|
Kid' s Corner
|
||||||||||
|
Ein Königreich für
einen Vogel* Schottlands
Vogelschutzgesellschaft RSPB (Royal Society for the Protection of Birds)
feiert ihr hundertjähriges Bestehen mit einem Wettbewerb von nationalem
Ausmaß. In Kooperation mit der Zeitung „The Scotsman“ wurde
eine Liste von zwölf Vogelarten vorgelegt. Den Leserinnen und Lesern
des Blattes obliegt es nun, für jene Spezies zu votieren, die ihrer
Meinung nach den Geist Schottlands am besten entspricht. Sobald der
Vogel-Champion eruiert ist, werden RSPB und „The Scotsman“
dem schottischen Parlament eine Petition überreichen, mit dem Ansuchen,
eben diese meistgewählte Vogelart zum offiziellen nationalen Symbol zu
ernennen. Mittwoch, 25. August, 2004, genau 12.00 Uhr mittags, ist Deadline für die
Wahl. Am Samstag, 28. August, wird der siegreiche Vogel Kaledoniens**
bekannt gegeben. Von den ursprünglich zwölf Aspiranten sind bereits
acht ausgeschieden, vier Arten sind noch im Rennen.
Die Anwärter auf
Schottlands Vogelthron sind alsdann: 1) Der Osprey (Pandion haliaetus), gälisch*** Càimeach, zu deutsch Fischadler. Körperlänge: 60 cm, Flügelspannweite: 150 cm, Gewicht: 1,8 kg, Gefieder: weiß und braun.
Harper weiter: „So wie unsere Sprache und unsere Clans****
fast verloren
gingen, wäre auch er fast verschwunden, um nun mit neuer Würde in
unsere Lochs (= Seen) und Hügel zurückzukehren.“ Gegenüber anderen
Greifvögeln hat der Fischadler, so der Vorsitzende der schottischen
Parlamentsgrünen, vor allem zwei Vorteile. Der Wanderfalke ist zwar schön
und flink, er kann aber auch dazu dressiert werden, für Menschen auf
die Jagd zu gehen. Der Steinadler wiederum ist Symbol imperialistischer
Mächte. Daher scheiden beide Arten aus, denn weder Unterwürfigkeit
noch Expansionsstreben sind Kennzeichen der schottischen Nation. Im
Osprey sieht Robin Harper den idealen „Vogel der Republik: ein
Vogel, der seinen Baum mit kleineren Tieren teilt; ein Vogel, der seine
Chancen nützt; ein Vogel mit weitem Horizont.“ 2) Das Red Grouse (Lagopus lagopus scoticus), gälisch: Coileach-fraoich, dt.: Moorschneehuhn. Körperlänge 37-42 cm, Flügelspannweite: 55-66 cm, Gewicht: 450-750 g. Gefieder: braun mit rotem Bogen über den Augen.
Aufgrund seiner
Gefiedercamouflage gilt das Moorschneehuhn für Jäger als schwer
auszumachendes „Wild“. Ein weiterer Grund für den Rugbykapitän,
diesen „tapferen Überlebenden zum Symbol des Geistes unserer neuen
Nation“ zu küren. 3) Das Ptarmigan (Lagopus mutus), gälisch: Gealag bheinne, dt.: Schneehuhn. Körperlänge: 34-36cm, Flügelspannweite: 54-60cm, Schwanzlänge: stolze 8 cm, Gewicht: 400-600g. Gefieder: Im Winter bis auf den schwarzen Schwanz gänzlich weiß. Im Sommer braun, weiß, grau gemustert. Hat wie der größere Verwandte, das Moorschneehuhn ebenfalls einen roten Bogen über dem Auge.
Vor Menschen haben Schneehühner wenig Scheu und flattern erst im letzten Moment davon. Wegen ihrer Fiederung sind sie auch schwer auszumachen. Kurzum, Fred Macaulay wählt das Ptarmigan, weil es ein „wahrer Überlebenskünstler“ ist 4) Das Capercaillie (Tetrao urogallus), gälisch: Capul coillie, dt. Auerhuhn. Körperlänge: 60-87 cm, Flügelspannweite: 87-125 cm, Gewicht: 1,5-5 kg. Gefieder: braun, fast schwarz; grün schimmernde Brust; weiße Markierungen auf der Schulter, roter Augenbogen.
1785 wurde das Capercaillie in Schottland ausgerottet. Im 19. Jahrhundert nahm man Zuchtpaare aus Schweden und wilderte sie in Kaledoniens Wäldern aus. Die Population stieg an. Doch heute läuft das Schottische Auerhuhn Gefahr, bis 2015 erneut auszusterben. Vor dreißig Jahren lebten noch 20.000 Exemplare, nun beläuft sich die Zahl gerade mal auf 200. Zwei Hauptursachen gibt es. Zum einen wurde der ursprüngliche schottische Nadelwald weitgehend durch das Aufforsten mit nordamerikanischen Sitkafichten (Picea sitchensis) verdrängt. Diese Bäume lassen wegen ihrer dichten Benadelung wenig Sonnenlicht zu; die Bodenvegetation, vor allem die Blaubeere (Vaccinium myrtillus), kann nicht gedeihen – sie ist das Hauptnahrungsmittel des Capercaillie. Zum anderen stellen die für Rehwild angelegten Zäune tödlichen Fallen für Auerhühner dar. Da sie die Gitter nicht wahrnehmen, rasen die Vögel mit bis zu 60 halsbrecherischen km/h dagegen. Sophie Stafford plädiert, das Capercaillie zum schottischen Nationalvogel zu wählen, damit die Schutzbemühungen von einer möglichst großen Zahl von Menschen mitgetragen werden. Welcher Vogel wird sich über die anderen drei in die Lüfte erheben? Der Fischadler, der von einem Rotkehlchen verehrt wird? Das Schneehuhn, das mit einem Falken verglichen wird? Vielleicht sein Verwandter aus dem Moor mit der Figur eines Rugbyspielers? Oder das Waldpferd, das in Wirklichkeit ein Hahn auf der Balz ist? Unser wölfischer Berichterstatter Lunardo wird den Ausgang der Wahl selbstverständlich mitverfolgen. Wer neugierig ist, was sonst noch in Schottlands Luftraum segelt, kreuzt, schwebt und flattert, erfährt Interessantes auf der Seite „Scotland The Wild“, http://www.bbc.co.uk/scotland/nature/scotlandthewild/content/animal_class/bird.shtml . Übrigens, die Nationalpflanze Schottlands gibt es schon: Es ist „Ihre Stacheligkeit“, die Distel. Text: lostlobo, www.canis.info , 22.08.04 *:
In Abwandlung des Zitats „Ein Königreich für ein Pferd“, William
Shakespeare, „Richard III.“ **
Kaledonien ist der lateinische Name Schottlands ***:
Gälisch ist die auf die Kelten zurückgehende alte Sprache Schottlands ****:
Clans: Familien- und Stammesverbände, die sich durch ihre speziellen Schottenmuster (Tartans) unterscheiden.
Vgl. "Schottlands Herr der Lüfte", http://www.canis.info/kids_corner/schottland_voegel_2.htm
|
||||||||||