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Aus
dem Tagebuch des Lieben Wolfs
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Ich
glaube, es ist höchste Zeit, dass ich mal selbst zu Wort komme. Wer
"ich" bin? Nun, ihr kennt mich unter dem Namen "böser
...", ja richtig, "böser Wolf". Böse bin ich aber gar
nicht, höchstens auf Menschen, die solche Lügen verbreiten. Sicher, ich
kann es bei der Ehre meines Rudels nicht ausstehen, wenn meinesgleichen gefangen und
hinter Gitter gesteckt wird. Zoos nennt ihr Menschlinge das. Da steht
ihr lärmend und staunend, vor Angst zitternd, hinter den Eisenstäben
und starrt aus sicher Entfernung unsereiner an; immer in der Hoffnung,
dass wir die Zähne fletschen oder - noch viel lieber - den Mond
anheulen. Selbst am hellen Tag erwartet ihr das von Wölfen. Eine gar
sonderbare Art seid ihr. Ich
habe auch die traurige Kunde vernommen, dass ihr mit feuerspuckenden
Waffen in gar ferne Länder reist und dort meine Verwandten in die
ewigen Wolfsgründe schickt. Jagd nennt ihr das. |
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Zur Hege der Wildnis soll sie dienen,
und zum Wohle des Wildes. Nun ich sage euch, die
Wildnis kam Tausende Monde ohne euch gut zurecht, das Wild auch.
Schließlich regeln wir oder unsere Vettern, die Katzen und Bären, den
Bestand. Wir verspeisen die kranken und schwachen Tiere, ihr aber
vernichtet wahllos; aus Lust am Töten. Doch unsereiner nennt ihr böse.
Eine gar sonderbare Art seid ihr.
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Wenn
ihr durch die Wälder geht, stört ihr stets das Gleichgewicht; achtlos
zertretet ihr Pflanzen, fällt Bäume und lagert euren Müll unter dem
Blätterdach. Von weitem schon können wir euch riechen, kein guter
Geruch in unseren feinen Nasen. Gleich machen wir einen weiten Bogen um
euch. Kein Wolf bei Sinnen möchte Menschen begegnen. Anders ihr selbst. |
Ihr grabt uns Gruben mit versteckten Pflöcken, in die wir fallen
sollen. Ihr legt Eisen mit scharfen, spitzen Zähnen aus, in die wir
treten sollen. Scheinbar bietet ihr uns Futter an, doch birgt es Gift in
sich. Aber unsereiner nennt ihr böse. Eine gar sonderbare Art seid ihr.
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In
den Büchern für eure Welpen erzählt ihr schaurige Geschichten über
uns. Kleine und Großmütter würden wir fressen, uns bei Vollmond in
euresgleichen verwandeln, vor Tollwut rasend Wanderer verfolgen. Welch
Narretei ihr da lehrt. Doch beim Glanze meines Pelzes, ihr seid nicht
alle so. Es gibt einige, wenn auch wenige unter euch Menschen, die uns
schätzen und achten, die unsere Freunde sind. Vor langer Zeit spielten
wir mit Menschentöchtern im Walde. |
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Davon will
ich euch gerne Bilder
zeigen. Seht und urteilt nun selbst, ob wir Wölfe "böse"
sind oder ob es euer Vorurteil ist, das wahrlich Böses birgt...
Der
Liebe Wolf 
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