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Kid' s Corner |
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Pflanzen, Sonne und tierische „Bodyguards“ Wenn wir Menschen von anderen Lebewesen sprechen, meinen wir damit in den meisten Fällen Tiere. Kaum jemand denkt zuerst an die Pflanzen. Das hat seine Gründe. Pflanzen bellen oder miauen nicht. Sie laufen einem nicht nach, bekommen keine putzigen Jungen, haben keine Gesichter. Dabei brauchen Mensch und Tier die Flora (so nennt man das Pflanzenreich) zum Überleben. Sie liefert uns Nahrung und produziert Sauerstoff, was den Planeten Erde erst lebenswert macht. Ohne Pflanzen, könnten wir nicht überleben. Dabei führen Pflanzen ein schweres Leben. Achtlos laufen Tiere über sie hinweg, tritt der Mensch auf sie drauf, umspülen sie reißende Gewässer oder fegt der Wind darüber. Mit den Wurzeln im Boden fest verankert, können sie nicht mal fliehen. Aber unsere botanischen Mitgeschöpfe machen das Beste daraus. Photosynthese Im
Laufe der Jahrmillionen dauernden Entwicklungsgeschichte, die wir
Evolution nennen, erwarben Pflanzen erstaunliche Fähigkeiten. Habt ihr
euch beispielsweise schon mal gefragt, was Pflanzen tun, wenn sie Hunger
haben? Richtig, mit ihren Wurzeln holen sie aus dem Erdreich
Mineralstoffe und Wasser. Manche - wie die Venusfliegenfalle - fressen
unachtsame Insekten. Aber reicht das zum Überleben? Nein! Grüne
Pflanzen brauchen mehr, vor allem aber eines: die Sonne. Das Licht
dieses grellen Sternes liefert der Pflanze die nötige Energie, um aus
Wasser und Kohlendioxid (CO2) mit Hilfe von Chlorophyll die
lebenswichtigen Stoffe Zucker und Stärke herzustellen; sowie als
Nebenprodukt Sauerstoff. Und diesen gesamten Vorgang nennt man
Photosynthese. Die grüne Pflanze arbeitet da wie eine kleine Fabrik.
Jetzt werdet ihr sicher fragen, was ist CO2 und was bedeutet
Chlorophyll? Nun
CO2 ist ein Gas, das man in der Luftschicht der Erde findet,
aber auch in Auspuffgasen von Autos oder in den Schlöten von Fabriken.
In geringem Maße ist es nützlich, zuviel davon tötet den Menschen.
Deswegen ist es wichtig, daß wir den Wald pflegen, denn die Bäume –
die größten aller Pflanzen – holen das giftige CO2 aus
der Luft und speichern es. Das
Chlorophyll ist jene Flüssigkeit in den Pflanzen, die sie grün macht.
Stengel, Halme, Blätter, Nadeln – alle enthalten dieses „grüne
Blut“ der Pflanzen. Phototropismus Ihr könnt einen einfachen Versuch machen. Nehmt einen Blumentopf, pflanzt den Samen von Bohnen, Tomaten oder ähnlichem in die Erde und stellt das Gefäß zum Licht; am besten auf das Fensterbrett oder in den Garten. Dann wartet einige Tage. Schon nach kurzer Zeit werdet ihr merken, daß kleine grüne Keimlinge durch die Erdschicht hervordringen. Und wenn ihr ganz genau beobachtet, seht ihr, daß die grünen Pflanzenteile immer in Richtung Sonnenlicht wachsen. Dann stellt den Deckel einer Kartonschachtel über den Blumentopf und wartet wieder ein paar Tage. Die Pflanzen werden gelblich, kraft- und saftlos. Das Chlorophyll ist zu wenig. Bevor die Pflanze zu verdorren beginnt, schneidet ein Loch in den Pappdeckel. Nach einigen Tagen wird der Triebling durch dieses Loch hindurchwachsen, wieder der Sonne entgegen. Und diese Eigenschaft, daß Pflanzen immer zum Licht wachsen, heißt Phototropismus. Duftstoffe für „Bodyguards“ Viele Pflanzen