Alaska: Arctic National Wildlife Refuge in Gefahr

An der alaskanischen Nordküste, entlang des Beaufort Meers, weit über dem Polarkreis liegt ein einzigartiges Naturgebiet, das 1960 von der Eisenhower-Administration mit viel Pathos als "letzte große Wildnis der USA" unter Schutz gestellt worden war. Jetzt will eine andere Administration, jene von George Bush, jr., ganz ohne Pathos in diesem Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) Ölförderung zulassen. Für viele Wildtiere könnte dies existenzbedrohliche Folgen haben.

Zuflucht beim Polarmeer

Das ANWR bietet für viele selten gewordene Wildtiere Zuflucht, seien es Eisbären oder Moschusochsen. Vor allem aber wandert die 130.000 Exemplare starke "Porcupine"-Karibuherde im Frühjahr durch die "1002 Area", jenes Gebiet am Porcupine River, das für Erdölabbau freigegeben werden soll. Seit 1988 ist die Herde aufgrund klimatischer Änderungen um ein Drittel geschrumpft. Fällt die Zahl der Kälber pro Jahr auch nur um weitere fünf Prozent, ist die gesamte gewaltige Karibuherde zeitlich gesehen bedroht. Viele Umweltorganisationen und selbst die US-Behörde "Fish and Wildlife Service" warnen deshalb vor der industriellen Erschließung des ANWR.

Industriekomplex Prudhoe Bay

 

Nur 150 Kilometer westlich der "1002 Area" liegt einer der größten Industriekomplexe der Vereinigten Staaten, Prudhoe Bay. 1896 entdeckte dort ein Trapper Erdöl, das bis 1933 - als die Anlage in Flammen aufging - gefördert worden war. Nach dem II.Weltkrieg setzte der Öl-Boom wieder ein. 1968 entstand eine neue Fabrik. Heute führt eine 1.300 km lange Pipeline in den an der Südküste Alaskas gelegen Ölhafen Valdez, vor dem 1989 der Supertanker "Exxon 

Valdez" havarierte und eine riesige Ökokatastrophe auslöste. Diese war auch Grund, warum der US-Kongreß 1990 Ölgiganten wie BP-Amoco weitere Erschliessungen untersagt hatte. Nun steht mit George Bush, jr., einem Präsidenten, dessen Wahlkampf sehr von der Öl-Lobby unterstützt worden war, ein starker Förderer im Weißen Haus.

Pro und Contra

Die Ölindustrie wendet ein, daß neue Erdölvorkommen mehr Unabhängigkeit vom arabischen Öl bedeuten und auch die Energiekrise in Kalifornien lindern könnten. Außerdem, so wird argumentiert, lassen sich Eisbären und Karibus selbst Mitten auf den Pipelines von Prudhoe Bay blicken und fühlen sich demnach überhaupt nicht beeinträchtigt.

Die Replik der Naturschützer ist da viel realistischer:

 

Es besteht lediglich eine Chance von 50%, daß in der "1002 Area" Öl gefunden wird, das wiederum den US-Bedarf nur für ein halbes Jahr decken könnte. Also wahrlich kein Vorkommen, welches merkliche Unabhängigkeit von arabischen Importen verspräche.
Kalifornien decke seinen Energiekonsum nur zu 1% aus Erdöl.
Der Küstenstreifen bei Prudhoe Bay ist 200 km breit, weshalb Wildtiere dort trotz Industrieanlagen Platz finden, während er sich in der "1002 Area" auf knappe 30 km verengt und so keinen Platz läßt.

Trotz der besseren Argumente haben es die Umweltschutzbefürworter in Alaska schwer. Der einst bitterarme Bundesstaat gelangte durch die Ölindustrie zu Reichtum. Und jeder seiner Bürger erhält pro Jahr 2.000 US-Dollars aus den Öleinnahmen. Auch eine Einkommenssteuer existiert nicht; somit bezüglich Meinungspropaganda gewissermaßen "Heimspiel" für die Öl-Multis.

Dennoch ist der Kampf für die nahezu unberührten Habitate noch nicht verloren.

Nähere Infos und Unterstützung bei: www.anwr.org bzw. http://arctic.fws.gov.

 

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