseuchtes Grundwasser auf und zwang so einen milliardenschweren Energiegroßkonzern zur Auszahlung der höchsten Vergleichssumme der US-Justizgeschichte.

Verseuchte Wüstenoase

1992 entdeckt die Anwaltsgehilfin Erin Brockovich bei der Durchsicht von Grundstücksakten per Zufall Papiere, die aufzeigen, daß bei den Bewohnern des Städtchens Hinkley immer wieder Blutkrankheiten und Krebs auftreten – und zwar in einer alarmierend hohen Rate. Auf Eigeninitiative stieg Brockovich in ihren Wagen und fuhr in die etwa 200 Kilometer nordöstlich von Los Angeles – inmitten der Mojave Wüste – gelegene Stadt, um der Sache nachzugehen. Gespräche mit den Einwohnern führten sie auf die Spur des Energiekonzerns Pacific Gas & Electric (PG&E), der nahe Hinkley ein Gaskraftwerk betrieb. Zur Kühlung des Gases kam hexavalentes Chrom zum Einsatz, das ohne Rücksicht ins Grundwasser entsorgt worden war. Dieses „Chrom VI“ bewirkte nicht nur schwere genetische Anomalien bei Fröschen oder Haustieren, sondern verursachte auch eine Vielzahl von Krankheiten bei den Einwohnern von Hinkley. Von chronischem Nasenbluten, über Asthma, schweren Organ- oder Blutschäden bis zu diversen Krebsarten und Fehlgeburten reichte das Horrorszenario.

333 Millionen Dollars Schadensersatz  

Erin Brockovich überzeugte ihren Boss Ed Masry, im Namen der Geschädigten von Hinkley Klage gegen PG&E einzureichen. Es war ein Kräftemessen David gegen Goliath, eine kleine Anwaltskanzlei trat gegen den Energiemulti Pacific Gas & Electric an. 1996 war es soweit. Masry erhielt für die 652 Kläger aufgrund der von Brockovich gesammelten erdrückenden Beweise von PG&E 333 Millionen US-Dollars an Schadenersatz; die höchste Vergleichssumme der US-Justizgeschichte. Für viele durch das „Chrom VI“ verseuchte Menschen kam das Geld zu spät, entweder sie waren schon tot oder aber 

todkrank. Andere erhielten aber so wenigstens die Chance, die hohen Operations- und Behandlungskosten für ihre schweren Leiden bezahlen zu können. Außerdem war ein wegweisender juristischer Präzedenzfall gesetzt worden.  

Der Kampf geht weiter

Durch den Kinofilm aufmerksam gemacht, wandten sich ehemalige Mitarbeiter von PG&E aus den nordkalifornischen Kettleman Hills an Brockovich und Masry. Sie behaupten, ihr Grundwasser wäre von den 1950ern bis 1970ern ebenfalls durch „Chrom VI“ einer nahegelegenen Gaskompressionsanlage kontaminiert worden, was zu vielen Krebserkrankungen und Todesfällen geführt hatte. Insgesamt 1.500 Kläger (ehemalige PG&E-Firmenangehörige, deren Familien sowie betroffene Farmer) reichten im November 2000 eine weitere Hundertemillionendollar-Klage gegen den Energiekonzern und seinen „Chrom VI“-Zulieferer Betz Laboratories, Inc. ein. PG&E hatte schon zu erkennen gegeben, den Rechtsstreit zu verschleppen. Immerhin spielt die Zeit auch hier wieder gegen die Opfer, von denen viele den Prozessausgang nicht mehr erleben werden. Aber immerhin gelang es, durch die Verfilmung des Themas zumindest mehr Gerechtigkeit walten zu lassen – insofern ist der Oscar hoch verdient.

 

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