Brasilien: Weltgrößte Bohrinsel gesunken

 

Am Nachmittag des 20.März 2001 versank im Campos Basin - nordöstlich von Rio de Janeiro - die weltgrößte Bohrinsel P-36 in den Fluten des Atlantik. Am 15.März hatten mehrere bisher ungeklärte Explosionen die Ölförderplattform schwer ramponiert; alle in den darauf folgenden Tagen unternommenen Stabilisierungsversuche durch die Betreiberfirma Petrobras scheiterten.

Ölteppich droht

 

Bei dem Unglück kamen elf Menschen ums Leben, neun gelten als vermißt, 175 konnten evakuiert werden. Petrobras errichtete um die Sinkstelle zwei riesige Barrieren im Umkreis von 500 Metern und entsandte acht Spezialschiffe, die insgesamt 2,2 Millionen Liter Rohöl aufnehmen könnten. Trotzdem ist die Gefahr für die nur 120 km entfernte Küste der Bundesstaaten Rio de Janeiro und Espirito Santo keinesfalls gebannt. An der Stelle, wo die Plattform unterging, ist der Atlantik bis zu 1400 Meter tief - und je weiter das Wrack 

sinkt, desto größer wird der Wasserdruck. Es ist zu erwarten, daß die Förderbehälter bersten und 1,5 Millionen Liter Rohöl sowie 1.200 Kubikmeter Diesel ins Meer entweichen. Das wäre nicht nur für Meeresfauna- und Flora eine Katastrophe, sondern auch für die hochsensiblen Mangrovenwälder entlang der Küste, die durch lecke Pipelines im vergangenen Jahr ohnehin schon in arge Mitleidenschaft gezogen worden waren. Einer solchen Bedrohung soll mit dem Einsatz von Chemikalien vorgebeugt werden. Diese Substanzen binden Öl und bringen es zum Absinken auf den Meeresgrund, was freilich ebenfalls einem ökologischen Desaster gleichkommt. Außerdem könnten die Chemikalien sicher nicht den gesamten Ölteppich stoppen.

Prestigeprojekt P-36

Erst im Mai 2000 war die weltgrößte Ölplattform P-36 nach einem Investitionsaufwand von 400 Millionen US-Dollars (6,1 Milliarden Schilling) fertiggestellt worden. Mit einer Tagesfördermenge von 84.000 Barrel Erdöl und 1,3 Millionen Kubikmeter Erdgas stellte P-36 Brasiliens Hoffnung dar, bis 2005 von ausländischen Ölimporten unabhängig zu sein. Sabotage als Grund der Explosionen ist daher nicht auszuschließen, ebenso wenig wie Schlamperei mit System, wie die nächstfolgende Chronologie vermuten ließe.

Serie von Katastrophen

Petrobras steht einmal mehr im Zentrum vehementer Kritik, denn seit Beginn des Jahres 2000 häuften sich die Ölkatastrophen des Konzerns. Am 18.Januar traten 130.000 Gallonen Rohöl aus einer lecken Pipeline aus und verseuchten die Bucht von Guanabara bei Rio. Knapp drei Wochen darauf, am 7.Februar, verliert ein veraltetes Schiff im Amazonasgebiet 1,5 Millionen Liter Öl, das sich im Flußbett ablagerte. 16.Juli: Wieder bricht das Rohr einer Pipeline und läßt in zwei Stunden eine Million Gallonen Rohöl in den Barigui, einen Nebenfluß des Iguaçu. Das TV zeigte, wie sich ein völlig geschwärzter Fluß durch die Landschaft wand. Auch die weltberühmten Iguaçu-Wasserfälle waren bedroht. Am 25.Juli gab es das nächste Leck, das wiederum die Guanabara-Bucht mit einer Ölpest überzog. Für Greenpeace sind diese Vorfälle Zeichen eines völligen Desinteresse seitens Petrobras, was Umweltschutzvorkehrungen betrifft.

 

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