Guam: U.S. Navy schießt Carabao-Wildrinder ab

 

Guam, eine kleine Insel im Pazifik, ist politisch Teil der USA. Die U.S. Navy unterhält auf dem Eiland einen Flottenstützpunkt. Im Mai begannen Scharfschützen, Wasserbüffel, die in Nähe des Navy Ordnance Magazine grasten, abzuschießen. Diese Carabao-Wildrinder (Bubalis bubalis) stellen nach Angaben der Militärs eine „Bedrohung für das Personal“ dar und behindern es, „Missionen adäquat auszuführen“. Büffel als Saboteure? Eine sprichwörtlich an den Hörnern herbeigezogene Argumentation.

Am 13. August versammelten sich 100 ProtestantInnen außerhalb der Marinebasis, um gegen das „culling“, wie das „killing“ umschrieben wird, zu demonstrieren. Mit dabei auch einige Carabaos, die durch ein Adoptionsprogramm zuvor vor den Salven der GIs gerettet worden waren. Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums von Guam sind bereits 63 der geschätzten 300 Wasserbüffel getötet worden. Ein Fazit, das die Inselbevölkerung verärgert, die moniert, daß es „um mehr als allein die Büffel gehe“, nämlich um die „andauernde Missachtung indigener Kultur“. „Stop the slaughter!“ und „Genocide“ waren auf den Bannern zu lesen. Bei den einheimischen Chamorros herrscht der Glaube, daß jede Gewalttat, die begangen werde, früher oder später auf einen zurückfalle (http://www.guamjustice.net/superior/History/hist_02.htm). Die Carabaos hätten ihrer Ansicht nach nichts getan, was das culling rechtfertigen würde.

Über 70% der weißen Bevölkerung besteht aus ehemaligen Veteranen, die sich auf das Sonneneiland zurückgezogen haben. Sie betonen, sicherlich nichts gegen die Seestreitkräfte zu haben, verurteilen aber mehrheitlich das Vorgehen der Navy. Das Adoptionsprogramm solle ausgebaut werden, um die Büffel auf non-letale Weise vom Militärgelände zu entfernen. Diese Aufforderung ist als „lautes Klopfen an der Tür der Navy“ zu hören, sagte ein  Veteranenrepräsentant. Navy-Sprecherin Lieutenant Thurraya Kent übt sich in Diplomatie: „Als Militärpersonal kämpfen wir für Freiheiten und um das Recht der Leute zu protestieren, solange dies auf friedliche Weise geschieht“. Die U.S. Navy hat Verständnis für die Anliegen der Demonstranten, da aber Adoption und Geburtenkontrolle der Büffel nicht den gewünschten Erfolg brachten, hat die Marine eine „dritte Methode hinzugefügt“. Außerdem stehe ihre Einheit ständig im fachlichen Austausch mit Wasser- und Wildtierbehörden, um die bestmögliche Lösung zu finden.

Paul Bassler, Direktor des Landwirtschaftsministeriums, brachte zum Ausdruck, daß seine Behörde mit der Marine nicht einer Meinung sei, inwieweit das Militär im Allgemeinen Rechte habe, über „natürliche Ressourcen Guams“ zu verfügen. Allerdings hob er die Kooperationsbereitschaft der Navy beim Adoptionsprogramm für die Büffel hervor.

Tierschutzvereinigungen forderten nun den Kommandanten der Basis Guam, Rear Admiral Patrick W. Dunne, auf, das culling nicht zuletzt im eigenen Interesse zu stoppen, um nicht den Unmut der indigenen Bevölkerung zu schüren, die Jahrhunderte lang mit den Carabaos zusammenlebte.

Text: www.canis.info , 31.08.03; Zitate aus “Pacific Daily News“, 14.08.03

 

 

 
 

 

 

 

 

 

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