bringen wunderbare farbige Blüten hervor, die nicht nur für das menschliche Auge schön anzusehen sind, sondern auch Duftstoffe absondern, die Insekten oder Vögel anlocken. Diese Tiere braucht die Pflanze. Warum, fragt ihr? Ganz einfach. Damit die Pflanze sich fortpflanzen und verbreiten kann, braucht sie jemanden, der ihren Samen weiterträgt, da sie ja selbst nicht laufen kann. Die winzig kleinen Pollen bleiben entweder auf den Körpern der Tiere hängen oder aber sie werden geschluckt, aber unverdaut wieder ausgeschieden. Und das oft viele Kilometer weiter weg. So gelingt es den Pflanzen, sich über große Gebiete zu verbreiten. Aber
der Duft lockt auch Freßfeinde an, gierige kleine Raupen, welche die
Pflanze langsam auffressen würden. Damit dies nicht geschieht, haben
viele Pflanzen Abwehrstoffe entwickelt. Bohnen-, Tomaten-, Gurken- oder
Maispflanzen sondern über die Poren – das sind winzige Öffnungen –
ihrer Blätter Dufte ab, die Raubinsekten anlocken, sobald das
Pflanzenblatt angeknabbert wird. Diese Stoffe (sie heißen Terpenoide)
sind wie eine Einladung. Baumwollstauden „rufen“ zum Beispiel
Brackwespenweibchen, die ihre Eier in den Raupen ablegen. Sobald aus den
Eiern Larven werden, fressen sie die Raupen auf; die Pflanze ist
gerettet. Etliche
Pflanzen warten gar nicht erst, bis all zu viele Blätter angebissen
sind, sondern produzieren an völlig gesunden Stellen Stoffe, die gleich
nach Wespen oder Libellen „schreien“. Gleichzeitig alarmieren sie
durch diesen Warnduft (eine gasförmige Jasmonsäure) weiter entfernte
Pflanzen, die so schon rechtzeitig tierische Helfer anlocken können,
ehe die Schädlinge noch eintreffen. Die Akazie bildet sogar Blüten
aus, die nicht der Fortpflanzung dienen (sogenannte „extraflorale
Nektarien“, ein schwieriger Begriff!), sondern die durch den in uhnen
enthaltenen Nektar Ameisen anlocken, welche wiederum die Raupen töten. Ameisen
oder Wespen als Leibwächter, als Bodyguards, von Pflanzen. Eine
sinnvolle Arbeitsteilung von Mutter Natur. Denn durch die lockenden
Duftstoffe erfahren diese Raubinsekten ohne viel Anstrengung, wo es
Beute gibt, während die Pflanzen dadurch vor Raupenbefall geschützt
werden. Giftfalle Tabak Wie ihr sicherlich wißt, werden Zigaretten aus den getrockneten Blättern der Tabakpflanze hergestellt. Und in diesen Blättern befindet sich ein Stoff, der Nikotin heißt. Nikotin ist nicht nur für Raucher gesundheitsschädlich, ja es tötet sogar Insekten. Frißt eine Raupe ein Tabakblatt an, erhöht die Pflanze mittels der Jasmonsäure innerhalb weniger Stunden die Nikotinproduktion um ein Vielfaches. Frißt die Raupe gierig weiter, nimmt sie soviel Nikotin auf, wie in 100 Zigaretten enthalten wäre. Ihr könnte euch vorstellen, daß das für eine so kleines Insekt tödlich ist. Aber nicht nur Tabak ist giftig. Akazien in Südafrika stellen das Gas Ethylen her, das schon vielen blätterknabbernden Gazellen das Leben kostete. Pflanzen sind viel faszinierender als wir oft glauben. Sie können zwar keine Sätze bilden oder schreiben. Aber auf ihre Weise „sprechen“ auch sie mit der Umwelt. Sie locken „Bodyguards“ an, vergiften Raupen, speichern das giftige CO2, produzieren den wichtigen Sauerstoff und liefern uns und der Tierwelt Nahrung. Ohne Pflanzen wäre die Erde unbewohnbar, ein trostloser Planet.
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