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Botswana:
Buschmännern wird der Wasserhahn abgedreht Seit vielen Jahrtausenden durchstreifen Afrikas Ureinwohner in kleinen Sippen das Gebiet von Angola bis zum Kap der Guten Hoffnung. Das kleinwüchsige Volk ist unter vielen Namen bekannt. Die Europäer nennen sie Buschmänner oder Hottentotten. Wissenschaftlich sind sie als Khoisan oder nur San bekannt. In Botswana heißen sie offiziell Basarwa. Einzigartig sind nicht nur ihre Felszeichnungen und ihre mit Klicklauten durchsetzte Sprache, sondern das enge Leben mit der Natur; und nicht gegen sie. Von weißen Kolonialisten wie schwarzen Eroberern gleichermaßen wurden die Buschmänner sukzessive in die unwirtlichsten Gebiete des südwestlichen Afrikas abgedrängt. Nun sollen sie sogar von dort aus der Wüste Kalahari weichen. Diamanten zählen eben mehr als Menschenrechte. 1997 leitete die Regierung Botswanas ein großes Umsiedelungsprogramm für die Basarwa ein. Als Lockmittel galten Schlagworte wie freies Siedlungsgebiet, Weideflächen, kostenloser Transport oder Kompensation für verlorene Besitztümer. Viele Basarwa sollen den Verheißungen freiwillig gefolgt, andere mit Drohungen und Gewalt dazu genötigt worden sein. Die Zahl der Umzügler belief sich zwischen 2.200 und 2.500. In der Praxis glich das gelobte Land trostlosen Camps mit enormer Armut und hohem Alkoholismus. Repression, Deportation, Relokation von dieser Politik ist Botswanas Regierung nicht abgekommen. Im August 2001 wurde beschlossen, mit 31.Januar 2002 den etwa 500 bis 700 im Central Kalahari Game Reserve (CKGR) verbleibenden Basarwa alle Unterstützungen zu streichen. Dies beinhaltet Nahrungsrationen, medizinische Versorgung, Transport der Kinder in Schulen und in einem letzten Schritt das Einstellen der Wasserversorgung. Offiziell wird damit argumentiert, daß die dafür jährlich aufgewendeten 55.000 Pula ( 9.000) dafür zu teuer kämen; ein Hohn in Anbetracht der Tatsache, daß Botswana nicht nur einer der reichsten Staaten der Region ist, sondern über riesige Diamantenvorkommen verfügt. Diamanten dürften auch der Schlüssel zum Verstehen der Repressionspolitik sein, denn im CKGR werden weitere Vorkommen vermutet, deren Abbau Unsummen bringen könnte. Was zählen dabei die konstitutionell verbrieften Rechte von ein paar Hundert Basarwa? Die in London ansässige Organisation zur Unterstützung von Naturvölkern, Survival International (SI), spricht von einem rassistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Central Kalahari Game Reserve wurde 1961 extra dafür geschaffen, um den Basarwa ihre Lebensweise als Jäger und Sammler weiterhin zu ermöglichen. Eine Lösung für das Problem könnte in einem Angebot der Europäischen Union liegen, die 14 Millionen Euro investieren möchte, damit im CKGR und angrenzenden Gebieten eine Zone mit Wildlife Management und Öko-Tourismus entstehen könnte, wobei die Basarwa im Speziellen die Stämme der Gana und Gwi integriert wären. Bisher hat Botswanas Regierung noch keine Entscheidung getroffen, wie mit dem EU-Angebot verfahren werden soll. Den Basarwa wurde aber trotz allem mal der Wasserhahn abgedreht, vielleicht um damit den Geldhahn aus dem Ausland rascher aufdrehen zu können, seien es Interessenten für Diamanten oder für Öko-Tourismus. © Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS
Weitere Informationen Survival International, http://www.survival-international.org/ Filmtipp "Die Götter müssen verrückt sein" ("The Gods Must Be Crazy"); RSA 1980; Regie: Jamie Uys: Ein Pilot wirft achtlos eine Coca-Cola-Flasche aus dem fliegenden Jet. Die Flasche landet prompt vor den Beinen des Buschmann Clanchefs Xi, der sie für ein Geschenk der Götter hält und das gläserne Ding mit in sein Dorf nimmt. Dort kommt es bald zu Unruhe und Streit, was mit der Göttergabe zu machen wäre. Eignet sie sich eher zum Kochen oder zum Musizieren? Alsdann beschließt Xi den Gegenstand - mittlerweile "böses Ding" genannt - wieder wegzubringen. Für ihn und die Seinen müssen die Götter verrückt geworden sein. Eine verspielte Parabel mit Tiefgang über den Einfluß der westlichen Wegwerfgesellschaft auf traditionelle afrikanische Jäger-und-Sammler-Kulturen wie die der sogenannten Buschmänner.
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